Feh­len­de Erfolgs­aus­sich­ten in der Rechts­schutz­ver­si­che­rung

Nach § 28 Satz 3 VVG gilt das Rechts­schutz­be­dürf­nis als aner­kannt, wenn der Ver­si­che­rer den Ver­si­che­rungs­neh­mer bei Ver­nei­nung sei­ner Leis­tungs­pflicht nicht gemäß § 128 Satz 2 VVG auf ein im Ver­si­che­rungs­ver­trag vor­ge­se­he­nes Gut­ach­ter­ver­fah­ren i.S. von § 128 Satz 1 VVG hin­weist oder der Ver­si­che­rungs­ver­trag ein der­ar­ti­ges Ver­fah­ren nicht vor­sieht. Auf feh­len­de hin­rei­chen­de Erfolgs­aus­sich­ten (§ 18 (1) b) Satz 1 ARB-RU 2000) kann sich der Ver­si­che­rer in die­sem Fall folg­lich nicht beru­fen.

Feh­len­de Erfolgs­aus­sich­ten in der Rechts­schutz­ver­si­che­rung

Dabei ist uner­heb­lich, dass die anwalt­li­chen Ver­tre­ter des Ver­si­che­rungs­neh­mers Kennt­nis von dem Ver­fah­ren hat­ten.

Aller­dings wird teil­wei­se ange­nom­men, die Hin­weis­pflicht ent­fal­le, wenn der Ver­si­che­rungs­neh­mer oder sein Rechts­an­walt die Mög­lich­keit des Stich­ent­scheids- bzw. Schieds­gut­ach­ter­ver­fah­rens ken­ne, weil ein Hin­weis in die­sem Fall gemes­sen am Sinn und Zweck des § 158n VVG a.F. (= § 128 VVG n.F.) eine nicht gerecht­fer­tig­te Förm­lich­keit sei 1.

Eine sol­che Ein­schrän­kung der Hin­weis­pflicht ist nach der vor­lie­gen­den Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs jedoch abzu­leh­nen 2. Der Hin­weis­pflicht und der Anwen­dung des § 128 Satz 3 VVG bei unter­las­se­nem Hin­weis steht nicht ent­ge­gen, dass der Ver­si­che­rungs­neh­mer oder sein Rechts­an­walt die Mög­lich­keit eines sol­chen Ver­fah­rens kennt. Der Wort­laut des § 128 Satz 2 VVG sieht eine Ein­schrän­kung der Hin­weis­pflicht aus sub­jek­ti­ven Grün­den nicht vor; auch § 128 Satz 3 VVG knüpft die Fik­ti­on der Aner­ken­nung an rein objek­ti­ve Kri­te­ri­en. Die Hin­weis­pflicht soll Klar­heit dar­über schaf­fen, aus wel­chen Grün­den der Ver­si­che­rer sei­ne Deckungs­pflicht ablehnt, was eine Erfül­lung unab­hän­gig von der Kennt­nis oder Unkennt­nis des Emp­fän­gers erfor­dert 3. § 128 Satz 3 VVG sank­tio­niert bereits das Unter­las­sen der Mit­tei­lung auch des­halb, weil ein Scha­dens­er­satz­an­spruch des Ver­si­che­rungs­neh­mers kei­ne hin­rei­chen­de Gewähr für die Erfül­lung der Pflicht böte 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 2. April 2014 – IV ZR 124/​13

  1. so OLG Karls­ru­he VersR 1999, 613, 614 f. und unter Beru­fung auf die­se Ent­schei­dung: Münch­Komm-VVG/Rich­ter, § 128 Rn. 24; HK-VVG/­Mün­kel, 2. Aufl. § 128 Rn. 4; Arm­brüs­ter in Prölss/​Martin, VVG 28. Aufl. § 128 Rn. 6; Oba­row­ski in Beck­man­n/­Ma­tu­sche-Beck­mann, Ver­si­che­rungs­rechts-Hand­buch 2. Aufl. § 37 Rn. 448; vgl. auch Hill­mer-Möbi­us in Schwintowski/​Brömmelmeyer, 2. Aufl. § 128 Rn. 14, der die Pflicht nur in Ein­zel­fäl­len ent­fal­len las­sen will, wenn die Kennt­nis zwei­fels­frei ange­nom­men wer­den kann[]
  2. so auch Rix­e­cker in Römer/​Langheid, VVG 4. Aufl. § 128 Rn. 5; Vogel in Looschelders/​Pohlmann, VVG 2. Aufl. § 128 Rn. 12; Brün­ger in Fach­an­walts­kom­men­tar Ver­si­che­rungs­recht § 128 Rn. 9; Harbauer/​Bauer, Rechts­schutz­ver­si­che­rung 8. Aufl. § 128 VVG Rn. 8; Busch­bell in Buschbell/​Hering, Hand­buch Rechts­schutz­ver­si­che­rung 5. Aufl. § 33 Rn. 5; Bau­er, NJW 2000, 1235, 1239; OLG Cel­le VersR 2002, 91, 92; OLG Hamm VersR 1999, 1362, 1363; OLG Köln NVer­sZ 2000, 590, 591[]
  3. Vogel aaO[]
  4. Arm­brüs­ter aaO Rn. 7[]
  5. vgl. BVerfGE 21, 191, 194;…

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