Fonds­ge­bun­de­ne Lebens­ver­si­che­run­gen – Abschluss im Poli­cen­mo­dell und der Wider­ruf

Der Ver­si­che­rer belehrt den Ver­si­chungs­neh­mer nicht ord­nungs­ge­mäß im Sin­ne von § 5a Abs. 2 Satz 1 VVG a.F. über das Wider­spruchs­recht, wenn die Wider­spruchs­be­leh­rung kei­nen Hin­weis dar­auf ent­hält, dass der Wider­spruch schrift­lich zu erhe­ben ist.

Fonds­ge­bun­de­ne Lebens­ver­si­che­run­gen – Abschluss im Poli­cen­mo­dell und der Wider­ruf

Die not­wen­di­ge Beleh­rung über das gesetz­li­che Form­erfor­der­nis1 konn­te der Ver­si­che­rungs­neh­mer nicht aus der For­mu­lie­rung ent­neh­men, dass zur Wah­rung der Frist die recht­zei­ti­ge Absen­dung des Wider­spruchs genü­ge.

Selbst wenn ein ver­stän­di­ger Ver­si­che­rungs­neh­mer nur ver­kör­per­te Erklä­run­gen als der Absen­dung zugäng­lich ansieht, so bleibt für ihn den­noch unklar, ob hier­zu eine Ver­kör­pe­rung in Text­form aus­reicht oder ob es nicht der tra­di­tio­nel­len Schrift­form bedarf2.

Das durch die Beleh­rung das Form­erfor­der­nis abbe­dun­gen wer­den soll­te, ist ihrem Text nicht zu ent­neh­men3.

Für einen sol­chen Fall bestimm­te § 5a Abs. 2 Satz 4 VVG durch die Beleh­rung das Form­erfor­der­nis abbe­dun­gen wer­den soll­te, ist ihrem Text nicht zu ent­neh­men3.

Für einen sol­chen Fall bestimm­te § 5a Abs. 2 Satz 4 VVG auch nicht aus­nahms­wei­se des­halb treu­wid­rig, weil der Ver­si­che­rungs­neh­mer wie­der­holt Ver­trags­än­de­run­gen und eine Über­tra­gung des Ver­tra­ges auf einen Ver­si­che­rungs­mak­ler vor­ge­nom­men hat­te. Die Annah­me von Treu­wid­rig­keit kommt im Streit­fall schon des­halb nicht in Betracht, weil der Ver­si­che­rer den Ver­si­che­rungs­neh­mer bei Ver­trags­schluss nicht ord­nungs­ge­mäß über ihr Wider­spruchs­recht belehrt hat4 und es sich bei den von der Revi­si­ons­er­wi­de­rung für eine Treu­wid­rig­keit ange­führ­ten Umstän­den auch nicht um sol­che han­delt, die beson­ders gra­vie­rend sind5 und im Aus­nah­me­fall auch dem nicht ord­nungs­ge­mäß belehr­ten VN die Gel­tend­ma­chung des Anspruchs ver­weh­ren kön­nen.

Der Höhe nach umfasst der Rück­ge­währ­an­spruch nach § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 BGB nicht unein­ge­schränkt alle gezahl­ten Prä­mi­en. Viel­mehr muss sich der Ver­si­che­rungs­neh­mer bei der berei­che­rungs­recht­li­chen Rück­ab­wick­lung den jeden­falls bis zur Kün­di­gung des Ver­tra­ges genos­se­nen Ver­si­che­rungs­schutz anrech­nen las­sen. Der Wert des Ver­si­che­rungs­schut­zes kann unter Berück­sich­ti­gung der Prä­mi­en­kal­ku­la­ti­on bemes­sen wer­den; bei Lebens­ver­si­che­run­gen kann etwa dem Risi­ko­an­teil Bedeu­tung zukom­men6.

Bun­des­ge­richts­hof,

  1. vgl. BGH, Urteil vom 28.01.2004 – IV ZR 58/​03, VersR 2004, 497 unter 3 b
  2. BGH, Urtei­le vom 29.07.2015 – IV ZR 448/​14, VersR 2015, 1104 Rn. 24 und – IV ZR 112/​14 12
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 27.01.2016 – IV ZR 130/​15, r+s 2016, 230 Rn. 14 und BGH, Urteil vom 29.07.2015 – IV ZR 448/​14, VersR 2015, 1104 Rn. 24
  4. vgl. BGH, Urteil vom 07.05.2014 – IV ZR 76/​11, BGHZ 201, 101 Rn. 39 m.w.N.
  5. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 11.11.2015 – IV ZR 117/​15 17; und vom 27.01.2016 – IV ZR 130/​15, r+s 2016, 230 Rn. 16
  6. BGH, Urteil vom 07.05.2014 aaO Rn. 45 m.w.N.