Gebäu­de­ver­si­che­rung – und die Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Mie­ters

Der bei Abschluss des Gebäu­de­ver­si­che­rungs­ver­tra­ges nach ergän­zen­der Aus­le­gung der Recht­spre­chung 1 still­schwei­gend erklär­te Regress­ver­zicht des Gebäu­de­ver­si­che­rers zuguns­ten der Mie­ter des ver­si­cher­ten Gebäu­des ist auf Fäl­le der Scha­dens­her­bei­füh­rung durch ein­fa­che Fahr­läs­sig­keit beschränkt und eröff­net dem Gebäu­de­ver­si­che­rer nur in die­sem Fall einen direk­ten Rück­griff auf den Haft­pflicht­ver­si­che­rer des Mie­ters ana­log dem Innen­aus­gleich der Ver­si­che­rer bei einer Mehr­fach­ver­si­che­rung 2 3.

Gebäu­de­ver­si­che­rung – und die Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Mie­ters

Soweit Tei­le der Lite­ra­tur die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Regress­ver­zicht sei mit Blick auf das neue Ver­si­che­rungs­ver­trags­ge­setz und des­sen Abkehr vom "Alle­s­o­der-Nichts-Prin­zip", die unter ande­rem in § 81 Abs. 2 VVG n.F. ihren Nie­der­schlag gefun­den habe, auf Fäl­le der grob fahr­läs­si­gen Her­bei­füh­rung des Scha­dens in der Wei­se zu erstre­cken, dass der Gebäu­de­ver­si­che­rer beim Mie­ter nur in Höhe der ihn nach § 81 Abs. 2 VVG tref­fen­den Kür­zungs­quo­te Regress neh­men kön­ne 4, über­zeugt dies nicht 5.

Ein so weit­ge­hen­der Regress­ver­zicht ent­sprä­che nicht mehr den Inter­es­sen der Par­tei­en des Gebäu­de­ver­si­che­rungs­ver­tra­ges.

Im Rah­men der ergän­zen­den Aus­le­gung, wel­che zu der Annah­me eines still­schwei­gen­den Regress­ver­zichts des Gebäu­de­ver­si­che­rers geführt hat, hat der Bun­des­ge­richts­hof zunächst auf das Inter­es­se des Ver­si­che­rungs­neh­mers abge­stellt, das Ver­trags­ver­hält­nis zu sei­nem Mie­ter nicht zu belas­ten. Eine ernst­haf­te Belas­tung hat der Bun­des­ge­richts­hof dar­in gese­hen, dass der Ver­si­che­rungs­neh­mer der Gebäu­de­ver­si­che­rung im Fal­le eines Regres­ses wegen der Oblie­gen­heit, den Gebäu­de­ver­si­che­rer bei der Durch­set­zung sei­ner Regress­for­de­rung zu unter­stüt­zen, eine dem Inter­es­se sei­nes Mie­ters und auch sei­nem eige­nen Inter­es­se zuwi­der­lau­fen­de Posi­ti­on ver­tre­ten müss­te 6. Erstreck­te sich der Regress­ver­zicht des Gebäu­de­ver­si­che­rers auch auf Fäl­le gro­ber Fahr­läs­sig­keit in der Wei­se, dass der Gebäu­de­ver­si­che­rer nur noch in Höhe einer fest­zu­set­zen­den Quo­te beim Mie­ter Regress neh­men dürf­te, könn­te dies den auf­ge­zeig­ten Kon­flikt des Gebäu­de­ei­gen­tü­mers und Ver­si­che­rungs­neh­mers der Gebäu­de­ver­si­che­rung nicht aus­räu­men, denn jeden­falls mit Blick auf den antei­li­gen Mie­ter­re­gress des Gebäu­de­ver­si­che­rers blie­be er gehal­ten, des­sen Posi­ti­on zu unter­stüt­zen und gege­be­nen­falls ent­ge­gen eige­nem Inter­es­se auf eine hohe Regress­quo­te hin­zu­wir­ken.

Wäh­rend dem Gebäu­de­ver­si­che­rer bei einem auf Fäl­le ein­fa­cher Fahr­läs­sig­keit beschränk­ten, voll­stän­di­gen Regress­ver­zicht nach der Bun­des­ge­richts­hofs­recht­spre­chung der Vor­teil einer direk­ten Inan­spruch­nah­me des Haft­pflicht­ver­si­che­rers des Mie­ters über die ana­lo­ge Her­an­zie­hung der Vor­schrif­ten über den Ver­si­che­rer-Innen­aus­gleich bei Mehr­fach­ver­si­che­rung gewährt wird 7 und ihm damit die Regu­lie­rung erleich­tert wer­den kann, erwie­se sich ein quo­ten­mä­ßig beschränk­ter Regress­ver­zicht für Fäl­le gro­ber Fahr­läs­sig­keit des Mie­ters als für den Gebäu­de­ver­si­che­rer nach­tei­lig.

Denn ohne die Haf­tungs­quo­te des Mie­ters selbst zuver­läs­sig fest­le­gen zu kön­nen, müss­te er zum einen die Quo­te, in deren Höhe der Mie­ter von einer Haf­tung frei­ge­stellt blie­be, im Wege der in der Regel hälf­ti­gen direk­ten Inan­spruch­nah­me des Haft­pflicht­ver­si­che­rers des Mie­ters über den Innen­aus­gleich der Ver­si­che­rer ver­fol­gen, zugleich aber hin­sicht­lich der ver­blei­ben­den Quo­te den Mie­ter im Regress­we­ge in Anspruch neh­men und im Erfolgs­fal­le schließ­lich den Deckungs­an­spruch des Mie­ters gegen sei­nen Haft­pflicht­ver­si­che­rer pfän­den und sich über­wei­sen las­sen, um so am Ende auch wegen die­ser Quo­te den Haft­pflicht­ver­si­che­rer ein wei­te­res Mal in Anspruch neh­men zu kön­nen. Die­se kom­pli­zier­te Par­al­lel­füh­rung zwei­er Aus­ein­an­der­set­zun­gen um den Aus­gleich nach Regu­lie­rung eines vom Mie­ter ver­ur­sach­ten Gebäu­de­scha­dens ist dem Gebäu­de­ver­si­che­rer nicht zumut­bar.

Soweit der Bun­des­ge­richts­hof bei der Ent­wick­lung des so genann­ten ver­si­che­rungs­recht­li­chen Modells den Regress­ver­zicht des Gebäu­de­ver­si­che­rers auf die Über­le­gung gestützt hat, der Mie­ter finan­zie­re die Gebäu­de­ver­si­che­rung des Ver­mie­ters, hat er dar­aus ledig­lich eine berech­tig­te Erwar­tung des Mie­ters abge­lei­tet, dass ihm die­se Auf­wen­dun­gen im Scha­dens­fall "in irgend­ei­ner Wei­se zugu­te­kom­men" soll­ten, er "in gewis­ser Wei­se geschützt" wer­de, wenn er leicht fahr­läs­sig einen Scha­den ver­ur­sa­che 8. Mit­hin hat der Bun­des­ge­richts­hof nicht aus­ge­spro­chen, der Mie­ter müs­se infol­ge sei­ner Mit­fi­nan­zie­rung der Gebäu­de­ver­si­che­rungs­prä­mi­en im Ergeb­nis vol­len Umfangs wie ein Ver­si­che­rungs­neh­mer die­ses Ver­tra­ges gestellt wer­den.

Viel­mehr bestand seit Beginn der Recht­spre­chungs­ent­wick­lung betref­fend die Pri­vi­le­gie­rung des Mie­ters los­ge­löst vom recht­li­chen Ansatz, über den ein sol­ches Ergeb­nis zu errei­chen war, die Vor­stel­lung, den Mie­ter ledig­lich in Fäl­len ein­fach fahr­läs­si­ger Scha­dens­her­bei­füh­rung zu ent­las­ten 9. Dabei muss es mit Blick auf die oben erläu­ter­te Inter­es­sen­la­ge der Par­tei­en des Gebäu­de­ver­si­che­rungs­ver­tra­ges unge­ach­tet des geän­der­ten Ver­si­che­rungs­ver­trags­ge­set­zes blei­ben.

Ohne Erfolg blieb vor dem Bun­des­ge­richts­hof auch der Ein­wand, die Haft­pflicht­ver­si­che­rung ver­hal­te sich treu­wid­rig, wenn sie sich gegen­über der Gebäu­de­ver­si­che­rung dar­auf beru­fe, ihr Ver­si­che­rungs­neh­mer habe den Scha­den grob fahr­läs­sig ver­ur­sacht.

Im hier ent­schie­de­nen Streit­fall hat die Haft­pflicht­ver­si­che­rung erkenn­bar ein die Treu­wid­rig­keit aus­schlie­ßen­des berech­tig­tes Inter­es­se, sich auf gro­be Fahr­läs­sig­keit des Schä­di­gers zu beru­fen, weil sie gel­tend machen will, ihm gegen­über im Deckungs­ver­hält­nis infol­ge der Straf­tat­klau­sel der Nr. 1.1 BBR leis­tungs­frei zu sein. Damit steht noch nicht fest, dass sie im Fal­le grob fahr­läs­si­ger Scha­dens­her­bei­füh­rung voll ein­tritts­pflich­tig wäre.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Okto­ber 2016 – IV ZR 52/​14

  1. vgl. dazu BGH, Urteil vom 08.11.2000 – IV ZR 298/​99, BGHZ 145, 393 ff. unter 2 und 3[]
  2. gemäß § 59 Abs. 2 Satz 1 VVG a.F./§ 78 Abs. 2 Satz 1 VVG n.F.[]
  3. vgl. dazu BGH, Urteil vom 13.09.2006 – IV ZR 273/​05, BGHZ 169, 86 ff. unter II[]
  4. Staudinger/​Kassing, VersR 2007, 10 ff., Hor­muth in Beck­man­n/­Ma­tu­sche-Beck­mann, Ver­si­che­rungs­rechts-Hand­buch 3. Aufl. § 22 Rn. 145; von Kop­pen­fels-Spies in Looschelders/​Pohlmann, VVG 2. Aufl. § 86 Rn. 86; Schi­mi­kow­ski, Ver­si­che­rungs­ver­trags­recht 5. Aufl. Rn. 358; Schnei­der in Staudinger/​Halm/​Wendt, FAKomm-VersR § 86 Rn. 47[]
  5. gegen die­se Auf­fas­sung auch Möller/​Segger in Münch­Komm-VVG, 2. Aufl. § 86 Rn. 232; OLG Mün­chen VersR 2009, 1112, 1114[]
  6. vgl. BGH, Urtei­le vom 08.11.2000 – IV ZR 298/​99, BGHZ 145, 393 unter 3 c; vom 13.09.2006 – IV ZR 116/​05, VersR 2006, 1533 Rn.20[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 13.09.2006 – IV ZR 273/​05, BGHZ 169, 86 unter II[]
  8. BGH, Urteil vom 13.09.2006 – IV ZR 116/​05, VersR 2006, 1533 Rn. 23 m.w.N.[]
  9. vgl. dazu BGH, Urteil vom 13.09.2006 – IV ZR 116/​05, VersR 2006, 1533 Rn. 11[]