Gerichts­stand für den Rück­griffs­an­spruch des Unfall­ver­si­che­rers

Der Rück­griffs­an­spruch des Unfall­ver­si­che­rers (der Berufs­ge­nos­sen­schaft) gegen den Schä­di­ger gem. § 110 SGB VII unter­fällt nicht dem beson­de­ren Gerichts­stand der uner­laub­ten Hand­lung gem. § 32 ZPO.

Gerichts­stand für den Rück­griffs­an­spruch des Unfall­ver­si­che­rers

Zwar ist der Begriff der uner­laub­ten Hand­lung im Sin­ne des § 32 ZPO nicht auf die Tat­be­stän­de der §§ 823 ff. BGB beschränkt, son­dern hat umfas­sen­de­re Bedeu­tung. Umfasst ist viel­mehr jeder rechts­wid­ri­ge Ein­griff in frem­de Rechts­sphä­re 1. In per­sön­li­cher Hin­sicht unter­liegt die Anwen­dung des § 32 ZPO kei­ner­lei Ein­schrän­kun­gen. Der Gerichts­stand des § 32 ZPO kann auch von dem­je­ni­gen in Anspruch genom­men wer­den, der den durch eine uner­laub­te Hand­lung begrün­de­ten Anspruch im Wege der Legal­zes­si­on – etwa nach § 116 SGB X – erwor­ben hat 2.

Bei Anwen­dung die­ser Grund­sät­ze schei­det ein Gerichts­stand nach § 32 ZPO gleich­wohl aus. § 110 SGB VII, der vor­lie­gend ein­zig als Anspruchs­grund­la­ge wegen der Haf­tungs­pri­vi­le­gie­rung gemäß den §§ 104 bis 107 SGB VII in Betracht kommt, begrün­det einen ori­gi­nä­ren Rück­griffs­an­spruch zivil­recht­li­cher Natur, der nicht aus dem Anspruch des Geschä­dig­ten abge­lei­tet ist 3. Die­ser Rück­griffs­weg weicht somit von dem Rück­griffs­mo­dell des gesetz­li­chen For­de­rungs­über­gangs, wel­ches etwa durch § 116 SGB X ver­wirk­licht wird, ab. Ein sol­ches gesetz­li­ches Aus­gleichs­ver­hält­nis fällt nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm grund­sätz­lich nicht unter § 32 ZPO 4.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Beschluss vom 19. April 2013 – 32 SA 18/​13

  1. vgl. Zöller/​Vollkommer, ZPO, 29. Aufl., § 32 ZPO Rn 4 m. w. N.[]
  2. vgl. BGH NJW 1990, 2316[]
  3. Eichenhofer/​Wenner, SGB VII/​Waltermann, § 110 Rdn. 2; Schmitt SGB VII 3. Aufl. § 110 Rdn. 3[]
  4. vgl. hier­zu auch Zöller/​Vollkommer, a. a. O., § 32 ZPO Rn 12[]