Heros – Geld­trans­por­te und ihre ver­si­che­rungs­recht­li­chen Fol­gen

Der Bun­des­ge­richts­hof hat im Anschluss an sei­ne Ent­schei­dun­gen vom 25. Mai 2011 im Zusam­men­hang mit der HEROS-Grup­pe wei­te­re Ent­schei­dun­gen zu den ver­si­che­rungs­recht­li­chen Fol­gen des Zusam­men­bruchs eines Geld- und Wert­trans­port­un­ter­neh­mens getrof­fen:

Heros – Geld­trans­por­te und ihre ver­si­che­rungs­recht­li­chen Fol­gen

Die Klä­ger – Ban­ken und Ein­zel­han­dels­un­ter­neh­men – haben Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen aus einer Trans­port­ver­si­che­rung gefor­dert. Deren Ver­si­che­rungs­schutz erstreckt sich auf „alle Gefah­ren und Schä­den, gleich­viel aus wel­cher Ursa­che“, denen ver­si­cher­te Sachen (u.a. Geld, Geld­schei­ne, Hart­geld, Mün­zen) aus­ge­setzt sind. Er beginnt mit deren „Über­ga­be oder Über­nah­me … an bzw. durch den Ver­si­che­rungs­neh­mer“ und „endet, wenn die­sel­ben in die Obhut des berech­tig­ten Emp­fän­gers über­ge­ben wor­den sind“.

Die Geschäfts­füh­rer des Geld- und Wert­trans­port­un­ter­neh­mens ver­wen­de­ten die­sem über­las­se­nes Bar­geld über Jah­re hin­weg zweck­wid­rig, indem sie damit unter ande­rem Ver­bind­lich­kei­ten gegen­über ande­ren Auf­trag­ge­bern begli­chen. Auf­grund des­sen wur­de zahl­rei­chen Auf­trag­ge­bern – dar­un­ter nach ihren Behaup­tun­gen auch den Klä­gern – ins­be­son­de­re im August 2006 dem Trans­por­teur zur Ent­sor­gung über­las­se­nes Bar­geld nicht mehr (voll­stän­dig) auf ihren Kon­ten gut­ge­schrie­ben oder zur Ver­sor­gung von Filia­len oder Geld­au­to­ma­ten bestimm­tes Geld nicht mehr über­ge­ben. Nach Auf­de­ckung die­ser Geschäfts­prak­ti­ken im Som­mer 2006 foch­ten die Beklag­ten die Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge wegen arg­lis­ti­ger Täu­schung bei Ver­trags­schluss an.

Die Par­tei­en haben vor allem dar­über gestrit­ten, ob die beklag­ten Ver­si­che­rer schon infol­ge der Anfech­tung leis­tungs­frei sind, sowie, ob das Geld- und Wert­trans­port­un­ter­neh­men im Umgang mit dem ihm anver­trau­ten Bar­geld gegen ver­trag­li­che Ver­pflich­tun­gen ver­sto­ßen und dadurch einen Ver­si­che­rungs­fall aus­ge­löst hat.

Die Beru­fungs­ge­rich­te – die Ober­lan­des­ge­rich­te in Düs­sel­dorf [1] und Hamm [2] – hat­ten die Kla­ge­an­sprü­che über­wie­gend zuge­spro­chen. Dage­gen wen­de­ten sich die Ver­si­che­rer mit ihren Revi­sio­nen. Die Klä­ger erstreb­ten zum Teil eine wei­ter­ge­hen­de Ver­ur­tei­lung der Beklag­ten, soweit die Kla­gen in den Vor­in­stan­zen abge­wie­sen wor­den waren.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat den noch von den Beru­fungs­ge­rich­ten ange­nom­me­nen Aus­schluss der Beklag­ten mit der Gel­tend­ma­chung des Ein­wan­des der Anfech­tung abge­lehnt. Die Ver­fah­ren sind zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung, ins­be­son­de­re zur Klä­rung der bis­her offen gelas­se­nen Fra­ge, ob die Beklag­ten ihre Ver­trags­er­klä­run­gen wirk­sam wegen arg­lis­ti­ger Täu­schung bei Ver­trags­schluss ange­foch­ten haben, an die­se zurück­ver­wie­sen wor­den.

Anders als in dem Sach­ver­halt, der dem ers­ten Heros-Urteil vom 25. Mai 2011 zugrun­de lag, schlie­ßen die Bedin­gun­gen der zwi­schen den Klä­gern und dem Geld- und Wert­trans­port­un­ter­neh­men geschlos­se­nen Trans­port­ver­trä­ge es in den heu­te ent­schie­de­nen Rechts­sa­chen aus, dass zur Ent­sor­gung über­las­se­nes Bar­geld bei Ablie­fe­rung bei der Deut­schen Bun­des­bank zunächst einem Eigen-Kon­to des Trans­por­teurs gut­ge­bracht wird. Erfolgt den­noch eine Ein­zah­lung auf einem sol­chen Kon­to und wird die Über­ga­be daher nicht wie geschul­det aus­ge­führt, liegt dar­in ein dem Ver­si­che­rungs­schutz unter­fal­len­der Zugriff auf das Trans­port­gut. Denn der von den Beklag­ten ver­spro­che­ne und bis zur Über­ga­be „in die Obhut des berech­tig­ten Emp­fän­gers“ wäh­ren­de Deckungs­schutz umfasst auch die Ein­hal­tung der ver­trag­li­chen Ein­zah­lungs­an­wei­sung. Ein so begrün­de­ter Ver­si­che­rungs­fall ent­fällt nicht allein dadurch, dass die Auf­trag­ge­ber eine sol­che, für sie erkenn­bar dem Trans­port­ver­trag wider­spre­chen­de Hand­ha­bung still­schwei­gend hin­ge­nom­men haben.

Erst­mals hat der Bun­des­ge­richts­hof sich auch mit der Reich­wei­te des Ver­si­che­rungs­schut­zes für den Bereich der Ver­sor­gung mit Bar­geld – etwa für Geld­au­to­ma­ten und Kas­sen von Filia­len – befasst. Hat der Trans­por­teur für den Auf­trag­ge­ber von der Deut­schen Bun­des­bank Bar­geld ent­ge­gen genom­men, das er den ver­trag­li­chen Vor­ga­ben zuwi­der nicht an den vor­ge­se­he­nen Bestim­mungs­or­ten ablie­fert, liegt auch dar­in ein vom Ver­si­che­rungs­schutz umfass­ter stoff­li­cher Zugriff auf das Trans­port­gut. Damit wird nach außen erkenn­bar in den ver­ein­bar­ten Ablauf der Geld­ver­sor­gung ein­ge­grif­fen und zugleich dem Auf­trag­ge­ber die Mög­lich­keit ent­zo­gen zu bestim­men, wie mit dem Bar­geld ver­fah­ren wird.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 9. Novem­ber 2011 – IV ZR 251/​08, IV ZR 15/​10, IV ZR 16/​10, IV ZR 171/​10, IV ZR 172/​10 und IV ZR 173/​10

  1. (OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 05.11.2008 – I‑18 U 188/​07[]
  2. OLG Hamm, Urtei­le vom 18.12.2009 – I‑20 U 30/​09 und I‑20 U 137/​08; Urtei­le vom 16.07.2010 – I‑20 U 166/​08, I‑20 U 28/​09 und I‑20 U 128/​08[]