Indi­zi­en für eine Eigen­brand­stif­tung

Bei einem Wohn­haus­brand ist die Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung nach § 61 VVG a.F. wegen Her­bei­füh­rung des Ver­si­che­rungs­fal­les leis­tungs­frei, wenn der Ver­si­che­rungs­neh­mer den Brand selbst gelegt hat.

Indi­zi­en für eine Eigen­brand­stif­tung

Den Nach­weis der Eigen­brand­stif­tung hat der Ver­si­che­rer zu füh­ren. Ihm kom­men hier­bei kei­ne Beweis­erleich­te­run­gen zugu­te, so dass er den Voll­be­weis zu füh­ren hat [1]. Weder gel­ten hier die Grund­sät­ze des Anscheins­be­wei­ses [2] noch reicht es aus, wenn – wie in Fäl­len des Kfz-Dieb­stahls oder des Ein­bruch­dieb­stahls – der Ver­si­che­rer nur die erheb­li­che Wahr­schein­lich­keit der Eigen­brand­stif­tung nach­weist.

Im Rah­men des in die­sen Fäl­len des­halb regel­mä­ßig zu füh­ren­den Indi­zi­en­be­wei­ses dür­fen aller­dings auch die Anfor­de­run­gen an die rich­ter­li­che Über­zeu­gungs­bil­dung nach § 286 ZPO nicht über­spannt wer­den. Viel­mehr darf sich der Rich­ter mit einem für das prak­ti­sche Leben brauch­ba­ren Grad von Gewiss­heit begnü­gen, der Zwei­feln Schwei­gen gebie­tet, ohne sie völ­lig aus­zu­schlie­ßen.

Auf die­ser Grund­la­ge han­delt es sich jeweils um eine Ein­zel­fall­wür­di­gung, wobei fol­gen­de Indi­zi­en mit in die Beur­tei­lung ein­flie­ßen kön­nen [3]:

  • kei­ne natür­li­che Ursa­che für den Brand, son­dern Legen des Feu­ers unter Ver­wen­dung von Brand­be­schleu­ni­gern [4]
  • ange­spann­te bis aus­sichts­lo­se wirt­schaft­li­che Ver­hält­nis­se des Ver­si­che­rungs­neh­mers [5]
  • feh­len­de oder vor­ge­täusch­te Ein­bruch­spu­ren [6], aber nicht wenn die Mög­lich­keit des Zugangs durch Drit­te auf ande­re Wei­se bestand [7]
  • ernst­ge­mein­te Brand­re­den des Ver­si­che­rungs­neh­mers [8]
  • kei­ne Hin­wei­se für Rache­ak­te drit­ter Per­so­nen [9]
  • frü­he­re straf­recht­li­che Auf­fäl­lig­keit des Ver­si­che­rungs­neh­mers [10] bzw.
  • häu­fi­ge Brän­de in sei­ner Umge­bung [11]
  • Fort­schaf­fen von per­sön­li­chen Gegen­stän­den durch den Ver­si­che­rungs­neh­mer kurz vor dem Brand [12] bzw.
  • Auf­ent­halt im Objekt kurz vor dem Brand [13].

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Urteil vom 24. Sep­tem­ber 2009 – 8 U 99/​09

  1. BGH NJWRR 1999, 1184, 1185. VersR 2005, 1387[]
  2. BGH VersR 1988, 683[]
  3. vgl. HKVVG/​Karczewski, § 81 Rdnr. 85 f.[]
  4. OLG Köln, VersR 2005, 1281, r+s 2005, 25; OLG Düs­sel­dorf, r+s 1999, 208[]
  5. OLG Köln, VersR 2005, 1281, r+s 2005, 25; OLG Braun­schweig, r+s 2005, 21; OLG Düs­sel­dorf, r+s 2005, 23; KG, VersR 2006, 70, r+s 2005, 293; OLG Bre­men, VersR 2000, 759[]
  6. KG, VersR 2006, 70, r+s 2005, 293; OLG Bre­men, VersR 2000, 759[]
  7. vgl. OLG Köln, r+s 2003, 507; LG Ber­lin r+s 2004, 153; OLG Cel­le, r+s 1990, 93[]
  8. BGH, VersR 1991, 924; OLG Schles­wig, VersR 1992, 1258[]
  9. OLG Köln, VersR 2005, 1281; OLG Düs­sel­dorf r+s 2005, 23[]
  10. OLG Braun­schweig, r+s 2005, 21[]
  11. OLG Düs­sel­dorf r+s 1999, 208[]
  12. OLG Düs­sel­dorf, r+s 2005, 23[]
  13. KG r+s 2005, 293[]