Kal­ku­la­ti­ons­feh­ler in der Ren­ten­ver­si­che­rung

Ist in einem Ver­si­che­rungs­ver­trag über eine Leib­ren­te gegen Zah­lung eines Ein­mal­bei­trags neben einer Garan­tie­ren­te ver­ein­bart, dass aus den Über­schuss­an­tei­len wäh­rend der Auf­schub­zeit eine zusätz­li­che Ren­te gebil­det wird, darf der Ver­si­che­rer die wäh­rend der Auf­schub­zeit erziel­ten Über­schüs­se nicht dazu ver­wen­den, eine Lücke in der Deckungs­rück­stel­lung für die Garan­tie­ren­te auf­zu­fül­len.

Kal­ku­la­ti­ons­feh­ler in der Ren­ten­ver­si­che­rung

Die wäh­rend der Auf­schub­zeit fäl­li­gen Über­schuss­an­tei­le wer­den nach den im Ver­si­che­rungs­schein getrof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen für eine bei­trags­freie Zusatz­ren­te (Bonus­ren­te) ver­wen­det. Dies füh­re zur Stei­ge­rung der Alters­ren­te bzw. einer gege­be­nen­falls mög­li­chen Kapi­tal­ab­fin­dung. Nach § 2 Abs. 6 der Pro­dukt­be­din­gun­gen für die Ren­ten­ver­si­che­rung wer­den bis zum Ablauf der Auf­schub­zeit die jähr­li­chen Über­schuss­an­tei­le für eine Erhö­hung des Zeit­wer­tes ver­wen­det, dies füh­re zu einer Stei­ge­rung der Höhe der Ren­te bzw. der statt des­sen spä­ter gege­be­nen­falls bean­trag­ten Kapi­tal­ab­fin­dung. Die aus den Über­schuss­an­tei­len ab Ren­ten­be­ginn zu bil­den­de kon­stan­te Ren­te ist nicht garan­tiert.

Die­se Ver­ein­ba­run­gen sind nach dem maß­geb­li­chen Ver­ständ­nis der Klä­ge­rin so aus­zu­le­gen, dass die garan­tier­te Ren­te auf jeden Fall zu zah­len ist, unab­hän­gig davon, ob nach Ver­trags­schluss Über­schüs­se erzielt wer­den. Das Garan­tie­ver­spre­chen ist ohne Rück­sicht auf ein posi­ti­ves oder nega­ti­ves Geschäfts­er­geb­nis der Ver­si­che­rung vor­be­halt­los abge­ge­ben. Nach den aus­drück­li­chen Bestim­mun­gen im Ver­si­che­rungs­schein und in den Pro­dukt­be­din­gun­gen wer­den die Über­schuss­an­tei­le für die bei­den Arten der Zusatz­ren­te ver­wen­det. Aus die­ser Ver­wen­dungs­re­ge­lung und der Tren­nung zwi­schen den drei Kom­po­nen­ten der ver­spro­che­nen Leis­tung folgt, dass die Über­schuss­an­tei­le nicht dazu her­an­ge­zo­gen wer­den dür­fen, die Zah­lung der als ers­ter Kom­po­nen­te garan­tier­ten Ren­te sicher­zu­stel­len. Ande­ren­falls wäre das Ver­spre­chen, die Über­schuss­an­tei­le zur Stei­ge­rung der Alters­ren­te zu ver­wen­den, stark ent­wer­tet. Auf der ande­ren Sei­te wür­de damit auch das auf die Zah­lung der Garan­tie­ren­te bezo­ge­ne vor­be­halt­lo­se Garan­tie­ver­spre­chen unter­lau­fen wer­den. Der Ver­si­che­rungs­ver­trag bie­tet kei­nen Anhalts­punkt für ein Recht der Ver­si­che­rung, bei der Garan­tie­ren­te eine auf feh­ler­haf­ter Kal­ku­la­ti­on beru­hen­de Lücke in der Deckungs­rück­stel­lung mit Über­schuss­an­tei­len auf­zu­fül­len. Die auf­sichts­recht­li­che Pflicht zur Nach­re­ser­vie­rung ent­bin­det nicht davon, ver­trag­li­che Ver­pflich­tun­gen ein­zu­hal­ten. Dies sieht auch die Auf­sichts­be­hör­de nicht anders1. Darf der Nach­re­ser­vie­rungs­be­darf danach nicht aus Über­schüs­sen finan­ziert wer­den, kommt unter ande­rem in Betracht, hier­für Aktio­närs­mit­tel her­an­zu­zie­hen2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Juli 2009 – IV ZR 102/​06

  1. Ver­BAV 2000, 252, 253 li. Sp. oben
  2. vgl. Nach­re­ser­vie­rungs­an­ord­nung Ver­BAV 1995, 367, 368