Kei­ne ein­ma­li­ge Kapi­tal­ab­fin­dung für künf­ti­ge Schä­den

Für künf­ti­ge Schä­den kann nach Ansicht des Land­ge­richts Ham­burg kei­ne ein­ma­li­ge Kapi­tal­ab­fin­dung ver­langt wer­den.

Kei­ne ein­ma­li­ge Kapi­tal­ab­fin­dung für künf­ti­ge Schä­den

Das Land­ge­richt Ham­burg hat­te über Ansprü­che aus einem Ver­kehrs­un­fall zu ent­schei­den, der sich im Dezem­ber 2004 in Nord­ita­li­en ereig­net hat und bei dem die Klä­ge­rin als Insas­sin im Fahr­zeug ihres dama­li­gen Ehe­man­nes schwer ver­letzt wor­den ist. Die Klä­ge­rin hat von der Beklag­ten als Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rer ein Schmer­zens­geld von min­des­tens 500.000,00 € und Ersatz mate­ri­el­ler Schä­den in Höhe von wei­te­ren 6.937.618,60 € ver­langt. Bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung hat die Beklag­te Zah­lun­gen in Höhe von ins­ge­samt 695.105,47 € geleis­tet

Das Land­ge­richt Ham­burg hat der Klä­ge­rin ein Schmer­zens­geld von ins­ge­samt 430.000,00 € zuge­spro­chen, auf das noch rest­li­che 131.857,14 € zu zah­len sind, und die Beklag­te im Übri­gen zum Aus­gleich der bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung am 08.06.2011 offe­nen mate­ri­el­len Scha­den­er­satz­an­sprü­che in Höhe von ins­ge­samt 164.074,08 € ver­ur­teilt. Hin­sicht­lich der zukünf­ti­gen Schä­den hat das Gericht die Beklag­te zur Zah­lung einer quar­tals­wei­sen Ren­te mit Beträ­gen in varia­bler Höhe zwi­schen 19.807,50 € und 30.561,17 € ver­ur­teilt.

Pri­mär ging es in dem Rechts­streit dar­um, ob die Klä­ge­rin die zukünf­tig ent­ste­hen­den mate­ri­el­len Scha­den­er­satz­an­sprü­che, die nach der gesetz­li­chen Grund­re­gel des § 843 Abs. 1 BGB durch quar­tals­wei­se zu ent­rich­ten­de Ren­ten­zah­lun­gen aus­zu­glei­chen sind, in Form einer ein­ma­li­gen Kapi­tal­ab­fin­dung ver­lan­gen kann. Vor­aus­set­zung dafür ist nach § 843 Abs. 3 BGB ein wich­ti­ger Grund.

Das Land­ge­richt Ham­burg hat der Klä­ge­rin eine sol­che ein­ma­li­ge Kapi­tal­ab­fin­dung jedoch ver­wei­gert: Nach Ansicht des Land­ge­richts reicht es nicht aus, dass der Ver­letz­te einen Ein­mal­be­trag ver­langt, weil er selbst der Auf­fas­sung sei, ein sol­cher kom­pen­sie­re sei­ne unfall­be­ding­ten Beein­träch­ti­gun­gen bes­ser als eine Ren­ten­zah­lung. Viel­mehr sei ein objek­tiv nach­voll­zieh­ba­rer Grund erfor­der­lich wie zum Bei­spiel der Auf­bau einer eige­nen wirt­schaft­li­chen Exis­tenz durch eine Geschäfts­grün­dung oder die Abwen­dung von Nach­tei­len durch die dro­hen­de Insol­venz des Schä­di­gers. Der­ar­ti­ge Grün­de lägen hier jedoch nicht vor.

Die Schwe­re der Ver­let­zun­gen sei, für sich genom­men, eben­falls kein wich­ti­ger Grund im Sin­ne des § 843 Abs. 3 BGB. Die hier­durch ent­stan­de­nen bzw. noch ent­ste­hen­den Nach­tei­le, ins­be­son­de­re der Mehr­be­darf durch anfal­len­de Pfle­ge­kos­ten, wür­den durch Ren­ten­zah­lun­gen ange­mes­sen aus­ge­gli­chen.

Der Umstand, dass die Beklag­te die berech­tig­ten Ansprü­che der Klä­ge­rin bis­lang noch nicht vol­len Umfangs regu­liert habe, bedeu­te nicht, dass der Klä­ge­rin wei­te­re Ren­ten­zah­lun­gen nicht zuzu­mu­ten wären. Die­ser Gesichts­punkt habe sich bei der Bemes­sung des Schmer­zens­gel­des nie­der­ge­schla­gen, wobei das Land­ge­richt jedoch ledig­lich in ein­zel­nen Punk­ten eine vor­werf­ba­re Ver­zö­ge­rung der Regu­lie­rung gese­hen hat. Die zunächst sei­tens der beklag­ten Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rung vor­ge­nom­me­ne Kür­zung der Ansprü­che der Klä­ge­rin um 30 %, die mit einem Mit­ver­schul­den in Form des Ver­sto­ßes gegen die Anschnall­pflicht im Auto begrün­det wor­den sei, sei nicht zu bean­stan­den. Erst im Ver­lau­fe des Pro­zes­ses habe sich gezeigt, dass die Ver­si­che­rung einen ent­spre­chen­den Beweis nicht füh­ren konn­te.

Land­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 27. Juli 2011 – 302 O 192/​08