Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­rung und Net­to­po­li­cen in der Lebens­ver­si­che­rung

Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­run­gen ver­sto­ßen nicht gegen § 169 Abs. 5 Satz 2, § 171 Satz 1 VVG 1. Auch eine Unwirk­sam­keit wegen feh­len­der Trans­pa­renz gemäß § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB kommt nicht in Betracht. Dem Ver­si­che­rungs­neh­mer wird unmiss­ver­ständ­lich vor Augen geführt, dass er die Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­run­gen nicht kün­di­gen kann und nur der Wider­ruf sei­ner Ver­trags­er­klä­run­gen zu deren Been­di­gung führt, nicht dage­gen eine Kün­di­gung des Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges oder der Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­run­gen selbst 2.

Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­rung und Net­to­po­li­cen in der Lebens­ver­si­che­rung

Dem Ver­si­che­rungs­neh­mer steht aller­dings das Recht zu, die Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­run­gen zu kün­di­gen, da die ver­trag­lich fest­ge­leg­te Unab­hän­gig­keit der Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­rung von einer Auf­lö­sung oder Auf­he­bung des Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges sowie der aus­drück­li­che Aus­schluss des Kün­di­gungs­rechts in der vor­ge­druck­ten For­mu­lie­rung im Antrags­for­mu­lar wegen unan­ge­mes­se­ner Benach­tei­li­gung des Ver­si­che­rungs­neh­mers gemäß § 307 Abs. 2 Nr. 2 BGB unwirk­sam sind 3.

Die unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung des Ver­si­che­rungs­neh­mers liegt gera­de dar­in begrün­det, dass sein Kün­di­gungs­recht für die Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­rung für den Fall der Auf­lö­sung oder Auf­he­bung des Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges aus­ge­schlos­sen wer­den soll. Wie im Fall eines Ver­si­che­rungs­neh­mers zu ent­schei­den wäre, der anders als in sämt­li­chen bis­her dem Bun­des­ge­richts­hof vor­lie­gen­den Fall­ge­stal­tun­gen nicht ratier­lich, son­dern in einem Betrag sofort bei Ver­trags­schluss zahlt, muss hier nicht ent­schie­den wer­den. Die Unwirk­sam­keit des Kün­di­gungs­aus­schlus­ses führt dazu, dass dem Ver­si­che­rer nach erklär­ter Kün­di­gung kei­ne Zah­lungs­an­sprü­che aus der Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­rung für die Zukunft mehr zuste­hen, nicht dage­gen zur sofor­ti­gen Fäl­lig­keit sämt­li­cher Abschluss- und Ein­rich­tungs­kos­ten.

Hier­aus folgt, dass wenn der Ver­si­che­rungs­neh­mer die Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­run­gen wirk­sam gekün­digt hat, die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft Zah­lung aus der Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­rung nur bis zum Kün­di­gungs­zeit­punkt ver­lan­gen kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. Sep­tem­ber 2014 – IV ZR 1/​14

  1. BGH, Urtei­le vom 12.03.2014 – IV ZR 295/​13, VersR 2014, 567 Rn. 1422; und – IV ZR 255/​13[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 12.03.2014 – IV ZR 295/​13 aaO Rn. 2325[]
  3. BGH, Urteil vom 12.03.2014 – IV ZR 295/​13, VersR 2014, 567 Rn. 2635; – IV ZR 255/​14[]