Künd­bar­keit der Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­rung einer Lebens­ver­si­che­rungs-Net­to­po­li­ce

Die ver­trag­lich ver­ein­bar­te Unkünd­bar­keit von geson­der­ten Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­run­gen zwi­schen Ver­si­che­rungs­neh­mer und Ver­si­che­rer bei Abschluss eines Ver­tra­ges über eine fonds­ge­bun­de­ne Ren­ten- oder Lebens­ver­si­che­rung ist unzu­läs­sig.

Künd­bar­keit der Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­rung einer Lebens­ver­si­che­rungs-Net­to­po­li­ce

In den bei­den jetzt beim Bun­des­ge­richts­hof zur Beur­tei­lung anste­hen­den Fäl­len bot die Klä­ge­rin, ein in Liech­ten­stein ansäs­si­ger Lebens­ver­si­che­rer, in Deutsch­land woh­nen­den Kun­den den Abschluss von (fonds­ge­bun­de­nen) Ren­ten­ver­si­che­run­gen an. Die auf einem ein­heit­li­chen For­mu­lar auf­ge­nom­me­nen Anträ­ge beinhal­te­ten zum einen den Ver­si­che­rungs­ver­trag sowie zum ande­ren eine soge­nann­te Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­rung. In die­ser ver­pflich­te­te sich der Ver­si­che­rungs­neh­mer, einen bestimm­ten Betrag für Abschluss- und Ein­rich­tungs­kos­ten in 48 monat­li­chen Raten an den Ver­si­che­rer zu zah­len. Im Antrag ist bestimmt, dass die Auf­lö­sung des Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges grund­sätz­lich nicht zur Been­di­gung der Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­rung führt und dass die­se auch nicht künd­bar ist. Die beklag­ten Ver­si­che­rungs­neh­mer kün­dig­ten den Ver­si­che­rungs­ver­trag, stell­ten die Zah­lung auf die Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­rung ein und wider­rie­fen ihre Ver­trags­er­klä­run­gen. Die Par­tei­en strei­ten jeweils mit Kla­ge und Wider­kla­ge um die Zah­lungs­an­sprü­che aus den Ver­trä­gen. Die Klä­ge­rin ver­langt mit ihren Kla­gen die Zah­lung rest­li­cher Abschluss- und Ein­rich­tungs­kos­ten gemäß der Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­rung. Die Ver­si­che­rungs­neh­mer begeh­ren im Wege der Wider­kla­ge die Rück­zah­lung der auf die Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­rung bereits geleis­te­ten Beträ­ge zuzüg­lich des Rück­kaufs­wer­tes des Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges.

In der ers­ten Sache 1 haben in den Vor­in­stan­zen das Amts­ge­richt Leip­zig 2 und das Land­ge­richt Leip­zig 3 der Kla­ge statt­ge­ge­ben und die Wider­kla­ge abge­wie­sen, in der zwei­ten Sache 4 haben in den Vor­in­stan­zen das Amts­ge­richt Kamenz 5 und das Land­ge­richt Gör­litz 6 die Kla­ge abge­wie­sen und der Wider­kla­ge statt­ge­ge­ben.

Der Bun­des­ge­richts­hof ent­schied nun, dass dem Ver­si­che­rer kein Zah­lungs­an­spruch aus der jewei­li­gen Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­rung mehr zusteht, die Kla­gen des Ver­si­che­rers also kei­nen Erfolg haben.

Zwar ist der Abschluss einer Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­rung, die recht­lich selb­stän­dig neben dem Ver­si­che­rungs­ver­trag steht, nicht wegen Ver­sto­ßes gegen § 169 Abs. 3 Satz 1, § 169 Abs. 5 Satz 2 VVG unwirk­sam und es liegt auch kei­ne unzu­läs­si­ge Umge­hung vor.

Die Ver­si­che­rungs­neh­mer waren aber berech­tigt, die Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­rung zu kün­di­gen. Der ver­ein­bar­te Kün­di­gungs­aus­schluss der Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­rung ist unwirk­sam. Eine Rege­lung in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen, nach der die Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­rung unkünd­bar ist und der Ver­si­che­rungs­neh­mer die Abschluss­kos­ten unab­hän­gig vom Fort­be­stand des Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges zu zah­len hat, ver­stößt wegen unan­ge­mes­se­ner Benach­tei­li­gung des Ver­si­che­rungs­neh­mers gegen § 307 Abs. 2 Nr. 2 BGB. Wäh­rend ein Abzug bei der Ver­rech­nung der Abschluss­kos­ten mit den Prä­mi­en allen­falls dazu füh­ren kann, dass der Ver­si­che­rungs­neh­mer kei­nen oder einen nur ganz gering­fü­gi­gen Rück­kaufs­wert erhält, aber in kei­nem Fall mit wei­te­ren noch nicht getilg­ten Abschluss­kos­ten belas­tet wird, kann die geson­der­te Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­rung, wenn sie als unkünd­bar aus­ge­stal­tet wird, dazu füh­ren, dass der Ver­si­che­rungs­neh­mer mit Ver­bind­lich­kei­ten belas­tet wird, die über dem Rück­kaufs­wert lie­gen. Er erhält dann trotz Kün­di­gung der Ver­si­che­rung wirt­schaft­lich nicht nur kei­nen Rück­kaufs­wert, son­dern muss wei­te­re Zah­lun­gen an den Ver­si­che­rer leis­ten.

Ob in den von den Ver­si­che­rungs­neh­mern abge­ge­be­nen Erklä­run­gen jeweils eine Kün­di­gung der Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­rung zu sehen ist, konn­te in bei­den zur Ent­schei­dung anste­hen­den Fäl­len im Ergeb­nis offen blei­ben. Dem Zah­lungs­an­spruch der Klä­ge­rin steht jeden­falls der von den Beklag­ten erklär­te Wider­ruf ihrer auf Abschluss des Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges gerich­te­ten Wil­lens­er­klä­run­gen ent­ge­gen. Die Beklag­ten konn­ten den Ver­trag noch wider­ru­fen, da die drei­ßig­tä­gi­ge Wider­rufs­frist noch nicht zu lau­fen begon­nen hat­te. Der Beginn der Wider­rufs­frist setzt nach § 8 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 VVG eine deut­lich gestal­te­te Beleh­rung über das Wider­rufs­recht und die Rechts­fol­gen des Wider­rufs vor­aus. Dies hät­te in der Wider­rufs­be­leh­rung zum Ver­si­che­rungs­ver­trag einen Hin­weis erfor­dert, dass im Fal­le eines Wider­rufs auch der Ver­trag über die Kos­ten­aus­gleichs­ver­ein­ba­rung nicht zustan­de kommt. Dar­an fehl­te es. Da der wirk­sa­me Wider­ruf auf den Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses zurück­wirkt, waren die Wider­kla­gen der Ver­si­che­rungs­neh­mer erfolg­reich.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 12. März 2014 – IV ZR 295/​13 und IV ZR 255/​13

  1. BGH – IV ZR 295/​13[]
  2. AG Leip­zig, Urteil vom 06.12 2012 – 105 C 7742/​11[]
  3. LG Leip­zig, Urteil vom 11.07.2013 – 03 S 49/​13[]
  4. BGH – IV ZR 255/​13[]
  5. AG Kamenz, Urteil vom 21.12 2012 – 2 C 365/​12[]
  6. LG Gör­litz, Urteil vom 26.06.2013 – 2 S 15/​13[]