Kündigung der privaten Krankenversicherung für das volljährige Kind

Die Wirksamkeit der Kündigung eines Krankheitskostenversicherungsvertrages durch den Versicherungsnehmer für einen volljährigen, von ihm nicht gesetzlich vertretenen Mitversicherten (hier: ein volljähriges Kind) setzt gemäß § 205 Abs. 6 Satz 1 VVG nicht den Nachweis einer nahtlosen Anschlussversicherung für den Mitversicherten voraus.

Kündigung der privaten Krankenversicherung für das volljährige Kind

In dem jetzt vom Bundesgerichtshof entschiedenen Fall unterhielt der Kläger bei dem beklagten Versicherungsunternehmen einen Krankheitskostenversicherungsvertrag, in den zunächst auch sein 1991 geborener Sohn als Mitversicherter einbezogen war. Im November 2011 teilte die Beklagte dem Kläger wegen der Umstufung des Sohnes auf den Erwachsenentarif zum 1. Januar 2012 eine Erhöhung der Beiträge von 180,58 € auf 397,91 € mit. Der Kläger kündigte daraufhin die Mitversicherung seines Sohnes zum 31. Dezember 2011. Die Beklagte unterrichtete den Kläger darüber, die Kündigung werde erst wirksam, wenn er den Nachweis einer Anschlussversicherung seines Sohnes erbringe. Der Kläger forderte daraufhin seinen Sohn auf, selbst für einen Krankenversicherungsschutz zu sorgen, wobei er sich zu einer Kostenübernahme bereit erklärte. Der Sohn kündigte zunächst an, er werde sich um eine entsprechende Versicherung bemühen. Tatsächlich schloss er in der Folgezeit weder einen neuen Krankenversicherungsvertrag noch erklärte er die Fortsetzung des bisherigen Versicherungsverhältnisses bei dem beklagten Versicherungsunternehmen im eigenen Namen.

Der Kläger hat den beklagte Versicherer auf Feststellung in Anspruch genommen, dass die Mitversicherung für seinen Sohn zum 31. Dezember 2011 erloschen ist. Das erstinstanzlich mit dem Rechtsstreit befasste Landgericht Köln hat die Klage abgewiesen1. Das Oberlandesgericht Köln hat ihr auf die Berufung des Klägers stattgegeben2. Der Bundesgerichtshof hat nun das Berufungsurteil des Oberlandesgerichts Köln bestätigt und die hiergegen gerichtete Revision des beklagten Versicherungsunternehmens zurückgewiesen:

Der Versicherungsnehmer, so der Bundesgerichtshof, hat im Falle der Kündigung eines Krankheitskostenversicherungsvertrages, der eine Versicherungspflicht nach § 193 Abs. 3 Satz 1 VVG erfüllt, für einen volljährigen Mitversicherten nicht den Nachweis einer nahtlosen Anschlussversicherung für diesen zu führen.

Durch § 205 Abs. 6 Satz 1 VVG soll für den Versicherten ein nahtlos angrenzender Versicherungsschutz ermöglicht werden. Dieses Ziel wird durch § 207 Abs. 2 Satz 1 i.V.m. Abs. 1 VVG erreicht. Hiernach ist die versicherte Person, wenn der Versicherungsnehmer das Versicherungsverhältnis insgesamt oder für einzelne versicherte Personen kündigt, berechtigt, binnen zwei Monaten die Fortsetzung des Versicherungsverhältnisses im eigenen Namen zu erklären. Um dieses Fortsetzungsrecht zu gewährleisten, bestimmt § 207 Abs. 2 Satz 2 VVG, dass die Kündigung nur wirksam wird, wenn die versicherte Person von der Kündigungserklärung Kenntnis erlangt hat. Durch diese Fortsetzung genügt der Mitversicherte zugleich seiner ihn treffenden Verpflichtung aus § 193 Abs. 3 Satz 1 VVG. Demgegenüber ist der Versicherungsnehmer selbst nicht in der Lage, ohne Vollmacht des volljährigen Mitversicherten für diesen eine Anschlussversicherung im Sinne des § 205 Abs. 6 Satz 1 VVG abzuschließen.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 18. Dezember 2013 – IV ZR 140/13

  1. LG Köln, Urteil vom 10.10.2012 – 23 O 88/12[]
  2. OLG Köln, Urteil vom 08.03.2013 – 20 U 218/12[]

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