Lebens- und Ren­ten­ver­si­che­rungs­ver­trä­gen im Poli­cen­mo­dell – und die Rück­ab­wick­lung nach Wider­spruch

Der Bun­des­ge­richts­hof hat sich nun auch erst­mals mit Ein­zel­hei­ten der berei­che­rungs­recht­li­chen Rück­ab­wick­lung von Lebens- und Ren­ten­ver­si­che­rungs­ver­trä­gen befaßt, in denen die Ver­si­che­rungs­neh­mer nach § 5a Abs. 1 Satz 1 VVG a.F. den Wider­spruch gegen das Zustan­de­kom­men des Ver­tra­ges erklärt hat­ten.

Lebens- und Ren­ten­ver­si­che­rungs­ver­trä­gen im Poli­cen­mo­dell – und die Rück­ab­wick­lung nach Wider­spruch

In den bei­den jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fäl­len hat­ten die kla­gen­den Ver­si­che­rungs­neh­mer bei dem beklag­ten Ver­si­che­rer im Jahr 1999 bzw. im Jahr 2003 fonds­ge­bun­de­ne Ren­ten- bzw. Lebens­ver­si­che­rungs­ver­trä­ge nach dem in § 5a VVG a.F. gere­gel­ten soge­nann­ten Poli­cen­mo­dell abge­schlos­sen. Jah­re spä­ter kün­dig­ten sie die Ver­trä­ge und erklär­ten schließ­lich den Wider­spruch nach § 5a VVG a.F. Der Ver­si­che­rer zahl­te auf die Kün­di­gun­gen hin den jewei­li­gen Rück­kaufs­wert an die Ver­si­che­rungs­neh­mer aus. Die­se ver­lan­gen nun mit ihren Kla­gen Rück­zah­lung aller von ihnen geleis­te­ten Bei­trä­ge nebst Zin­sen abzüg­lich der Rück­kaufs­wer­te, da die Ver­trä­ge infol­ge der Wider­sprü­che nicht wirk­sam zustan­de gekom­men sei­en.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Aachen hat die Kla­gen abge­wie­sen 1, das Ober­lan­des­ge­richt Köln hat ihnen auf die Beru­fung der Ver­si­che­rungs­neh­mer teil­wei­se statt­ge­ge­ben 2. Das Ober­lan­des­ge­richt Köln hat ange­nom­men, die Ver­si­che­rungs­neh­mer hät­ten die Wider­sprü­che wirk­sam erklärt und könn­ten dem Grun­de nach Rück­zah­lung aller Prä­mi­en ver­lan­gen, müss­ten sich dabei aber den wäh­rend der Dau­er der Prä­mi­en­zah­lung genos­se­nen Ver­si­che­rungs­schutz anrech­nen las­sen. Die hier­ge­gen Revi­sio­nen des beklag­ten Ver­si­che­rers, der den Abzug wei­te­rer Posi­tio­nen von den Kla­ge­for­de­run­gen erstrebt, hat­ten nun vor dem Bun­des­ge­richts­hof im Wesent­li­chen kei­nen Erfolg.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits mit Urteil vom 7. Mai 2014 3 ent­schie­den, dass Ver­si­che­rungs­neh­mer bei der nach einem wirk­sa­men Wider­spruch durch­zu­füh­ren­den berei­che­rungs­recht­li­chen Rück­ab­wick­lung ihrer Lebens- und Ren­ten­ver­si­che­rungs­ver­trä­ge nicht unein­ge­schränkt alle gezahl­ten Prä­mi­en zurück­ver­lan­gen kön­nen; viel­mehr müs­sen sie sich den jeden­falls bis zur Kün­di­gung des jewei­li­gen Ver­trags genos­se­nen Ver­si­che­rungs­schutz anrech­nen las­sen.

Aus­ge­hend hier­von hat das OLG Köln in den Streit­fäl­len den geschul­de­ten Wert­er­satz auf der Grund­la­ge der Prä­mi­en­kal­ku­la­ti­on des beklag­ten Ver­si­che­rers in revi­si­ons­recht­lich nicht zu bean­stan­den­der Wei­se geschätzt und die auf die gezahl­ten Prä­mi­en ent­fal­len­den Risi­ko­an­tei­le in Abzug gebracht. Ledig­lich in einem Punkt hat der Bun­des­ge­richts­hof einen wei­te­ren Abzug für gebo­ten gehal­ten. Anders als das Ober­lan­des­ge­richt Köln gemeint hat, muss sich der Ver­si­che­rungs­neh­mer zusätz­lich zu dem Rück­kaufs­wert, den er bereits vom Ver­si­che­rer erhal­ten hat, die Kapi­tal­ertrags­steu­er nebst Soli­da­ri­täts­zu­schlag, die der Ver­si­che­rer bei Aus­zah­lung des Rück­kaufs­wer­tes für den Ver­si­che­rungs­neh­mer an das Finanz­amt abge­führt hat, als Ver­mö­gens­vor­teil anrech­nen las­sen.

Wei­te­re Posi­tio­nen, die der Ver­si­che­rer in Abzug brin­gen woll­te, hat das Ober­lan­des­ge­richt hin­ge­gen nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hof zu Recht nicht berück­sich­tigt. Dies gilt ins­be­son­de­re für die vom Ver­si­che­rer gel­tend gemach­ten Abschluss- und Ver­wal­tungs­kos­ten. Inso­weit kann sich der Ver­si­che­rer nicht gemäß § 818 Abs. 3 BGB auf den Weg­fall der Berei­che­rung beru­fen. Die Ver­wal­tungs­kos­ten sind bereits des­halb nicht berei­che­rungs­min­dernd zu berück­sich­ti­gen, weil sie unab­hän­gig von den streit­ge­gen­ständ­li­chen Ver­si­che­rungs­ver­trä­gen ange­fal­len und begli­chen wor­den sind. Hin­sicht­lich der Abschluss­kos­ten gebie­tet es der mit der richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung des § 5a VVG a.F. bezweck­te Schutz des Ver­si­che­rungs­neh­mers, dass der Ver­si­che­rer in Fäl­len des wirk­sa­men Wider­spruchs das Ent­rei­che­rungs­ri­si­ko trägt. Auch die Raten­zah­lungs­zu­schlä­ge füh­ren zu kei­nem teil­wei­sen Weg­fall der Berei­che­rung des Ver­si­che­rers.

Die Berei­che­rungs­an­sprü­che der Ver­si­che­rungs­neh­mer umfas­sen gemäß § 818 Abs. 1 Alt. 1 BGB auch die durch die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft gezo­ge­nen Nut­zun­gen. Das OLG Köln ist zutref­fend davon aus­ge­gan­gen, dass nur die Nut­zun­gen her­aus­zu­ge­ben sind, die vom Berei­che­rungs­schuld­ner tat­säch­lich gezo­gen wur­den. Es hat zu Recht die Dar­le­gungs- und Beweis­last beim Ver­si­che­rungs­neh­mer gese­hen und ihm einen ent­spre­chen­den Tat­sa­chen­vor­trag abver­langt, der nicht ohne Bezug zur Ertrags­la­ge des jewei­li­gen Ver­si­che­rers auf eine tat­säch­li­che Ver­mu­tung einer Gewinn­erzie­lung in bestimm­ter Höhe, etwa in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Basis­zins­satz, gestützt wer­den kann.

Über wei­te­re Ein­zel­fra­gen des Nut­zungs­er­sat­zes hat­te der Bun­des­ge­richts­hof in die­sen Revi­si­ons­ver­fah­ren nicht zu ent­schei­den, da kei­ne der Par­tei­en Ein­wen­dun­gen gegen die Schät­zung des Ober­lan­des­ge­richts erho­ben hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 29. Juli 2015 – IV ZR 384/​14 und IV ZR 448/​14

  1. LG Aachen, Urtei­le vom 11.04.2014 – 9 O 419/​13; und vom 06.06.2014 – 9 O 77/​14[]
  2. OLG Köln, Urtei­le vom 05.09.2014 – 20 U 77/​14; und vom 17.10.2014 – 20 U 110/​14[]
  3. BGH, Urteil vom 07.05.2014 – IV ZR 76/​11, BGHZ 201, 101[]