Lebens­ver­si­che­run­gen als Net­to­po­li­cen – und die Ver­tre­ter­pro­vi­si­on

Ein Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter kann sich von sei­nem Kun­den für die Ver­mitt­lung einer Lebens­ver­si­che­rung mit Net­to­po­li­ce eine Ver­gü­tung ver­spre­chen las­sen. Dies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof – und nahm gleich­zei­tig Stel­lung zu den Bera­tungs- und Hin­weis­pflich­ten des Ver­si­che­rungs­ver­tre­ters im Fal­le des Abschlus­ses einer selb­stän­di­gen Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung mit dem Kun­den sowie zur Bemes­sung des Wert­er­satz­an­spruchs des Ver­si­che­rungs­ver­tre­ters, wenn der Kun­de die Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung wider­ru­fen hat.

Lebens­ver­si­che­run­gen als Net­to­po­li­cen – und die Ver­tre­ter­pro­vi­si­on

Die Ver­gü­tungs­re­ge­lung ist nicht gemäß § 307 Abs. 1 und 2 BGB unwirk­sam. Ob es sich bei die­ser Rege­lun um eine gemäß § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB der Kon­trol­le nach § 307 Abs. 1 und 2 BGB ent­zo­ge­ne (rei­ne) Preis­ver­ein­ba­rung han­delt, kann dahin­ste­hen. Jeden­falls ist eine gegen die Gebo­te von Treu und Glau­ben ver­sto­ßen­de Benach­tei­li­gung des Kun­den zu ver­nei­nen.

Nach der gefes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann ein Ver­si­che­rungs­mak­ler mit sei­nen Kun­den wirk­sam ver­ein­ba­ren, dass der Kun­de bei der Ver­mitt­lung eines Lebens­ver­si­che­rungs­ver­trags mit Net­to­po­li­ce (raten­wei­se) eine Mak­ler­pro­vi­si­on zu zah­len hat und der Kun­de auch bei einer Kün­di­gung des Ver­si­che­rungs­ver­trags zur Fort­zah­lung der ver­ein­bar­ten Pro­vi­si­on ver­pflich­tet bleibt. Einer sol­chen Ver­ein­ba­rung ste­hen weder zwin­gen­de Vor­schrif­ten des Ver­si­che­rungs­ver­trags­ge­set­zes (§ 165 Abs. 1, § 174 Abs. 1 und § 178 VVG a.F.; jetzt: § 168 Abs. 1, § 165 Abs. 1 und § 171 VVG) noch § 305c Abs. 1, § 307 BGB ent­ge­gen. Auch ist in die­sem Fall der "Schick­sals­tei­lungs­grund­satz", wonach bei einer Brut­to­ver­si­che­rungs­po­li­ce – bei der die Pro­vi­si­on des Ver­si­che­rungs­mak­lers in die Ver­si­che­rungs­prä­mie "ein­ge­preist" ist – die Cour­ta­ge des Ver­si­che­rungs­mak­lers das Schick­sal der Ver­si­che­rungs­prä­mie teilt, im Ver­hält­nis der Mak­ler­ver­trags­par­tei­en nicht anwend­bar 1.

Die Fra­ge, ob auch dann, wenn es sich bei dem Ver­si­che­rungs­ver­mitt­ler im Sin­ne des § 59 Abs. 1 VVG n.F. (= § 42a Abs. 1 VVG a.F.) nicht um einen Ver­si­che­rungs­mak­ler, son­dern um einen Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter han­delt, Lebens­ver­si­che­run­gen in Form von "Net­to­po­li­cen" – also in der Form, dass der Ver­si­che­rungs­ver­mitt­ler im Erfolgs­fal­le sei­ne Ver­gü­tung ver­ein­ba­rungs­ge­mäß vom Ver­si­che­rungs­neh­mer und nicht vom Ver­si­che­rer erhält – ver­trie­ben wer­den kön­nen, ist bis­her in der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung noch nicht ent­schie­den wor­den. In der instanz­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung und in der Lite­ra­tur wer­den der­ar­ti­ge Ver­ein­ba­run­gen wohl über­wie­gend für zuläs­sig gehal­ten 2. Auch nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs kön­nen Ver­gü­tungs­ab­re­den der vor­lie­gen­den Art wirk­sam getrof­fen wer­den.

aa)) Auch wenn nach der her­kömm­li­chen Übung der Ver­si­che­rungs­mak­ler – eben­so wie der Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter – im Erfolgs­fal­le sei­ne Pro­vi­si­on vom Ver­si­che­rer und nicht vom Ver­si­che­rungs­neh­mer erhält (so genann­te Brut­to­po­li­ce), so besteht doch zwi­schen dem Ver­si­che­rungs­neh­mer und dem Ver­si­che­rungs­mak­ler ein "voll­wer­ti­ger" Mak­ler­ver­trag. Der Ver­si­che­rungs­mak­ler ist Inter­es­sen­ver­tre­ter des Ver­si­che­rungs­neh­mers und daher zu einer umfas­sen­den Betreu­ung aller Ver­si­che­rungs­in­ter­es­sen sei­nes Kun­den und zu einer ent­spre­chen­den Bera­tung in Bezug auf den von ihm zu ver­mit­teln­den oder bereits ver­mit­tel­ten Ver­si­che­rungs­ver­trag ver­pflich­tet 3.

Im Unter­schied dazu steht der Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter im Lager des Ver­si­che­rers, des­sen Inter­es­sen er bei sei­ner Ver­mitt­lungs­tä­tig­keit im Auge zu behal­ten hat (vgl. § 86 Abs. 1 Halb­satz 2 i.V.m. § 92 Abs. 2 HGB). Hier­aus kann aber nicht geschlos­sen wer­den, dass ein Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter auf­grund der gegen­über dem Ver­si­che­rer bestehen­den Loya­li­täts­pflich­ten von vorn­her­ein nicht in der Lage ist, den Ver­si­che­rungs­neh­mer – wie in der Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung ver­spro­chen – in einer des­sen Bedürf­nis­sen und Inter­es­sen ange­mes­sen Rech­nung tra­gen­den Art und Wei­se zu bera­ten. Einer der­ar­ti­gen Sicht­wei­se steht schon ent­ge­gen, dass durch das – vor­lie­gend bereits ein­schlä­gi­ge – Gesetz zur Neu­re­ge­lung des Ver­si­che­rungs­ver­mitt­ler­rechts vom 19.12 2006 4 dem Ver­si­che­rungs­ver­mitt­ler all­ge­mein (also sowohl dem Ver­si­che­rungs­mak­ler als auch dem Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter, vgl. § 42a Abs. 1 VVG a.F.; jetzt § 59 Abs. 1 VVG) umfas­sen­de Bera­tungs- und Doku­men­ta­ti­ons­pflich­ten gegen­über dem Ver­si­che­rungs­neh­mer auf­er­legt wor­den sind (§§ 42c, 42d VVG a.F.; jetzt §§ 61, 62 VVG). Die­se Pflich­ten (auch) des Ver­si­che­rungs­ver­tre­ters sind der­art zen­tral 5, dass er bei Ver­let­zung die­ser Pflich­ten dem Ver­si­che­rungs­neh­mer gegen­über per­sön­lich zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet ist (§ 42e VVG a.F.; jetzt § 63 VVG). Ange­sichts die­ser Nor­men­la­ge wäre es wenig ver­ständ­lich, wenn man es dem Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter ver­weh­ren woll­te, Bera­tungs­tä­tig­kei­ten – die in erheb­li­chem Umfang schon gesetz­lich vor­ge­ge­ben sind – zum Gegen­stand ver­trag­li­cher Ent­gelt­ver­ein­ba­run­gen mit dem Ver­si­che­rungs­neh­mer zu machen. Denn die ver­trag­lich noch­mals bekräf­tig­ten Bera­tungs­pflich­ten des Ver­si­che­rungs­ver­tre­ters unter­schei­den sich – soweit sie die Fra­ge betref­fen, ob die (wahr­heits­ge­mäß dar­ge­stell­ten) Eigen­schaf­ten des ange­bo­te­nen Pro­dukts den Bedürf­nis­sen und Inter­es­sen des Ver­si­che­rungs­neh­mers ent­spre­chen – in ihrem Umfang und in ihrer Inten­si­tät nicht von den Pflich­ten des Ver­si­che­rungs­mak­lers 6.

Die getrof­fe­ne Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung steht auch nicht in Wider­spruch zu einem gesetz­li­chen Leit­bild 7. Zwar kann inso­weit zur Recht­fer­ti­gung der Abre­de nicht auf § 652 BGB ver­wie­sen wer­den, da ein Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter auf­grund sei­ner Stel­lung zum Ver­si­che­rer nicht in der Lage ist, eine dem gesetz­li­chen Leit­bild ent­spre­chen­de Mak­ler­tä­tig­keit zu ent­fal­ten. Ande­rer­seits kann auch bei der vor­lie­gen­den Kon­stel­la­ti­on die Wirk­sam­keit der Abre­de nicht mit der Begrün­dung ver­neint wer­den, sie ver­sto­ße gegen den Schick­sals­tei­lungs­grund­satz 8. Auch hier gilt, dass die Vor­schrif­ten des § 87a Abs. 2 und des § 92 Abs. 4 HGB ledig­lich den Risi­ko­aus­gleich zwi­schen dem Han­dels- bezie­hungs­wei­se Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter und dem Unter­neh­mer im Auge haben 9 und nicht das Rechts­ver­hält­nis zwi­schen dem Ver­si­che­rungs­neh­mer und dem Ver­si­che­rungs­ver­mitt­ler betref­fen. Da es vor­lie­gend nur um das letz­te­re Ver­hält­nis geht, kann auch offen blei­ben, ob die Rege­lun­gen des Han­dels­ge­setz­buchs über die Pro­vi­si­on des Ver­si­che­rungs­ver­tre­ters über­haupt Ver­ein­ba­run­gen zulas­sen, wonach der Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter vom Ver­si­che­rer kei­ner­lei Ver­gü­tung erhält, dafür aber selb­stän­di­ge Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­run­gen mit sei­nen Kun­den schlie­ßen darf 10.

Schutz­wür­di­ge Inter­es­sen des Ver­si­che­rungs­neh­mers, die so gewich­tig wären, dass selb­stän­di­gen Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­run­gen mit dem Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter die Wirk­sam­keit ver­sagt wer­den müss­te, sind nicht ersicht­lich. Ins­be­son­de­re gleicht sich unter wirt­schaft­li­cher Betrach­tungs­wei­se der Umstand, dass sich der Ver­si­che­rungs­neh­mer einem Pro­vi­si­ons­an­spruch des Ver­si­che­rungs­ver­tre­ters aus­ge­setzt sieht, bei regu­lä­rem Ver­si­che­rungs­ver­lauf dadurch aus, dass die ver­mit­tel­te "pro­vi­si­ons­be­rei­nig­te" Net­to­po­li­ce­Le­bens­ver­si­che­rung als sol­che preis­güns­ti­ger ist als eine her­kömm­li­che Brut­to­po­li­ce­Le­bens­ver­si­che­rung 11. Da der Ver­mitt­ler bei der vor­ge­nom­me­nen Tren­nung zwi­schen Ver­mitt­lungs- und Ver­si­che­rungs­ge­schäft nach ord­nungs­ge­mä­ßer Bera­tung bereits mit Zustan­de­kom­men des Ver­si­che­rungs­ver­trags sei­ne Pflich­ten voll­stän­dig erfüllt hat, ist es nur fol­ge­rich­tig, dass eine spä­te­re Kün­di­gung des Ver­si­che­rungs­ver­trags auf die Höhe sei­ner Ver­gü­tung kei­nen Ein­fluss hat. Ande­rer­seits ist nicht zu ver­ken­nen, dass sich der Kun­de im Fal­le einer vor­zei­ti­gen Kün­di­gung des Ver­si­che­rungs­ver­trags bei einer Net­to­po­li­ce deut­lich schlech­ter stel­len kann als bei einer (dem Schick­sals­tei­lungs­grund­satz unter­lie­gen­den) Brut­to­po­li­ce. Auf den Umstand, dass der Kun­de bei der Net­to­po­li­ce auch dann zur Zah­lung der (vol­len) Ver­gü­tung ver­pflich­tet bleibt, wenn der ver­mit­tel­te Ver­si­che­rungs­ver­trag nach kur­zer Zeit been­det wird, muss der Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter im Rah­men sei­ner Bera­tung des­halb deut­lich hin­wei­sen. Denn er kann bei sei­nen Kun­den nicht als all­ge­mein bekannt vor­aus­set­zen, dass die bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tungs­wei­se schein­bar "auf­kom­mens­neu­tra­le" – weil auf den ers­ten Blick ledig­lich die Art und Wei­se des Auf­brin­gens der Kos­ten des Ver­triebs der Ver­si­che­rungs­pro­duk­te modi­fi­zie­ren­de – geson­der­te Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung sich im Fal­le einer vor­zei­ti­gen Kün­di­gung der­art nach­tei­lig aus­wir­ken kann 12. Die Situa­ti­on stellt sich inso­weit beim Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter anders dar als beim Ver­si­che­rungs­mak­ler, bei dem eine Ver­gü­tungs­ab­re­de ver­gleich­ba­ren Inhalts dem gesetz­li­chen Leit­bild des § 652 BGB ent­spricht 13.

Der Wirk­sam­keit einer die Pro­vi­si­ons­pflicht des Ver­si­che­rungs­neh­mers (auch) gegen­über einem Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter begrün­den­den Ver­ein­ba­rung ste­hen auch kei­ne zwin­gen­den, zur Nich­tig­keit nach § 134 BGB füh­ren­den Vor­schrif­ten des Ver­si­che­rungs­ver­trags­ge­set­zes ent­ge­gen. Unter dem inso­weit maß­geb­li­chen Aspekt einer Erschwe­rung des dem Ver­si­che­rungs­neh­mer unab­ding­bar ein­ge­räum­ten Rechts zur vor­zei­ti­gen Kün­di­gung der abge­schlos­se­nen Lebens­ver­si­che­rung macht es kei­nen wesent­li­chen Unter­schied, ob die Pro­vi­si­ons­ab­re­de mit einem Ver­si­che­rungs­mak­ler 14 oder einem Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter abge­schlos­sen wird. Dies­be­züg­lich dürf­te sich die Rechts­la­ge im Übri­gen auch dann nicht anders dar­stel­len, wenn – was hier nicht der Fall ist – die Lebens­ver­si­che­rung nach dem 1.01.2008 abge­schlos­sen wor­den ist und des­halb die Vor­schrift des § 169 Abs. 3 Satz 1 Halb­satz 1 VVG n. F. über den Min­dest­rück­kaufs­wert im Fall des Frühs­tor­nos und die Bestim­mung des § 169 Abs. 5 Satz 2 VVG n.F. über das Abzugs­ver­bot zur Anwen­dung kom­men 15.

Trotz (anfäng­li­cher) Wirk­sam­keit der Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung kann die Mak­le­rin von dem Ver­si­che­rungs­kun­den frei­lich die ver­trag­lich ver­ein­bar­te Ver­gü­tung nicht bean­spru­chen, wenn der Kun­de sei­ne auf den Abschluss der Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung gerich­te­te Wil­lens­er­klä­rung wirk­sam wider­ru­fen hat.

Auf das streit­ge­gen­ständ­li­che Schuld­ver­hält­nis sind gemäß Art. 229 § 22 Abs. 2 EGBGB das Bür­ger­li­che Gesetz­buch und die BGB-Infor­ma­ti­ons­pflich­ten-Ver­ord­nung in der bis zum 11.06.2010 gel­ten­den Fas­sung anzu­wen­den, weil der frag­li­che Ver­trag im Jahr 2007 geschlos­sen wor­den ist und es sich nicht um ein unbe­fris­te­tes Schuld­ver­hält­nis im Sin­ne des Art. 229 § 22 Abs. 3 EGBGB han­delt.

Der Kun­din stand das aus­ge­üb­te Wider­rufs­recht nach § 355 Abs. 1 BGB a.F. zu. Da die Ver­gü­tung für die Ver­mitt­lung der frag­li­chen Ver­si­che­rung in Teil­zah­lun­gen zu erbrin­gen war, han­del­te es sich um ein Teil­zah­lungs­ge­schäft im Sin­ne von § 499 Abs. 2 BGB a.F. Gemäß § 501 Satz 1 i.V.m. § 495 Abs. 1 und § 355 Abs. 1 Satz 2 BGB a.F. konn­te die Kun­din ihre auf Abschluss der Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung gerich­te­te Wil­lens­er­klä­rung des­halb inner­halb von zwei Wochen wider­ru­fen. Die­se Frist war zum Zeit­punkt ihrer Wider­rufs­er­klä­rung nicht abge­lau­fen. Denn der in dem ver­wen­de­ten For­mu­lar ent­hal­te­ne Hin­weis, die Frist für den Wider­ruf begin­ne "frü­hes­tens mit Erhalt die­ser Beleh­rung", genüg­te nicht den Anfor­de­run­gen nach § 355 Abs. 2 Satz 1 BGB a.F. und dar­über hin­aus ent­sprach das ver­wen­de­te For­mu­lar nicht in jeder Hin­sicht dem Mus­ter der Anla­ge 2 zu § 14 Abs. 1 und 3 BGBInfoV, so dass die Wider­rufs­frist nicht in Gang gesetzt wor­den war 16.

Aller­dings kommt ein Wert­er­satz­an­spruch der Mak­le­rin nach § 357 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. § 346 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 BGB in einer die von ihr bis­her ver­ein­nahm­ten Beträ­ge über­stei­gen­den Höhe in Betracht.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs stellt die Ver­mitt­lung einer Lebens- und Ren­ten­ver­si­che­rung durch einen Ver­si­che­rungs­mak­ler eine Mak­ler­leis­tung im Sin­ne des § 652 BGB dar, die mit Abschluss des ver­mit­tel­ten Haupt­ver­trags voll­stän­dig erbracht ist und in Natur nicht zurück­ge­ge­ben wer­den kann. Als Wert­er­satz wird indes­sen nicht ent­spre­chend § 346 Abs. 2 Satz 2 Halb­satz 1 BGB das ver­trag­lich ver­ein­bar­te Ent­gelt geschul­det. Maß­geb­lich für die Bemes­sung des Wert­er­sat­zes, den der Ver­brau­cher nach dem (wirk­sa­men) Wider­ruf eines Teil­zah­lungs­ge­schäfts für bis dahin erbrach­te Mak­ler­leis­tun­gen des Unter­neh­mers gewäh­ren muss, ist viel­mehr der objek­ti­ve Wert der Mak­ler­leis­tung, soweit die­ser das ver­trag­li­che Ent­gelt nicht über­steigt 17. Inso­weit ist im Aus­gangs­punkt, wie bei Dienst­leis­tun­gen all­ge­mein, auf die übli­che oder (bei Feh­len einer sol­chen) auf die ange­mes­se­ne Ver­gü­tung abzu­stel­len, die für eine sol­che Leis­tung zu bezah­len ist 18, nicht dage­gen auf den kon­kret-indi­vi­du­el­len Wert des Erlang­ten für den Schuld­ner 19.

Eine Kün­di­gung des Ver­si­che­rungs­ver­trags hat dabei für sich genom­men auf die Höhe des Wert­er­satz­an­spruchs des Ver­si­che­rungs­mak­lers kei­ne Aus­wir­kun­gen. Zwar ent­fal­tet die Mak­ler­leis­tung erst und nur im Erfolgs­fall ihren vol­len Wert. Kommt es aber zum Abschluss des Haupt­ver­trags, wird die­ser Wert bereits rea­li­siert; der Mak­ler hat sei­ne Leis­tung in vol­lem Umfang erbracht 20.

b)) Die­se Recht­spre­chung ist auf die vor­lie­gen­de Fall­ge­stal­tung über­trag­bar. Die Mak­le­rin hat vor­lie­gend die ihr oblie­gen­de Bera­tungs- und Ver­mitt­lungs­leis­tung voll­stän­dig erbracht. Der Erfolg, von des­sen Ein­tritt die Ver­gü­tungs­pflicht – und damit auch die Pflicht, im Fal­le eines Wider­rufs Wert­er­satz zu leis­ten – abhän­gig ist, ist mit Abschluss der ver­mit­tel­ten Ren­ten- und Lebens­ver­si­che­rung ein­ge­tre­ten. Auch hier ist eine etwai­ge nach­fol­gen­de Kün­di­gung des Ver­si­che­rungs­ver­trags ohne Aus­wir­kun­gen auf die Höhe des Wert­er­satz­an­spruchs.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Dezem­ber 2013 – III ZR 124/​13

  1. grund­le­gend hier­zu BGH, Urtei­le vom 20.01.2005 – III ZR 251/​04, BGHZ 162, 67, 72 ff sowie – III ZR 207/​04, VersR 2005, 404 ff; sie­he auch Urtei­le vom 19.05.2005 – III ZR 240/​04, VersR 2005, 1144, 1145; – III ZR 309/​04, NJW-RR 2005, 1425 f sowie – III ZR 322/​04, VersR 2005, 978, 979[]
  2. beja­hend ins­be­son­de­re OLG Naum­burg, VersR 2012, 1034, 1036; s. im Übri­gen die Über­sicht bei Reiff, VersR 2012, 645, 647 f und r+s 2013, 525, 531[]
  3. BGH, Urtei­le vom 20.01.2005 – III ZR 251/​04 aaO S. 78; vom 19.05.2005 – III ZR 309/​04 aaO S. 1426; vom 14.06.2007 – III ZR 269/​06, NJW-RR 2007, 1503, 1504 Rn. 10 und vom 16.07.2009 – III ZR 21/​09, NJW-RR 2009, 1688 Rn. 8[]
  4. BGBl. I S. 3232[]
  5. vgl. Prölls/​Martin/​Dörner, VVG, 28. Aufl., § 61 Rn. 1[]
  6. BGH, Urteil vom 06.11.2013 – I ZR 104/​13, BeckRS 2013, 20765 Rn. 21[]
  7. so auch OLG Naum­burg aaO[]
  8. so zutref­fend Reiff, VersR 2012, 645, 650 und r+s 2013, 525, 531 f[]
  9. vgl. BGH, Urteil vom 20.01.2005 – III ZR 251/​04 aaO S. 76 f[]
  10. s. dazu Reiff aaO S. 653 bzw. S. 533[]
  11. vgl. Reiff, VersR 2012, 645, 651 und r+s 2013, 525, 532[]
  12. ent­ge­gen Reiff aaO S. 656 bzw. S. 534[]
  13. vgl. dazu BGH, Urteil vom 14.06.2007 aaO S. 1504 f Rn. 12[]
  14. s. dazu nur BGH, Urteil vom 20.01.2005 – III ZR 251/​04 aaO S. 72 ff[]
  15. s. dazu Reiff, VersR 2012, 645, 647, 651 und r+s 2013, 525, 528 f, 532 – unter Hin­weis auf die Begrün­dung der Bun­des­re­gie­rung zum Ent­wurf eines Geset­zes zur Reform des Ver­si­che­rungs­ver­trags­rechts, BT-Drs.-. 16/​3945, S. 53 und S. 102[]
  16. vgl. dazu im Ein­zel­nen die wort­glei­che Wider­rufs­be­leh­run­gen betref­fen­den BGH, Urtei­le vom 01.03.2012 – III ZR 83/​11, NZG 2012, 427, 428 f Rn. 14 ff; vom 19.07.2012 – III ZR 252/​11, BGHZ 194, 150, 154 ff Rn. 12 ff; vom 18.10.2012 – III ZR 106/​11, NJW 2012, 3718, 3719 Rn. 22 und vom 17.01.2013 – III ZR 145/​12, NJW-RR 2013, 885, 886 Rn. 9 ff, jeweils mwN[]
  17. s. hier­zu BGH, Urtei­le vom 19.07.2012 aaO S. 157 ff Rn. 18 ff; und vom 17.01.2013 aaO S. 886 f Rn. 13 f[]
  18. vgl. nur BGH, Urteil vom 15.04.2010 – III ZR 218/​09, BGHZ 185, 192, 201 ff Rn. 23 ff[]
  19. BGH, Urtei­le vom 19.07.2012 aaO S. 162 Rn. 25; und vom 17.01.2013 aaO S. 887 Rn. 15[]
  20. s. dazu BGH, Urtei­le vom 01.03.2012 aaO S. 429 Rn.19 mwN; vom 19.07.2012 aaO S. 162 f Rn. 26 und vom 17.01.2013 aaO Rn. 16[]