Prämienanpassung in der privaten Krankenversicherung – und die Mitteilung des Versicherers

Bei einer Prämienanpassung nach § 203 Abs. 2 VVG wird erst durch die Mitteilung einer den Anforderungen des § 203 Abs. 5 VVG genügenden Begründung die für die Wirksamkeit der Neufestsetzung der Prämie angeordnete Frist in Lauf gesetzt1.

Prämienanpassung in der privaten Krankenversicherung – und die Mitteilung des Versicherers

Wie der Bundesgerichtshof entschieden und im Einzelnen begründet hat2, erfordert die Mitteilung der maßgeblichen Gründe für die Neufestsetzung der Prämie nach § 203 Abs. 5 VVG die Angabe der Rechnungsgrundlage, deren nicht nur vorübergehende Veränderung die Neufestsetzung nach § 203 Abs. 2 Satz 1 VVG veranlasst hat. Dagegen muss der Versicherer nicht mitteilen, in welcher Höhe sich diese Rechnungsgrundlage verändert hat. Er hat auch nicht die Veränderung weiterer Faktoren, welche die Prämienhöhe beeinflusst haben, wie z.B. des Rechnungszinses, anzugeben3.

Die vom Versicherungsunternehmen mitgeteilten Gründe für die Prämienerhöhungen erfüllen nicht die Voraussetzungen einer nach § 203 Abs. 5 VVG erforderlichen Mitteilung, wenn der Versicherungsnehmer den MItteilungen nicht mit der gebotenen Klarheit entnehmen kann, dass eine Veränderung der Rechnungsgrundlage Versicherungsleistungen über dem geltenden Schwellenwert die konkreten Beitragserhöhungen ausgelöst hat. Ob die Mitteilung einer Prämienanpassung den gesetzlichen Anforderungen des § 203 Abs. 5 VVG genügt, hat der Tatrichter im jeweiligen Einzelfall zu entscheiden4.

In der Klageerwiderung nachgeholte Angaben zu den Gründen der Prämienanpassungen führen nur zu einer Heilung ex nunc5, so dass die Beitragserhöhungen gemäß § 203 Abs. 5 VVG erst ab dem zweiten auf die Zustellung der Klageerwiderung folgenden Monat wirksam werden.

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Prämienanpassung in der privaten Krankenversicherung

Bundesgerichtshof, Urteil vom 22. Juni 2022 – IV ZR 253/20

  1. vgl. BGH, Urteile vom 16.12.2020 – IV ZR 294/19, BGHZ 228, 56 Rn. 21 ff.; vom 19.12.2018 – IV ZR 255/17, BGHZ 220, 297 Rn. 66[]
  2. BGH, Urteil vom 16.12.2020 – IV ZR 294/19, BGHZ 228, 56[]
  3. BGH, Urteil vom 16.12.2020 aaO Rn. 26[]
  4. BGH, Urteil vom 16.12.2020 – IV ZR 294/19, BGHZ 228, 56 Rn. 38[]
  5. vgl. BGH, Urteile vom 16.12.2020 – IV ZR 294/19, BGHZ 228, 56 Rn. 42; vom 19.12.2018 – IV ZR 255/17, BGHZ 220, 297 Rn. 66[]