Pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­run­gen auf dem Prüf­stand

Die Mit­glie­der­zah­len in der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung (PKV) sta­gnie­ren schon seit Jah­ren. Vie­le Ver­si­cher­te zei­gen sich unzu­frie­den oder wür­den nicht wie­der in eine PKV ein­tre­ten. Eini­ge Par­tei­en sehen das dua­le Ver­si­che­rungs­sys­tem als ver­al­tet an und Alter­na­ti­ven wie das Ham­bur­ger Modell wer­den dis­ku­tiert. Wie steht es um die Zukunft der Pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­run­gen?

Pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­run­gen auf dem Prüf­stand
Kran­ken­ver­si­che­rungs­kar­te muss sein: In Deutsch­land besteht Kran­ken­ver­si­che­rungs­pflicht.

In Deutsch­land leben rund 80 Mil­lio­nen Men­schen, davon ist die über­wie­gen­de Mehr­heit, näm­lich 71 Mil­lio­nen, gesetz­lich kran­ken­ver­si­chert. Nach Anga­ben des Ver­ban­des der Pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung waren im Jahr 2016 dage­gen nur 8,77 Mil­lio­nen Men­schen pri­vat kran­ken­voll­ver­si­chert (vgl. https://www.pkv.de). Eine pri­va­te Pfle­ge­ver­si­che­rung haben 9,38 Mil­lio­nen abge­schlos­sen. Eine pri­va­te Zusatz­ver­si­che­rung haben 25,08 Mil­lio­nen. Gera­de die Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen im Bereich Zahn­ersatz haben sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren mehr und mehr bezahlt gemacht. Doch die Zah­len sind rück­läu­fig. Seit 2012 haben die pri­va­ten Kran­ken­kas­sen mit Sta­gna­ti­on zu kämp­fen, Neu­zu­gän­ge las­sen auf sich war­ten und immer mehr rei­chen ihre Kün­di­gung ein.

Nach §193 III VVG (Ver­si­che­rungs­ver­trags­ge­setz) besteht seit dem 1.1.2009 in Deutsch­land eine all­ge­mei­ne Kran­ken­ver­si­che­rungs­pflicht. Somit sind alle Per­so­nen, die in Deutsch­land einen Wohn­sitz ange­mel­det haben, dazu ver­pflich­tet, sich über einen in Deutsch­land zuge­las­se­nen Kran­ken­ver­si­che­rer gegen Kos­ten eines Krank­heits­fal­les abzu­si­chern. Zu den Kos­ten gehö­ren ent­we­der finan­zi­el­le Leis­tun­gen oder Sach­leis­tun­gen. Eini­ge Per­so­nen­grup­pen erhal­ten nicht zwin­gend gesetz­li­che Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen und wer­den im Basis­ta­rif pri­vat kran­ken­ver­si­chert, dazu gehö­ren Selbst­stän­di­ge und Frei­be­ruf­ler eben­so wie Beam­te. Prak­ti­kan­ten und Stu­den­ten kön­nen in die PKV ein­tre­ten und sich von der Ver­si­che­rungs-Pflicht­gren­ze befrei­en las­sen.

Jähr­lich passt die Bun­des­re­gie­rung die Rechen­grö­ßen der Pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung sowie der Sozi­al­ver­si­che­run­gen an. Grund­sätz­lich kön­nen sich jedoch alle Per­so­nen pri­vat kran­ken­ver­si­chern, die bestimm­te Vor­aus­set­zun­gen erfül­len. Hier regelt die PKV-Ein­kom­mens­gren­ze die Ver­si­che­rungs­pflicht aus­schließ­lich für Ange­stell­te. Nach dem Über­schrei­ten der Ein­kom­mens­wer­te besteht nach §6 I Nr. 1 SGBV Wahl­frei­heit. Für alle ande­ren Berufs­grup­pen gilt die­se Jah­res­ar­beits­ent­gelt­gren­ze nicht.

Doch nicht nur der Ver­si­che­rungs­su­chen­de hat die Wahl, auch der pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rer. Im Gegen­satz zu den gesetz­li­chen Kas­sen, die jeden auf­neh­men müs­sen, kön­nen die Pri­va­ten sich ihre Mit­glie­der aus­su­chen. Chro­nisch Kran­ke haben es da deut­lich schwe­rer. Wenn es klappt, müs­sen sie mit einem deut­lich höhe­ren Bei­trags­satz rech­nen. Dabei gibt es schon lan­ge das Prin­zip der Selbst­be­tei­li­gung bei den Pri­va­ten. Je höher die eige­ne Selbst­be­tei­li­gung im Fal­le einer Behand­lung, umso nied­ri­ger der eige­ne Bei­trag.

Die hohen Bei­trags­kos­ten sind immer wie­der Dis­kus­si­ons-The­ma bei pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rern.

Kri­tik wird immer wie­der laut ange­sichts der hohen Ein­stiegs­bei­trä­ge bei Neu­kun­den. Bei man­chen Ver­si­che­rern sind die Prä­mi­en für Neu­kun­den um bis zu 38 Pro­zent gestie­gen. Vie­le Kun­den sind nicht mehr über­zeugt von den Leis­tun­gen der pri­va­ten Ver­si­che­rer. Nach einer Ver­si­cher­ten-Umfra­ge des Wis­sen­schaft­li­chen Insti­tuts der AOK wür­den nur 74,5 % erneut die pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung wäh­len. Rund 22 %, also jeder fünf­te Befrag­te, wür­de das mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit nicht tun.

Alter­na­ti­ve Bür­ger­ver­si­che­rung?

Die gro­ßen Bür­ger­par­tei­en in Deutsch­land, allen vor­an die SPD, sind mit dem bestehen­den Zwei-Klas­sen-Kran­ken­sys­tem schon lan­ge nicht mehr zufrie­den. Immer wie­der wird über eine ein­heit­li­che Bür­ger­ver­si­che­rung dis­ku­tiert. Auch die Lin­ke plä­diert für eine Bür­ger­ver­si­che­rung und argu­men­tiert, dass dadurch die Bei­trä­ge dau­er­haft nied­rig, knapp über zehn Pro­zent, gehal­ten wer­den könn­ten. Auch soll­ten zur Finan­zie­rung Kapi­tal­erträ­ge und Gewin­ne her­an­zieh­bar sein.

Nach dem soge­nann­ten Ham­bur­ger Modell, das unter https://www.einfach-teilhaben.de im Detail vor­ge­stellt ist, gibt es bestimm­te Ände­run­gen in der Pro­be­pha­se. So dür­fen erst­mals jun­ge Beam­te in die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung ein­tre­ten, ohne finan­zi­el­le Nach­tei­le zu haben. Statt dem Arbeit­ge­ber­an­teil bekom­men sie von ihrem Dienst­herrn eine Pau­scha­le. Grund­sätz­lich ist das Ham­bur­ger Modell eine Wie­der­ein­glie­de­rungs­maß­nah­me nach län­ge­rer Krank­heit. Nach §84 Sozi­al­ge­setz­ge­bung ist der Arbeit­ge­ber dazu ver­pflich­tet. Für die betrof­fe­nen Arbeit­neh­mer ist die­ses Sys­tem eine sinn­vol­le Maß­nah­me.

Abschluss­über­le­gun­gen

Droht die Abschaf­fung des dua­len Sys­tems in der Kran­ken­ver­si­che­rung? Eini­ge Exper­ten glau­ben nicht dar­an und befür­wor­ten den Wett­be­werb, der ein Antriebs­mo­tor für die För­de­rung von medi­zi­ni­schen Neue­run­gen dar­stel­le. Auf die wei­te­re Ent­wick­lung des Ham­bur­ger Modells rich­ten sich jetzt vie­le Augen. Bleibt abzu­war­ten, wie sich die­ses Ver­si­che­rungs­sys­tem in der rea­len Pra­xis bewäh­ren kann.

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