Rechts­schutz­ver­si­che­rung – aber außer­ge­richt­lich nur für eine Media­ti­on

In einer Rechts­schutz­ver­si­che­rung kann wirk­sam ver­ein­bart wer­den, dass für die außer­ge­richt­li­che Wahr­neh­mung der Inter­es­sen des Ver­si­che­rungs­neh­mers in ein­zel­nen Leis­tungs­ar­ten nur die Kos­ten eines von der Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft aus­ge­wähl­ten Media­tors über­nom­men wer­den, und/​oder für die gericht­li­che Wahr­neh­mung der Inter­es­sen des Ver­si­che­rungs­neh­mers die bei die­sem anfal­len­den Kos­ten nur über­nom­men wer­den, soweit der Ver­si­che­rungs­neh­mer sich ver­geb­lich um eine Kon­flikt­lö­sung durch einen von der Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft aus­ge­wähl­ten Media­tor bemüht hat.

Rechts­schutz­ver­si­che­rung – aber außer­ge­richt­lich nur für eine Media­ti­on

§ 125 VVG ent­hält ledig­lich eine – an sich über­flüs­si­ge – (wirt­schaft­li­che) Leis­tungs­be­schrei­bung der Rechts­schutz­ver­si­che­rung 1, die Leis­tungs­pflicht des Rechts­schutz­ver­si­che­rers besteht nach die­ser Vor­schrift (nur) "im ver­ein­bar­ten Umfang".

Die damit ange­spro­che­ne Ver­trags­frei­heit wird ledig­lich durch die Bestim­mun­gen der §§ 126 bis 128 VVG beschränkt, von denen nach § 129 VVG nicht zum Nach­teil des Ver­si­che­rungs­neh­mers abge­wi­chen wer­den kann.

Wie sich aus der Zusam­men­schau der in § 127 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 VVG ent­hal­te­nen Rege­lun­gen ergibt, kann der Rechts­schutz­ver­si­che­rer dem Ver­si­che­rungs­neh­mer Rechts­schutz allein (erst) für des­sen Ver­tre­tung in Gerichts- und Ver­wal­tungs­ver­fah­ren anbie­ten und gewäh­ren. Er kann die Gewäh­rung von Rechts­schutz für die Ver­tre­tung in sol­chen Ver­fah­ren im Rah­men der nach § 125 VVG bestehen­den Ver­trags­frei­heit von der vor­gän­gi­gen erfolg­lo­sen Durch­füh­rung eines Media­ti­ons­ver­fah­rens abhän­gig machen, ohne dass dem eine der in den §§ 126 bis 128 VVG gere­gel­ten Aus­nah­men von der grund­sätz­lich bestehen­den Ver­trags­frei­heit ent­ge­gen­steht.

Dies gilt auch dann, wenn der Rechts­schutz­ver­si­che­rer sich die Aus­wahl des Media­tors vor­be­hält, und zwar unab­hän­gig davon, ob der Media­tor Rechts­an­walt ist. Der Media­tor wird auch in einem sol­chen Fall nicht als Par­tei­ver­tre­ter tätig, son­dern ver­mit­telt als neu­tra­ler Drit­ter zwi­schen den Par­tei­en 2. Bei erfolg­los geblie­be­nem Media­ti­ons­ver­fah­ren besteht nach dem hier bean­stan­de­ten Ange­bot der Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft im nach­fol­gen­den Gerichts- oder Ver­wal­tungs­ver­fah­ren das Recht des Ver­si­che­rungs­neh­mers auf freie Anwalts­wahl gemäß § 127 Abs. 1 Satz 1 VVG. Ein Rechts­schutz­ver­si­che­rer ist nach dem in § 125 VVG nie­der­ge­leg­ten Grund­satz der Ver­trags­frei­heit nicht gehin­dert, sein Ange­bot, die Kos­ten eines Gerichts- oder Ver­wal­tungs­ver­fah­rens zu tra­gen, dadurch zu erwei­tern, dass er zusätz­lich anbie­tet, zwar nicht alle Kos­ten der sons­ti­gen Wahr­neh­mung der recht­li­chen Inter­es­sen, aber immer­hin die­je­ni­gen die­ser Kos­ten zu tra­gen, die durch ein Media­ti­ons­ver­fah­ren ent­ste­hen 3.

Außer­dem wider­spricht eine pri­vat­au­to­nom ein­ge­gan­ge­ne Selbst­bin­dung zuguns­ten der Media­ti­on nicht dem in § 1 Abs. 1 Media­ti­onsG nie­der­ge­leg­ten Prin­zip der Frei­wil­lig­keit 4. Dem Ver­si­che­rungs­neh­mer steht es über­dies auch nach den All­ge­mei­nen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen der Rechts­schutz­ver­si­che­rung frei, den von die­ser bestimm­ten Media­tor abzu­leh­nen sowie vom Media­ti­ons­ver­fah­ren ins­ge­samt Abstand zu neh­men.

Außer­dem ist die Unab­hän­gig­keit des Media­tors zwar ein wich­ti­ges Pos­tu­lat des Media­ti­ons­rechts, aber nicht zwin­gend, son­dern der nähe­ren Aus­ge­stal­tung nach dem Wil­len der Par­tei­en zugäng­lich 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Janu­ar 2016 – I ZR 98/​1

  1. vgl. Bau­er in Harbau­er, Rechts­schutz­ver­si­che­rung, 8. Aufl., § 125 VVG Rn. 1[]
  2. vgl. Hill­mer-Möbi­us in Schwintowski/​Brömmelmeyer, PK-VersR, 2. Aufl., § 125 VVG Rn. 24; Wendt in van Bühren/​Plote, ARB, 3. Aufl., Anh. zu ARB 2010, § 5a Rn. 6; Loo­schel­ders in Looschelders/​Paffenholz, ARB, 2014, § 1 Rn. 30[]
  3. vgl. zu den inso­weit in Betracht kom­men­den Kos­ten Engel in Eidenmüller/​Wagner, Media­ti­ons­recht, 2015, Kap. 10 [S. 369 – 401][]
  4. vgl. Wagner/​Eidenmüller in Eidenmüller/​Wagner aaO Kap. 1 Rn.19 mit Hin­weis auf die Begrün­dung des Regie­rungs­ent­wurfs des Geset­zes zur För­de­rung der Media­ti­on und ande­rer Ver­fah­ren der außer­ge­richt­li­chen Kon­flikt­bei­le­gung, BT-Drs. 17/​5335, S. 14[]
  5. Wagner/​Eidenmüller in Eidenmüller/​Wagner aaO Kap. 1 Rn. 14[]