Rechts­schutz­ver­si­che­rung – und der Beginn des Ver­si­che­rungs­schut­zes

Wird ein Rechts­schutz­ver­si­che­rungs­ver­trag um eine Leis­tungs­art erwei­tert, beginnt die War­te­zeit für die­ses Zusatz­ri­si­ko an dem Tag, an dem der Ver­si­che­rungs­schutz für die­ses Ein­zel­wag­nis beginnt, wäh­rend für die iden­ti­schen Leis­tungs­ar­ten kei­ne neue War­te­zeit beginnt.

Rechts­schutz­ver­si­che­rung – und der Beginn des Ver­si­che­rungs­schut­zes

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines abge­lehn­ten Deckungs­schut­zes für Strei­tig­kei­ten auf Hoch­schul­zu­las­sung wegen Nicht­ein­hal­ten der War­te­frist ent­schie­den.

Im Jahr 2002 hat­te der Klä­ger einen Rechts­schutz­ver­si­che­rungs­ver­trag abge­schlos­sen, der zum 1. Juli 2006 umge­stellt und um die Leis­tungs­art "Ver­wal­tungs-Rechts­schutz vor Gerich­ten“ erwei­tert wur­de. Für diver­se Ver­wal­tungs­streit­ver­fah­ren sei­nes Soh­nes gegen ver­schie­de­ne Uni­ver­si­tä­ten mit dem Ziel der Stu­di­en­zu­las­sung im Stu­di­en­gang Human­me­di­zin ver­lang­te der Klä­ger mit Schrei­ben vom 21.09.2006 Deckungs­schutz, der von der Ver­si­che­rung abge­lehnt wor­den ist. Die­se argu­men­tier­te, dass der “Ver­wal­tungs-Rechts­schutz vor Gerich­ten“ erst seit der Erwei­te­rung des Rechts­schutz­ver­si­che­rungs­ver­tra­ges und der Umstel­lung des­sel­ben auf die ARB 2005 ab dem 01.07.2006 vom Ver­si­che­rungs­ver­trag umfasst sei, gemäß § 4 Abs. 1 ARB 2005 eine War­te­zeit von drei Mona­ten ein­zu­hal­ten sei und dem­ge­mäß Ver­si­che­rungs­schutz nur für Ver­si­che­rungs­fäl­le bestehe, die am bzw. nach dem 01.10.2006 ein­ge­tre­ten sei­en. Das wäre hier nicht der Fall.

Die­ser Auf­fas­sung hat sich das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he 1 ange­schlos­sen. Nach sei­ner Mei­nung besteht Ver­si­che­rungs­schutz erst nach Ablauf von drei Mona­ten (War­te­zeit), nach­dem der Ver­si­che­rungs­ver­trag unter Ein­be­zie­hung die­ser Leis­tungs­art zu lau­fen begon­nen hat. Die­se War­te­zeit ist auch ein­zu­hal­ten, wenn die All­ge­mei­nen Bedin­gun­gen der Rechts­schutz­ver­si­che­rung ARB 2005 erst nach­träg­lich durch ein­ver­nehm­li­che Ver­trags­än­de­rung in einen schon län­ger bestehen­den Ver­si­che­rungs­ver­trag (mit ARB von 2001) Ein­gang gefun­den haben.

Auch in ande­ren Leis­tungs­be­rei­chen ist die fest­ge­leg­te War­te­zeit in den All­ge­mei­nen Rechts­schutz­be­din­gun­gen für den Beginn einer Ein­stands­pflicht wich­tig. Ver­si­che­rungs­schutz wird bei bestimm­ten Leis­tungs­ar­ten erst nach Ablauf einer Karenz­zeit von drei Mona­ten gewährt. Die­se War­te­zeit kann auch auf sechs Mona­te aus­ge­wei­tet wer­den. Eine infor­ma­ti­ve Über­sicht, in wel­chen Berei­chen der Schutz einer Rechts­schutz­ver­si­che­rung mit einer War­te­zeit ver­bun­den ist, fin­det man bei Fri­end­suran­ce. Dort besteht auch die Mög­lich­keit zum Abschluss einer Rechts­schutz­ver­si­che­rung.

Kommt es zu einem Ver­si­che­rungs­fall inner­halb der War­te­zeit, so besteht für die Ver­si­che­rung kei­ne Ein­stands­pflicht. Dadurch soll die Rechts­schutz­ver­si­che­rung nicht die Rechts­strei­tig­kei­ten tra­gen müs­sen, die bei Ver­si­che­rungs­be­ginn bereits vor­pro­gram­miert waren, mit denen der Ver­si­che­rungs­neh­mer bei Stel­lung des Ver­si­che­rungs­an­trags also bereits rech­nen konn­te 2.

In einem Miet­rechts­ver­fah­ren ist z.B. das AG Stutt­gart 2001 von einem ein­heit­li­chen Rechts­pflicht­ver­stoß 3 aus­ge­gan­gen, da der Mie­ter wäh­rend der War­te­zeit des Rechts­schutz­ver­si­che­rungs­ver­trags zwei Monats­mie­ten ver­spä­tet und in den bei­den nach­fol­gen­den Mona­ten – nach Ablauf der War­te­zeit – über­haupt kei­ne Mie­te gezahlt hat. Hier lag nach Mei­nung des Gerichts kein Ver­si­che­rungs­fall vor.

Ein Ver­si­che­rungs­fall liegt dann vor, wenn das maß­ge­ben­de Ereig­nis in dem ver­si­cher­ten Zeit­raum ein­ge­tre­ten ist – und nicht in vor­ver­trag­li­cher Zeit oder wäh­rend der War­te­zeit. Ein Ver­si­che­rungs­fall liegt nach einer Ent­schei­dung des AG Bün­de auch vor, wenn in einem Kün­di­gungs­schrei­ben neben den aus­ge­blie­be­nen Mie­ten für zwei Mona­te auch die noch offe­ne Neben­kos­ten­nach­zah­lung und ein Rest­be­trag einer Mie­te für einen Zeit­raum vor Ver­si­che­rungs­be­ginn the­ma­ti­siert wur­den. Denn die­ser Ver­stö­ße tru­gen nicht im Sin­ne der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs den Keim des spä­ter geführ­ten Räu­mungs­rechts­streits in sich 4.

  1. OLG Karls­ru­he, Urteil vom 15.1.2008 – 12 U 89/​07[]
  2. AG Bün­de, Urteil vom 01.03.2012 – 5 C 679/​11[]
  3. AG Stutt­gart, Urteil vom 20.02.2001 – 16 C 8638/​00[]
  4. BGH, Urteil vom 20.03.1985 – IVa ZR 186/​83; vom 19.11.2008 – IV ZR 305/​07[]