Rechts­schutz­ver­si­che­rung im Pas­siv­pro­zess – und die Vor­ver­trag­lich­keit des Ver­si­che­rungs­falls

Maß­geb­li­cher Ver­stoß im Sin­ne von § 4 (1) Satz 1 Buchst. d ARB 2012 ist allein das nach dem Vor­brin­gen des Ver­si­che­rungs­neh­mers unge­recht­fer­tig­te Gel­tend­ma­chen von Ansprü­chen durch die Gegen­sei­te.

Rechts­schutz­ver­si­che­rung im Pas­siv­pro­zess – und die Vor­ver­trag­lich­keit des Ver­si­che­rungs­falls

Dies gilt auch für den Fall einer unge­recht­fer­tig­ten Gel­tend­ma­chen von Gewähr­leis­tungs­an­sprü­chen durch die Käu­fe­rin (hier: eines Gebraucht­wa­gens) gegen den rechts­schutz­ver­si­cher­ten Ver­käu­fer. Auf den Zeit­punkt des Gebraucht­wa­gen­kaufs und der Über­ga­be des Fahr­zeugs kommt es des­halb nicht an, weil der Ver­si­che­rungs­neh­mer (Ver­käu­fer) sei­ne Ver­tei­di­gung nicht auf einen eige­nen Rechts­ver­stoß stützt.

Ob der Rechts­schutz­fall in ver­si­cher­ter Zeit ein­ge­tre­ten ist, ist hier nach § 4 (1) Satz 1 Buchst. d ARB 2012 zu bestim­men.

All­ge­mei­ne Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen sind so aus­zu­le­gen, wie ein durch­schnitt­li­cher, um Ver­ständ­nis bemüh­ter Ver­si­che­rungs­neh­mer sie bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung, auf­merk­sa­mer Durch­sicht und unter Berück­sich­ti­gung des erkenn­ba­ren Sinn­zu­sam­men­hangs ver­steht. Dabei kommt es auf die Ver­ständ­nis­mög­lich­kei­ten eines Ver­si­che­rungs­neh­mers ohne ver­si­che­rungs­recht­li­che Spe­zi­al­kennt­nis­se und damit auch auf sei­ne Inter­es­sen an. In ers­ter Linie ist vom Wort­laut der jewei­li­gen Klau­sel aus­zu­ge­hen. Der mit dem Bedin­gungs­werk ver­folg­te Zweck und der Sinn­zu­sam­men­hang der Klau­seln sind zusätz­lich zu berück­sich­ti­gen, soweit sie für den Ver­si­che­rungs­neh­mer erkenn­bar sind 1.

Unter Zugrun­de­le­gung die­ses Aus­le­gungs­maß­sta­bes hat der Bun­des­ge­richts­hof in jün­ge­rer Zeit an sei­ner frü­he­ren Recht­spre­chung 2 zur Aus­le­gung des § 14 (3) ARB 75, der inso­weit eine dem § 4 (1) Satz 1 Buchst. d ARB 2012 im Wesent­li­chen gleich­lau­ten­de Rege­lung ent­hält, in Fäl­len, in denen der Ver­si­che­rungs­neh­mer Ansprü­che gegen einen ande­ren erhob (so genann­te Aktiv­pro­zess-Fäl­le), aber auch in einem Fall, in dem sich der Ver­si­che­rungs­neh­mer im Streit um Kran­ken­ver­si­che­rungs­leis­tun­gen unter ande­rem gegen eine Auf­rech­nung sein er Anspruchs­geg­ne­rin mit Scha­dens­er­satz­an­sprü­che aus uner­laub­ter Hand­lung wehr­te, nicht mehr fest­ge­hal­ten 3.

Er hat in meh­re­ren Ent­schei­dun­gen geklärt, wie der Rechts­schutz­fall zu bestim­men ist und dar­auf gestützt die zeit­li­che Ein­ord­nung und Begren­zung des ver­spro­che­nen Ver­si­che­rungs­schut­zes erfolgt 4.

Danach ent­nimmt der durch­schnitt­li­che Ver­si­che­rungs­neh­mer zum einen dem Leis­tungs­ver­spre­chen des Rechts­schutz­ver­si­che­rers, dass die­ser es über­nimmt, die Wahr­neh­mung sei­ner recht­li­chen Inter­es­sen zu unter­stüt­zen. Zum ande­ren erkennt der durch­schnitt­li­che Ver­si­che­rungs­neh­mer, dass mit der Anknüp­fung des § 14 (3) ARB 75 (hier des § 4 (1) Satz 1 Buchst. d ARB 2012) an die ers­te adäqua­te Ursa­che des Aus­gangs­streits der Bedin­gungs­wort­laut die Gefahr einer ufer­lo­sen Rück­ver­la­ge­rung des für die zeit­li­che Bestim­mung des Ver­si­che­rungs­fall es maß­geb­li­chen Gesche­hens in sich birgt, wel­che in der Mehr­zahl der Fäl­le sei­nen berech­tig­ten Inter­es­sen wider­spricht 5. Des­halb kommt es für die Fest­le­gung des Ver­si­che­rungs­fal­les allein auf die Tat­sa­chen an, mit denen der Ver­si­che­rungs­neh­mer sein Recht­schutz­be­geh­ren begrün­det 6.

Dabei wird der Ver­si­che­rungs­neh­mer bei der Ver­fol­gung eige­ner ver­trag­li­cher Ansprü­che einen den Rechts­schutz­fall im Sin­ne von § 4 (1) Satz 1 Buchst. d ARB 2012 aus­lö­sen­den Ver­stoß allein in dem ver­meint­li­chen Fehl­ver­hal­ten sehen, das er sei­nem Geg­ner zur Last legt und auf das er sei­nen Anspruch stützt. Der Bun­des­ge­richts­hof hat dazu ange­nom­men, aus der Sicht des durch­schnitt­li­chen Ver­si­che­rungs­neh­mers lie­ßen sich sei­ne Ansprü­che auf eige­nes Fehl­ver­hal­ten nicht stüt­zen 7. Ande­ren­falls hät­te es der Anspruchs­geg­ner des Ver­si­che­rungs­neh­mers in der Hand, durch die Wahl sei­ner Ver­tei­di­gung dem Ver­si­che­rungs­neh­mer d en Deckungs­an­spruch aus der Rechts­schutz­ver­si­che­rung zu ent­zie­hen 8. Nach allem hat es der Bun­des­ge­richts­hof in Fäl­len des Rechts­schut­zes für Aktiv­pro­zes­se des Ver­si­che­rungs­neh­mers als für die Bestim­mung des Ver­si­che­rungs­fal­les uner­heb­lich ange­se­hen, was der Anspruchs­geg­ner des Ver­si­che­rungs­neh­mers gegen des­sen Begeh­ren ein­wen­det 9. Statt­des­sen rich­te sich die Fest­le­gung des "ver­stoß­ab­hän­gi­gen" Rechts­schutz­fal­les im Sin­ne von § 14 (3) Satz 1 ARB 75 (hier § 4 (1) Satz 1 Buchst. d ARB 2012) allein nach den vom Ver­si­che­rungs­neh­mer behaup­te­ten Pflicht­ver­let­zun­gen, wobei die­ses Vor­brin­gen (ers­tens) einen objek­ti­ven Tat­sa­chen­kern ent­hal­ten müs­se, mit dem der Ver­si­che­rungs­neh­mer (zwei­tens) den Vor­wurf eines Rechts­ver­sto­ßes ver­bin­de, der den Keim für die recht­li­che Aus­ein­an­der­set­zung ent­hal­te und auf den der Ver­si­che­rungs­neh­mer (drit­tens) sei­ne Inter­es­sen­ver­fol­gung stüt­ze, wobei es nicht auf die Schlüs­sig­keit, Sub­stan­ti­iert­heit oder die Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit die­ser Behaup­tun­gen ankom­me 10 (soge­nann­te Drei­Säu­len­Theo­rie).

Ob und wie sich die­se Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs auf Fäl­le über­tra­gen lässt, in denen sich der Ver­si­che­rungs­neh­mer im Aus­gangs­streit gegen Ansprü­che ver­tei­digt, die sein Anspruchs­geg­ner gegen ihn erhebt (Pas­siv­pro­zes­se), ist soweit die­se BGH-Recht­spre­chung nicht ohne­hin ins­ge­samt abge­lehnt wird 11 in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur umstrit­ten 12.

Nach einer Auf­fas­sung sol­len die vom Bun­des­ge­richts­hof ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze auf den Pas­siv­pro­zess des Ver­si­che­rungs­neh­mers spie­gel­bild­lich in der Wei­se über­tra­gen wer­den, dass für die Fest­le­gung des Ver­si­che­rungs­fal­les nach § 14 (3) ARB 75 oder § 4 (1) Satz 1 Buchst d)) ARB 2012 allein auf die Ver­stö­ße gegen Rechts­vor­schrif­ten und Rechts­pflich­ten abzu­stel­len ist, die der Anspruchs­geg­ner dem Ver­si­che­rungs­neh­mer anlas­tet 13. Das stützt sich vor allem auf den Bedin­gungs­wort­laut und ins­be­son­de­re die auch vom Beru­fungs­ge­richt her­vor­ge­ho­be­ne Über­le­gung, dass ande­ren­falls die dort getrof­fe­ne Rege­lung, nach der auch ein Ver­stoß des Ver­si­che­rungs­neh­mers gegen Rechts­pflich­ten oder Rechts­vor­schrif­ten als für die Bestim­mung des Ver­si­che­rungs­fal­les maß­geb­lich ange­spro­chen wer­de, leer­lie­fe.

Nach die­ser Auf­fas­sung wäre der Ver­si­che­rungs­fall im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall mit der dem Ver­si­che­rungs­neh­mer von sei­ner Geg­ne­rin vor­ge­wor­fe­nen Über­ga­be des nicht repa­rier­ten Fahr­zeugs im Juni 2014, mit­hin in nicht ver­si­cher­ter Zeit, ein­ge­tre­ten.

Eine ver­mit­teln­de Auf­fas­sung 14 möch­te abwei­chend von den im Aktiv­pro­zess des Ver­si­che­rungs­neh­mers nach der BGH-Recht­spre­chung gel­ten­den Maß­stä­ben im Pas­siv­pro­zess im Grund­satz Ver­stö­ße bei­der Sei­ten für die Bestim­mung des Ver­si­che­rungs­fal­les her­an­zie­hen. Dafür spre­che neben dem Wort­laut des § 14 (3) ARB 75 (bzw. des § 4 (1) Buchst. d ARB 2012), dass in Pas­siv­pro­zes­sen der Geg­ner des Ver­si­che­rungs­neh­mers das Streit­ver­fah­ren in Gang set­ze und die­ser Streit des­halb pri­mär durch den Vor­wurf der Gegen­sei­te geprägt wer­de. Mit­un­ter erlau­be auch nur der Vor­trag des Anspruchs­geg­ners die Ein­ord­nung des Aus­gangs­ver­fah­rens unter eine in der Rechts­schutz­ver­si­che­rung ver­si­cher­te Leis­tungs­art 15.

Auch die­se Mei­nung führ­te im Streit­fall zur Annah­me e ines Ver­si­che­rungs­fal­les in nicht ver­si­cher­ter Zeit, weil danach auch die dem Ver­si­che­rungs­neh­mer von sei­ner Anspruchs­geg­ne­rin ange­las­te­te Über­ga­be des ent­ge­gen einer Zusa­ge nicht repa­rier­ten Fahr­zeugs noch vor Beginn der Rechts­schutz­ver­si­che­rung einen ers­ten für den Aus­gangs­streit adäquat kau­sa­len Pflich­ten­ver­stoß im Sin­ne von § 4 (1) Buchst. d ARB 2012 dar­stell­te, auf den nach § 4 (2) ARB 2012 abzu­stel­len wäre.

Die drit­te Auf­fas­sung tritt dafür ein, die neue­re BGH-Recht­spre­chung unmit­tel­bar auch auf den Pas­siv­pro­zess des Ver­si­che­rungs­neh­mers zu über­tra­gen, so dass auch dort für die Bestim­mung des Ver­si­che­rungs­fal­les allein das Vor­brin­gen des Ver­si­che­rungs­neh­mers und der Ver­stoß ent­schei­dend sei, den der Ver­si­che­rungs­neh­mer sei­nem Geg­ner anlas­te 16. Danach wäre im Streit­fall der Ver­si­che­rungs­fall erst mit der aus Sicht des Ver­si­che­rungs­neh­mers unbe­rech­tig­ten Gel­tend­ma­chung von Gewähr­leis­tungs­an­sprü­chen durch sei­ne Anspruchs­geg­ne­rin nach Beginn der Rechts­schutz­ver­si­che­rung ein­ge­tre­ten und die Beklag­te mit­hin zur Rechts­schutz­de­ckung ver­pflich­tet.

Die zuletzt genann­te Auf­fas­sung trifft zu. Für die zeit­li­che Fest­le­gung des Rechts­schutz­fal­les gemäß § 4 (1) Satz 1 Buchst. d ARB 2012 ist auf den­je­ni­gen Ver­stoß abzu­stel­len, den der Ver­si­che­rungs­neh­mer sei­nem Geg­ner anlas­tet 17. Auf die pro­zes­sua­le Par­tei­rol­le oder eine ander­wei­tig begrün­de­te Unter­schei­dung zwi­schen Rechts­ver­fol­gung und Rechts­ver­tei­di­gung kommt es inso­weit nicht an.

Wenn­gleich nach dem Bedin­gungs­wort­laut der Ver­si­che­rungs­fall unter ande­rem dann ein­tritt, wenn der Ver­si­che­rungs­neh­mer selbst einen Ver­stoß gegen Rechts­pflich­ten oder Rechts­vor­schrif­ten began­gen hat oder began­gen haben soll, erkennt er auch im Fal­le eines Pas­siv­pro­zes­ses, dass eine wort­laut­kon­for­me Anwen­dung des § 4 (1) Satz 1 Buchst. d ARB 2012 die Gefahr einer ufer­lo­sen Rück­ver­la­ge­rung des für die zeit­li­che Bestim­mung des Rechts­schutz­ver­si­che­rungs­fal­les maß­geb­li­chen Gesche­hens in sich birgt 18.

Da bei der Aus­le­gung All­ge­mei­ner Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen auch die Inter­es­sen des Ver­si­che­rungs­neh­mers in den Blick zu neh­men sind, ist sei­ner Erwar­tung Rech­nung zu tra­gen, dass der Rechts­sc hutz­ver­si­che­rer es über­neh­me, die Wahr­neh­mung sei­ner recht­li­chen Inter­es­sen zu unter­stüt­zen. Des­halb kann es auch dann, wenn der Ver­si­che­rungs­neh­mer im Aus­gangs­streit von sei­nem Anspruchs­geg­ner in Anspruch genom­men wird, für die Fest­le­gung des Ver­si­che­rungs­fal­les allein auf die Tat­sa­chen ankom­men, mit denen der Ver­si­che­rungs­neh­mer sein Rechts­schutz­be­geh­ren begrün­det 19. Auch inso­weit darf es der Anspruchs­geg­ner nach der Erwar­tung des Ver­si­che­rungs­neh­mers nicht in der Hand haben, dem Ver­si­che­rungs­neh­mer mit­tels sei­ner Behaup­tun­gen den Deckungs­an­spruch aus der Rechts­schutz­ver­si­che­rung zu ent­zie­hen 20. Denn der Ver­si­che­rungs­neh­mer wird dem Leis­tungs­ver­spre­chen des Rechts­schutz­ver­si­che­rers, die für die Wahr­neh­mung der recht­li­chen Inter­es­sen des Ver­si­che­rungs­neh­mers erfor­der­li­chen Leis­tun­gen zu erbrin­gen, eine Soli­da­ri­täts­zu­si­che­rung ent­neh­men, dass der Ver­si­che­rer ihn gegen Vor­wür­fe des Geg­ners unter­stüt­ze 21. Des­halb erwar­tet er, dass der Rechts­schutz­ver­si­che­rer von sei­ner, des Ver­si­che­rungs­neh­mers, Dar­stel­lung und Bewer­tung des Gesche­hens aus­geht und nicht vom Vor­brin­gen sei­nes Anspruchs­geg­ners, zumal die Bestim­mung des Ver­si­che­rungs­fal­les nicht der Ort ist, den Wahr­heits­ge­halt ein­an­der wider­spre­chen­der Dar­stel­lun­gen der Par­tei­en des Aus­gangs­rechts­streits oder den Wider­streit unter­schied­li­cher Rechts­auf­fas­sun­gen zu klä­ren.

Dem­zu­fol­ge wird er den in § 4 (1) Satz 1 Buchst. d ARB 2012 erwähn­ten eige­nen Ver­stoß allen­falls als Umschrei­bung der von ihm selbst für zuläs­sig; vom Geg­ner jedoch als pflicht­wid­rig erach­te­ten Wei­ge­rung ver­ste­hen, den gegen ihn erho­be­nen Anspruch zu erfül­len . Dass es aber unge­ach­tet der ihm vom Ver­si­che­rer zuge­sag­ten Unter­stüt­zung für den Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­fal­les auf Ver­stö­ße ankom­men soll, die der Geg­ner des Aus­gangs­streits ihm zur Begrün­dung sei­nes aus Sicht des Ver­si­che­rungs­neh­mers unbe­rech­tig­ten Begeh­rens vor­wirft, wird der Ver­si­che­rungs­neh­mer mit Blick auf sein Rechts­schutz­in­ter­es­se dem Bedin­gungs­text nicht ent­neh­men und jeden­falls bei einem pri­vat­recht­li­chen Streit nicht in Erwä­gung zie­hen, dass ein eige­nes , ihm von sei­nem Geg­ner nach sei­ner Auf­fas­sung zu Unrecht vor­ge­wor­fe­nes Fehl­ver­hal­ten den ers­ten maß­geb­li­chen Ver­stoß im Sin­ne die­ser Bedin­gung dar­stel­len kann.

Die als so genann­te Drei­Säu­len­Theo­rie bezeich­ne­ten Grund­sät­ze aus dem Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 19.11.2008 22 las­sen sich mit­hin auf den Pas­siv­recht­streit des Ver­si­che­rungs­neh­mers über­tra­gen. Denn was die Rechts­ver­stö­ße anbe­langt, die der Ver­si­che­rungs­neh­mer sei­nem Geg­ner anlas­tet, unter­schei­det sich sei­ne Inter­es­sen­la­ge im Pas­siv­rechts­streit nicht von der­je­ni­gen in Aktiv­fäl­len 23.

Der Ver­si­che­rungs­neh­mer wird sein Klau­sel­ver­ständ­nis auch nicht an dem Inter­es­se des Rechts­schutz­ver­si­che­rers aus­rich­ten, mit­tels der Rechts­schutz­fall­klau­seln etwai­ge Mani­pu­la­ti­ons­mög­lich­kei­ten, ins­be­son­de­re so genann­te Zweck­ab­schlüs­se, zu unter­bin­den 24. § 4 (1) Satz 1 Buchst. d ARB 2012 stellt schon nicht dar­auf ab, ob sich die Ver­wirk­li­chung eines Risi­kos für den Ver­si­che­rungs­neh­mer im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses bereits abge­zeich­net hat. Ob die Klau­sel vor allem so genann­ten Zweck­ab­schlüs­sen, d.h. der Mög­lich­keit begeg­nen soll, Ver­si­che­rungs­schutz für bereits bei Abschluss der Rechts­schutz­ver­si­che­rung ein­ge­tre­te­ne Lebens­sach­ver­hal­te zu erlan­gen, die schon eine adäqua­te Ursa­che für eine spä­te­re recht­li­che Aus­ein­an­der­set­zung gesetzt haben 25, ist zwei­fel­haft. Denn je nach den zeit­li­chen Umstän­den des Ein­zel­fal­les kann sie zu einem für den Ver­si­che­rungs­neh­mer güns­ti­gen oder nach­tei­li­gen Ergeb­nis füh­ren. Eine zeit­li­che Vor­ver­le­gung des Ver­si­che­rungs­fal­les kann je nach ver­si­cher­ter Zeit viel­fach eine den Inter­es­sen des Ver­si­che­rers zuwi­der­lau­fen­de Aus­wei­tung sei­ner Nach­haf­tung zur Fol­ge haben. Zudem hat der Bun­des­ge­richts­hof bereits dar­auf hin­ge­wie­sen, dass von einem Zweck­ab­schluss nur dort die Rede sein kann, wo der Abschluss des Rechts­schutz­ver­si­che­rungs­ver­tra­ges vom Ver­si­che­rungs­neh­mer gezielt dar­auf gerich­tet ist, Ver­si­che­rungs­schutz für recht­li­che Aus­ein­an­der­set­zun­gen zu erlan­gen, deren Ursa­che bereits in vor­ver­si­cher­ter Zeit gesetzt wur­de. Das setzt jedoch eine Kennt­nis des Ver­si­che­rungs­neh­mers von der S treit­ur­sa­che vor­aus 25, auf die der Wort­laut des § 4 (1) Satz 1 Buchst. d ARB 2012 gera­de nicht abstellt.

Ist damit im Streit­fall der­je­ni­ge Ver­stoß maß­geb­lich, den der Ver­si­che­rungs­neh­mer der Käu­fe­rin sei­nes Fahr­zeugs anlas­tet, hat das Beru­fungs­ge­richt zu Unrecht einen Anspruch des Ver­si­che­rungs­neh­mers auf Ver­si­che­rungs­schutz ver­neint, denn der maß­geb­li­che Ver­stoß, die nach Auf­fas­sung des Ver­si­che­rungs­neh­mers unbe­rech­tig­te Gel­tend­ma­chung von Gewähr­leis­tungs­an­sprü­chen, hat sich hier erst in ver­si­cher­ter Zeit ereig­net.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. Juli 2019 – IV ZR 195/​18

  1. vgl. nur BGH, Urteil vom 06.07.2016 – IV ZR 44/​15, BGHZ 211, 51 Rn. 17 m.w.N.; st. Rspr.[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 14.03.1984 – IVa ZR 24/​82, VersR 1984, 530 unter – I 3 14 ff.]; zustim­mend: OLG Koblenz VersR 2013, 99, 100 25 f.][]
  3. vgl. dazu BGH, Urteil vom 25.02.2015 – IV ZR 214/​14, r+s 2015, 193 Rn. 14, 15 m.w.N.; vgl. dazu R. Wendt, r+s 2014, 328, 334[]
  4. vgl. dazu die BGH, Urtei­le vom 25.02.2015 – IV ZR 214/​14, r+s 2015, 193 Rn. 12 ff., 14 ff.; vom 30.04.2014 – IV ZR 47/​13, BGHZ 201, 73, 77 Rn. 15 ff.; – IV ZR 60/​13; – IV ZR 61/​13; – IV ZR 62/​13, jeweils unter – I 2 a 15 ff.]; vom 24.04.2013 – IV ZR 23/​12, r+s 2013, 283 Rn. 12 ff.; vom 19.11.2008 – IV ZR 305/​07, BGHZ 178, 346 Rn.20 ff.; BGH, Beschluss vom 17.10.2007 – IV ZR 37/​07, VersR 2008, 113 Rn. 3; BGH, Urtei­le vom 28.09.2005 – IV ZR 106/​04, VersR 2005, 1684 unter – I 2 a 19 ff.]; vom 19.03.2003 – IV ZR 139/​01, VersR 2003, 638 unter 1 a 8 f.]; vgl. auch R. Wendt, r+s 2006, 1, 4; 2014, 328, 334[]
  5. vgl. dazu BGH, Urteil vom 05.11.2014 – IV ZR 22/​13, r+s 2015, 16 Rn.19 m.w.N.[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 19.11.2008 – IV ZR 305/​07, BGHZ 178, 346 Rn.20 ff.; BGH, Beschluss vom 17.10.2007 – IV ZR 37/​07, VersR 2008, 113 Rn. 3; BGH, Urtei­le vom 28.09.2005 – IV ZR 106/​04, VersR 2005, 1684 unter – I 2 a 20]; vom 19.03.2003 – IV ZR 139/​01, VersR 2003, 638 unter 1 a 8 f.]; vgl. auch R. Wendt, r+s 2006, 1, 4[]
  7. BGH, Urteil vom 25.02.2015 – IV ZR 214/​14, r+s 2015, 193 Rn. 15[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 25.02.2015 aaO Rn. 16[]
  9. BGH aaO[]
  10. BGH, Urteil vom 19.11.2008 – IV ZR 305/​07, BGHZ 178, 346 Leit­satz b und Rn.20 ff.[]
  11. vgl. dazu OGH Wien VersR 2017, 1106, 1107 f.; Urteil vom 20.04.2018 – 7 Ob 36/​18x, RIS; Münch­Komm-VVG/O­ba­row­ski, 2. Aufl. Rechts­schutz­ver­si­che­rung Rn. 298, 299; Schnei­der in Hand­buch Ver­si­che­rungs­recht 7. Aufl. § 13 Rn. 413[]
  12. offen gelas­sen von OLG Düs­sel­dorf r+s 2016, 514 Rn.19[]
  13. Prölss/​Martin/​Armbrüster, VVG 30. Aufl. § 4 ARB 2010 Rn. 55 a; Arm­brüs­ter, NJW 2017, 3660; Cor­ne­li­us­Wink­ler, VersR 2015, 1476, 1480 f.[]
  14. Schaltke/​Weidner, r+s 2016, 225, 227; Schalt­ke, NJW 2018, 581, 584 f.; VersR 2018, 1041, 1044 ff.[]
  15. Schalt­ke, NJW 2018, 581, 584[]
  16. LG Frank­furt am Main r+s 2018, 652 18 ff.] mit zust. Anm. Mai­er; LG Sta­de, Aner­kennt­nis­ur­teil vom 24.07.2018 3 S 20/​1820 ff.; Mai­er, r+s 2017, 574, 578; Hap­pel, VersR 2019, 193, 200[]
  17. eben­so Mai­er, r+s 2017, 574, 578; sie­he auch Heit­her, NJW 2017, 693, 694; Gell­witz­ki, AnwBl 2015, 48, 52[]
  18. vgl. BGH, Urteil vom 05.11.2014 – IV ZR 22/​13, r+s 2015, 16 Rn.19[]
  19. vgl. BGH, Urteil vom 05.11.2014 – IV ZR 22/​13, r+s 2015, 16 f. m.w.N.[]
  20. vgl. BGH, Urteil vom 25.02.2015 – IV ZR 214/​14, r+s 2015, 193 Rn. 16[]
  21. vgl. Mai­er, r+s 2015, 489, 492[]
  22. BGH, Urteil vom 19.11.2008 – IV ZR 305/​07, BGHZ 178, 346 Rn.20 ff.[]
  23. vgl. dazu schon R. Wendt in Arbeits­ge­mein­schaft Ver­kehrs­recht des DAV Hrsg. Hom­bur­ger Tage 2014 S. 35, 59[]
  24. abw. OGH Wien VersR 2017, 1106, 1107 f.[]
  25. vgl. BGH, Urteil vom 04.07.2018 – IV ZR 200/​16, r+s 2018, 425 Rn. 49[][]