Rück­tritt vom Ver­si­che­rungs­ver­trag – und die gezo­ge­nen Nut­zun­gen

Infol­ge des wirk­sa­men Rück­tritts hat die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft nach § 346 Abs. 1 BGB nicht nur die vom Ver­si­che­rungs­neh­mer gezahl­ten Prä­mi­en zurück­zu­ge­wäh­ren, son­dern auch die gezo­ge­nen Nut­zun­gen her­aus­zu­ge­ben.

Rück­tritt vom Ver­si­che­rungs­ver­trag – und die gezo­ge­nen Nut­zun­gen

Auch nach § 346 Abs. 1 BGB sind – eben­so wie nach § 818 Abs. 1 Alt. 1 BGB – nur die Nut­zun­gen her­aus­zu­ge­ben, die vom Schuld­ner tat­säch­lich gezo­gen wur­den 1.

Aller­dings kön­nen bei der Bestim­mung der gezo­ge­nen Nut­zun­gen die gezahl­ten Prä­mi­en nicht in vol­ler Höhe Berück­sich­ti­gung fin­den 2.

Nut­zun­gen aus dem Risi­ko­an­teil, der dem Ver­si­che­rer als Wert­er­satz für den vom Ver­si­che­rungs­neh­mer fak­tisch genos­se­nen Ver­si­che­rungs­schutz ver­bleibt, ste­hen dem Ver­si­che­rungs­neh­mer nicht zu 3.

Bezüg­lich des auf die Abschluss­kos­ten ent­fal­len­den Prä­mi­en­an­teils kommt eine Ver­pflich­tung des Ver­si­che­rers zur Her­aus­ga­be von Nut­zun­gen nicht in Betracht. Der auf die Abschluss­kos­ten ent­fal­len­de Prä­mi­en­an­teil bleibt für Nut­zungs­er­satz­an­sprü­che außer Betracht. Man­gels abwei­chen­der Anhalts­punk­te ist davon aus­zu­ge­hen, dass der Ver­si­che­rer die­sen Prä­mi­en­an­teil nicht zur Kapi­tal­an­la­ge nut­zen konn­te 4.

Hin­sicht­lich des Ver­wal­tungs­kos­ten­an­teils der Prä­mi­en kann nicht ver­mu­tet wer­den, dass der Ver­si­che­rer Nut­zungs­zin­sen in bestimm­ter Höhe erzielt hat. Inso­weit liegt die Dar­le­gungs- und Beweis­last beim Ver­si­che­rungs­neh­mer, dem ein ent­spre­chen­der Tat­sa­chen­vor­trag obliegt, der nicht ohne Bezug zur Ertrags­la­ge des jewei­li­gen Ver­si­che­rers auf eine tat­säch­li­che Ver­mu­tung einer Gewinn­erzie­lung in bestimm­ter Höhe etwa in Höhe der hier vom Ver­si­che­rungs­neh­mer ver­lang­ten Zin­sen von 7% gestützt wer­den kann 5. Es kann auch nicht ver­mu­tet wer­den, dass ein Ver­si­che­rer Nut­zun­gen in Höhe des gesetz­li­chen Ver­zugs­zin­ses gezo­gen hat 6.

Aller­dings kann dem Ver­si­che­rungs­neh­mer der Über­schuss, den der Ver­si­che­rer erzielt hat, nciht des­halb vor­ent­hal­ten wer­den, weil er gerin­ger ist als die Sum­me aus den von dem Ver­si­che­rer nach sei­nem Vor­brin­gen auf­ge­wen­de­ten Abschluss- und Ver­wal­tungs­kos­ten. Es ist wider­sprüch­lich, den ent­spre­chen­den Teil der Prä­mi­en nicht in die Berech­nung der Nut­zun­gen ein­zu­be­zie­hen, ihn aber auch noch von den als tat­säch­lich erzielt errech­ne­ten Nut­zun­gen abzu­zie­hen. Zudem kommt eine Sal­die­rung des­halb nicht in Betracht, weil die ein­zel­nen Prä­mi­en­be­stand­tei­le hin­sicht­lich der Nut­zun­gen geson­dert zu betrach­ten sind. Im Übri­gen besteht die Ver­pflich­tung zur Her­aus­ga­be von Nut­zun­gen nicht nur inso­weit, als bei dem Ver­si­che­rer auf­grund der Rück­ab­wick­lung ins­ge­samt Vor­tei­le ver­blei­ben. Ent­schei­dend ist, ob der Ver­si­che­rer die Nut­zun­gen tat­säch­lich gezo­gen hat.

Wei­te­re her­aus­zu­ge­ben­de Nut­zun­gen erge­ben sich nicht aus mög­li­cher­wei­se bei Anschaf­fung der Fonds­an­tei­le an den Ver­si­che­rer geflos­se­nen Rück­ver­gü­tun­gen. Dabei han­delt es sich, wie das Beru­fungs­ge­richt rechts­feh­ler­frei aus­ge­führt hat, um sons­ti­ge, außer­halb des Port­fo­li­os geflos­se­ne Ein­nah­men des Ver­si­che­rers, nicht um vom Ver­si­che­rungs­neh­mer gezahl­te Prä­mi­en­be­stand­tei­le, die der Ver­si­che­rer zurück­zu­ge­wäh­ren hat und aus denen er Nut­zun­gen gezo­gen haben kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Juni 2017 – IV ZR 176/​15

  1. BGH, Urtei­le vom 25.01.2017 aaO Rn. 28; vom 11.11.2015 – IV ZR 513/​14, VersR 2016, 33 Rn. 41; jeweils m.w.N.[]
  2. BGH, Urtei­le vom 25.01.2017 aaO; vom 11.11.2015 aaO Rn. 41 ff.[]
  3. BGH, Urtei­le vom 25.01.2017 aaO; vom 11.11.2015 aaO Rn. 42[]
  4. BGH, Urtei­le vom 25.01.2017 aaO; vom 11.11.2015 aaO Rn. 44 f.[]
  5. BGH, Urtei­le vom 25.01.2017 aaO; vom 11.11.2015 aaO Rn. 46 ff.[]
  6. BGH, Urtei­le vom 25.01.2017 aaO; vom 11.11.2015 aaO Rn. 49[]