Scha­dens­fäl­le mit Hund

Der Hund gilt als bes­ter Freund des Men­schen – und den­noch ist der Mensch nicht immer in der Lage, jede Reak­ti­on des Tie­res vor­her­zu­se­hen und Schä­den zu ver­mei­den:

Scha­dens­fäl­le mit Hund

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm 1 bei einem frem­den Hun­de­füh­rer die gesetz­lich gere­gel­te Tier­hal­ter­haf­tung im Fall einer Per­so­nen­ver­let­zung durch das Tier zwar ver­neint, aber eine Ver­let­zung der Auf­sichts­pflicht ange­nom­men. So sind Hun­de gem. § 2 Abs. 1 LHundG NRW so zu beauf­sich­ti­gen, dass von ihnen kei­ne Gefahr für Leben und Gesund­heit von Men­schen aus­geht. In die­sem Fall sind gleich­zei­tig 3 Hun­de aus­ge­führt wor­den. Ein Hund konn­te eine Per­son ansprin­gen und ver­let­zen. Da die Hun­de­aus­füh­re­rin den Hund zwar an der Lei­ne hielt, aber nicht so unter Kon­trol­le hat­te, dass er sich nicht von sich aus, also in Ver­wirk­li­chung der Tier­ge­fahr, eine Pas­san­tin ansprin­gen und ver­let­zen konn­te, hat die Hun­de­aus­füh­re­rin ihre Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht ver­letzt. Dar­über­hin­aus hat­te der Eigen­tü­mer und Hal­ter des Hun­des kei­ne Haft­pflicht­ver­si­che­rung für Schä­den durch den Hund abge­schlos­sen. Er ist von der ver­letz­ten Per­son in einem geson­der­ten Rechts­streit auf Scha­dens­er­satz in Anspruch genom­men wor­den.

Anders im Fall eines Schä­fer­hun­des, der wäh­rend einer stür­mi­schen Begrü­ßung einem Rent­ner eine Zahn­brü­cke aus­ge­schla­gen hat. Hier hat sich die bestehen­de Haft­pflicht­ver­si­che­rung der Hun­de­hal­te­rin gegen die dem Rent­ner zuge­spro­che­ne Scha­dens­er­satz­zah­lung vor dem Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen gewehrt. Im Rah­men eines Ver­gleichs sind dem Rent­ner statt der ver­lang­ten 5500 Euro rund 3200 Euro zuge­spro­chen wor­den.

Nach einem Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs 2 ist die Tier­hal­ter­haf­tung nicht aus­ge­schlos­sen, wenn in einer gewerb­li­chen Hun­de­pen­si­on die Betrei­be­rin der Pen­si­on von einem betreu­ten Hund gebis­sen wird.

Fazit: Wer einen Hund hält, muss stän­dig damit rech­nen, für das Scha­den ver­ur­sa­chen­de Ver­hal­ten des Tie­res haf­ten zu müs­sen. Um dadurch nicht in finan­zi­el­le Schwie­rig­kei­ten zu gera­ten, ist es daher durch­aus sinn­voll, eine Hun­de­haft­pflicht­ver­si­che­rung abzu­schlie­ßen.

Hun­de­haft­pflicht

Eine bun­des­ein­heit­li­che Rege­lung zu die­ser Ver­si­che­rung gibt es nicht, denn Hun­de­recht ist Lan­des­recht. So exis­tie­ren nicht in allen Lan­des­hun­de­ge­set­zen Bestim­mun­gen zur Hun­de­haft­pflicht. Der­zeit besteht in fol­gen­den Bun­des­län­dern eine Ver­pflich­tung zum Abschluss einer Hun­de­haft­pflicht­ver­si­che­rung:

Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen

Unab­hä­nig davon, ob der Abschluss einer Hun­de­haft­pflicht­ver­si­che­rung für den eige­nen Hund gesetz­lich vor­ge­schrie­ben ist oder frei­wil­lig beab­sich­tigt ist, kann die Wahl der rich­ti­gen Ver­si­che­rung schwie­rig sein. Eine Viel­zahl von Anbie­tern lockt mit unter­schied­li­chen Prei­sen und diver­sen unüber­schau­ba­ren Leis­tun­gen. Dadurch wird beson­ders der Ver­gleich des Preis-Leis­tungs­ver­hält­nis­ses erschwert oder sogar unmög­lich gemacht. Gene­rell soll­te die Ver­si­che­rung ganz indi­vi­du­ell bei den Leis­tun­gen auf den jewei­li­gen Hund und sei­nen Hal­ter abge­stimmt sein:

  • Bewohnt der Hun­de­hal­ter eine Miet­woh­nung, soll­ten Mietsach­schä­den durch die Hun­de­haft­pflicht mit­ab­ge­deckt sein.
  • Reist der Hun­de­hal­ter viel, ist beim Abschluss der Ver­si­che­rung dar­auf zu ach­ten, dass ent­we­der der Ver­si­che­rungs­schutz bei einem Aus­lands­auf­ent­halt des Tie­res auch besteht, oder die Haft­pflicht auch bei "Dog­sit­tern" gilt.
  • Vom indi­vi­du­el­len Tier kön­nen eben­falls eini­ge Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen abhän­gen:
    • Bei einem Rüden kann z.B. ein unge­woll­ter Deck­akt mit­ver­si­chert wer­den. Damit sol­len die Kos­ten für den Tier­arzt, die Wel­pen und die Auf­zucht abge­deckt wer­den.
    • Han­delt es sich um eine Hün­din, besteht die Mög­lich­keit, dass ihre Wel­pen für einen begrenz­ten Zeit­raum (meist 1 Jahr) kos­ten­los mit­ver­si­chert wer­den.

Ver­si­che­rungs­sum­me

Ganz all­ge­mein soll­te eine Hun­de­haft­pflicht­ver­si­che­rung für alle denk­ba­ren Scha­dens­fäl­le auf­kom­men. Wie hoch die dafür erfor­der­li­che Ver­si­che­rungs­sum­me sein soll­te, muss jeder Hun­de­hal­ter selbst ent­schei­den. Tritt der Scha­dens­fall ein, ist beson­ders bei einem Per­so­nen­scha­den schnell von enorm hohen Sum­men die Rede. Meist begin­nen die Ver­si­che­rungs­sum­men bei 1 Mio Euro. Da aber die Tari­fe nicht pro­por­tio­nal zur Ver­si­che­rungs­sum­me stei­gen, ist es sinn­voll, die Ver­si­che­rungs­sum­me nicht beim Mini­mum zu belas­sen, son­dern aus­rei­chend zu erhö­hen.

Leis­tungs­aus­schluss

Ent­ste­hen dem Hun­de­hal­ter selbst Schä­den, wer­den die­se gene­rell nicht von der Hun­de­haft­pflicht­ver­si­che­rung abge­deckt. Von der Ver­si­che­rung wer­den ledig­lich Schä­den Drit­ter gezahlt. Einen Eigen­scha­den hat der Hun­de­hal­ter selbst zu regeln.

  1. OLG Hamm, Urteil vom 03.02.2015 – 9 U 91/​14[]
  2. BGH, Urteil vom 25.03.2014 – VI ZR 372/​13[]