Streit­wert einer Kla­ge auf Leis­tung aus einer Berufs­un­fä­hig­keits-Zusatz­ver­si­che­rung

Wird eine Kla­ge auf Leis­tung aus einer Berufs­un­fä­hig­keits-Zusatz­ver­si­che­rung mit einem Fest­stel­lungs­an­trag auf Fort­be­stehen des Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges kom­bi­niert, so fin­det bei der Ermitt­lung von Streit­wert und Beschwer eine ein­ge­schränk­te Wert­ad­di­ti­on statt. Inso­weit ist für den Fest­stel­lungs­an­trag ein Betrag von 20% der 3,5‑fachen Jah­res­be­trä­ge von Ren­ten­leis­tung und Ver­si­che­rungs­prä­mie zusätz­lich zu berück­sich­ti­gen (Auf­ga­be der bis­he­ri­gen Senats­recht­spre­chung).

Streit­wert einer Kla­ge auf Leis­tung aus einer Berufs­un­fä­hig­keits-Zusatz­ver­si­che­rung

Begehrt der Ver­si­che­rungs­neh­mer einer Berufs­un­fä­hig­keits­Zu­satz­ver­si­che­rung die Fest­stel­lung, dass der Ver­si­che­rungs­ver­trag trotz einer Anfech­tung des Ver­si­che­rers wegen arg­lis­ti­ger Täu­schung fort­be­stehe, kon­kre­ti­siert sich sei­ne Beschwer in der Ren­ten­leis­tungs­ver­pflich­tung und der Pflicht zur Bei­trags­frei­stel­lung 1. Dabei ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs von den 3,5fachen Jah­res­be­trä­gen der begehr­ten monat­li­chen Ren­ten­leis­tung und der monat­li­chen Prä­mie (§§ 3, 9 ZPO) ein Abschlag von 50% vor­zu­neh­men, wenn der Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­fal­les, mit­hin der Berufs­un­fä­hig­keit im Sin­ne der ver­ein­bar­ten Bedin­gun­gen, noch unge­klärt ist, wäh­rend sich bei bereits geklär­ter Berufs­un­fä­hig­keit der Fest­stel­lungs­ab­schlag auf 20% beläuft 2.

Wird aller­dings neben der Fest­stel­lungs­kla­ge auch eine Leis­tungs­kla­ge rechts­hän­gig gemacht, mit der der Ver­si­che­rungs­neh­mer Zah­lun­gen auf­grund eines behaup­te­ten Ver­si­che­rungs­fal­les begehrt, ist für die Wert­ad­di­ti­on gemäß §§ 5 ZPO, 39 GKG zu berück­sich­ti­gen, dass eine wirt­schaft­li­che Tei­lI­den­ti­tät bei­der Klag­an­trä­ge gege­ben ist, die eine Zusam­men­rech­nung inso­weit ver­bie­tet. Denn das Bestehen eines wirk­sa­men, durch die Anfech­tung des Ver­si­che­rers nicht berühr­ten Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis­ses ist zugleich not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung für den gel­tend gemach­ten Anspruch auf Ver­si­che­rungs­leis­tung. Ein über den Leis­tungs­an­trag hin­aus­ge­hen­des wirt­schaft­li­ches Inter­es­se an der begehr­ten Fest­stel­lung kann des­halb nur im Hin­blick auf künf­ti­ge wei­te­re Ver­si­che­rungs­fäl­le gege­ben sein. Die­sen über­schie­ßen­den und für die Wert­ad­di­ti­on allein maß­geb­li­chen Teil des Fest­stel­lungs­be­geh­rens bewer­tet der Bun­des­ge­richts­hof mit jeweils 20% der 3,5fachen Jah­res­be­trä­ge der begehr­ten monat­li­chen Ren­ten­leis­tung und der monat­li­chen Prä­mie 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. Okto­ber 2011 – IV ZR 183/​10

  1. BGH, Beschluss vom 17.05.2000 IV ZR 294/​99, VersR 2001, 600 f.[]
  2. BGH, Urteil vom 13.12.2000 IV ZR 279/​99, VersR 2001, 601 unter 2 b m.w.N.[]
  3. Auf­ga­be der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung; anders noch BGH, Beschluss vom 01.12.2004 – IV ZR 150/​04, VersR 2005, 959, 960[]