Tei­lungs­ab­kom­men zwi­schen Haft­pflicht­ver­si­che­rung und gesetz­li­cher Unfall­ver­si­che­rung

Wenn in einem zwi­schen einem Haft­pflicht­ver­si­che­rer und einem Trä­ger der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung geschlos­se­nen Tei­lungs­ab­kom­men auf die „Prü­fung des Rechts­über­gangs“ bzw. den Ein­wand der man­geln­den Über­gangs­fä­hig­keit ver­zich­tet wird, erstreckt sich die­ser Ver­zicht grund­sätz­lich auf das Feh­len der für den Regress vor­aus­ge­setz­ten Kon­gru­enz zwi­schen ein­zel­nen Scha­dens­po­si­tio­nen und den Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen sowie auf das Ein­grei­fen des Fami­li­en­pri­vi­legs. Von der Prü­fung des Über­gangs des zivil­recht­li­chen Scha­dens­er­satz­an­spruchs ist die Prü­fung der Haf­tungs­fra­ge zu tren­nen.

Tei­lungs­ab­kom­men zwi­schen Haft­pflicht­ver­si­che­rung und gesetz­li­cher Unfall­ver­si­che­rung

Der im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall im Tei­lungs­ab­kom­men gere­gel­te Ein­wand der man­geln­den zivil­recht­li­chen Über­gangs­fä­hig­keit betrifft weder die Haf­tungs­fra­ge noch die Deckungs­fra­ge, son­dern die Fra­ge, ob der Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger gemäß § 116 SGB X zur Gel­tend­ma­chung des Anspruchs des Geschä­dig­ten berech­tigt sei. Zu prü­fen ist des­halb nur, ob der Anspruch, wenn er bestün­de, gemäß § 116 SGB X auf den Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger über­ge­gan­gen wäre [1]. Der Begriff der „zivil­recht­li­chen Über­gangs­fä­hig­keit“ wird im Scha­dens­er­satz­recht ein­heit­lich so ver­stan­den, dass der Leis­tung des Sozi­al­ver­si­che­rers ein auch sach­lich kon­gru­en­ter Anspruch des Geschä­dig­ten gegen­über­ste­hen muss [2]. Wenn in einem Tei­lungs­ab­kom­men – wie dies häu­fig bis zu einer bestimm­ten Wert­gren­ze geschieht – auf die „Prü­fung des Rechts­über­gangs“ bzw. den Ein­wand der man­geln­den Über­gangs­fä­hig­keit ver­zich­tet wird, erstreckt sich die­ser Ver­zicht grund­sätz­lich auf das Feh­len der für den Regress vor­aus­ge­setz­ten Kon­gru­enz zwi­schen ein­zel­nen Scha­dens­po­si­tio­nen und den Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen sowie auf das Ein­grei­fen des Fami­li­en­pri­vi­legs [3]. Von der Prü­fung des Über­gangs des zivil­recht­li­chen Scha­dens­er­satz­an­spruchs ist die Prü­fung der Haf­tungs­fra­ge zu tren­nen, wor­auf in dem Tei­lungs­ab­kom­men aus­drück­lich und ohne Ein­schrän­kung ver­zich­tet wur­de.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Sep­tem­ber 2011 – VI ZR 337/​10

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 06.12.1977 – VI ZR 79/​76, VersR 1978, 150, 153 und vom 08.02.1983 – VI ZR 48/​81, VersR 1983, 534, 535; BGH, Urtei­le vom 02.06.1966 – II ZR 45/​64, VersR 1966, 817, 818 und vom 11.01.1989 – IVa ZR 285/​87, r+s 1989, 86[]
  2. vgl. Küp­pers­busch, Ersatz­an­sprü­che bei Per­so­nen­scha­den, 10. Aufl.2010, Rn. 597 ff., mwN; Jahn­ke, Der Ver­dienst­aus­fall im Scha­dens­er­satz­recht, Kap. 1, Rn. 78 f.[]
  3. vgl. Geigel/​Plagemann, Der Haft­pflicht­pro­zess, 26. Aufl., 30. Kap. Rn. 100[]