Ver­jäh­rung von Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen gegen eng­li­schen Lebens­ver­si­che­rer

Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te sich aktu­ell mit der Ver­jäh­rung von Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen wegen unzu­rei­chen­der Auf­klä­rung im Zusam­men­hang mit dem Abschluss einer eng­li­schen Lebens­ver­si­che­rung zu befas­sen. Anlass hier­zu bot die "Invest­ment-Lebens­ver­si­che­rung" eines bri­ti­schen Lebens­ve­si­che­rungs­un­ter­neh­mens:

Ver­jäh­rung von Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen gegen eng­li­schen Lebens­ver­si­che­rer

Der Aner­ken­nung eines gericht­lich geneh­mig­ten Ver­gleichs­plans nach eng­li­schem Gesell­schafts­recht ("Sche­me of Arran­ge­ment"), der eine Lebens­ver­si­che­rung betrifft, ste­hen jeden­falls die Vor­schrif­ten über die Zustän­dig­keit in Ver­si­che­rungs­sa­chen gemäß Artt. 8, 12 Abs. 1, 35 EuGV­VO ent­ge­gen. Die Ver­jäh­rung eines auf das nega­ti­ve Inter­es­se gerich­te­ten Scha­dens­er­satz­an­spruchs aus vor­ver­trag­li­chem Ver­schul­den rich­tet sich nicht nach § 12 Abs. 1 VVG a.F., son­dern nach den §§ 195, 199 BGB 1.

Der Klä­ger schloss zu Beginn des Jah­res 1999 bei dem beklag­ten eng­li­schen Lebens­ver­si­che­rer eine "Invest­ment-Lebens­ver­si­che­rung" ab, nach­dem die­ser mit jähr­li­chen Über­schüs­sen deut­lich über denen sei­ner deut­schen Mit­be­wer­ber gewor­ben hat­te. Seit 2003 sta­gniert der Ver­trags­wert. Bei der Beklag­ten war es zu Pro­ble­men mit der finan­zi­el­len Belas­tung aus den Ansprü­chen bri­ti­scher Bestands­kun­den gekom­men, die 2002 in der Geneh­mi­gung eines Ver­gleichs­plans nach eng­li­schem Gesell­schafts­recht ("Sche­me of Arran­ge­ment") durch das dort zustän­di­ge Gericht mün­de­ten. Die­ser führ­te zur Abfin­dung ein­zel­ner Ansprü­che der Ver­si­che­rungs­neh­mer gegen ein­ma­li­ge Erhö­hung des Ver­si­che­rungs­wer­tes.

Der Klä­ger hat gel­tend gemacht, dass er über die aus sei­ner Sicht nicht ord­nungs­ge­mä­ße Geschäfts­po­li­tik der Beklag­ten u.a. durch über­höh­te Zutei­lung von Über­schüs­sen, unzu­rei­chen­de Bil­dung von Deckungs­ka­pi­tal und Ver­wen­dung ver­al­te­ter Ster­be­ta­feln nicht auf­ge­klärt wor­den sei und den Ver­trag bei zutref­fen­der Infor­ma­ti­on nicht abge­schlos­sen hät­te. Die Beklag­te hat sich auf die Sperr­wir­kung ihres eng­li­schen Ver­gleichs­plans, die Ver­jäh­rung der gel­tend gemach­ten Ansprü­che und das Feh­len von Auf­klä­rungs­pflich­ten beru­fen. Die­se Kla­ge hat­te in der Vor­in­stanz das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le wegen Ver­jäh­rung abge­wie­sen 2.

Der Bun­des­ge­richts­hof sprang dage­gen nun dem Ver­si­che­rungs­neh­mer bei:

Der Bun­des­ge­richts­hof ent­schied zunächst, dass der Aner­ken­nung eines gericht­lich geneh­mig­ten Ver­gleichs­plans nach eng­li­schem Gesell­schafts­recht ("Sche­me of Arran­ge­ment"), der eine Lebens­ver­si­che­rung betrifft, jeden­falls die Vor­schrif­ten über die Zustän­dig­keit in Ver­si­che­rungs­sa­chen gemäß Art. 8, 12 Abs. 1, 35 EuGV­VO ent­ge­gen­ste­hen. Mit­hin hin­dert der Ver­gleichs­plan Ver­si­che­rungs­neh­mer in Deutsch­land nicht, Ansprü­che gel­tend zu machen.

Wei­ter­hin hat der Bun­des­ge­richts­hof sei­ne Recht­spre­chung bestä­tigt, wonach für die Ver­jäh­rung des Scha­dens­er­satz­an­spruchs aus vor­ver­trag­li­chem Ver­schul­den, mit dem der Ver­si­che­rungs­neh­mer so gestellt wer­den will, wie wenn er den Ver­trag nicht geschlos­sen hät­te, nicht § 12 Abs. 1 VVG a.F. 3 ein­schlä­gig ist, son­dern die all­ge­mei­nen Bestim­mun­gen der §§ 195, 199 BGB gel­ten. Danach sind nur eini­ge der vom Klä­ger gel­tend gemach­ten Scha­dens­er­satz­an­sprü­che ver­jährt.

Die Sache wur­de zur erneu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Beru­fungs­ge­richt, das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, zurück­ver­wie­sen, das noch Fest­stel­lun­gen zu den nicht ver­jähr­ten Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen zu tref­fen hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Febru­ar 2012 – IV ZR 194/​09

  1. Bestä­ti­gung von BGH, Beschluss vom 16.12.2009 – IV ZR 195/​08, VersR 2010, 373[]
  2. OLG Cel­le, Urteil vom 08.09.2009 – 8 U 46/​09[]
  3. § 12 Abs. 1 VVG a.F.: Ansprü­che aus dem Ver­si­che­rungs­ver­trag ver­jäh­ren in zwei Jah­ren, bei der Lebens­ver­si­che­rung in fünf Jah­ren. Die Ver­jäh­rung beginnt mit dem Schluss des Jah­res, in wel­chem die Leis­tung ver­langt wer­den kann.[]