Ver­si­che­rung eines Schnee­ball­sys­tems

Ist in einer Trans­port­ver­si­che­rung für ein Wert­trans­port­un­ter­neh­men ent­spre­chend der Aus­le­gung des Ver­tra­ges nur von einer Ver­si­che­rung von Bar­geld und nicht von Buch­geld aus­zu­ge­hen, so kommt ein Ver­si­che­rungs­fall in der Form eines stoff­li­chen Zugriffs auf das Bar­geld in Betracht, wenn das Geld­trans­port­un­ter­neh­men ent­ge­gen einer aus­drück­li­chen ver­trag­li­chen Rege­lung mit sei­nem Kun­den, die eine Direkt­ein­zah­lung des gesam­mel­ten und gezähl­ten Gel­des im Wege des sog. Nicht­Kon­to­ver­fah­rens vor­sieht und die Abwick­lung über ein vom Wert­trans­port­un­ter­neh­men ein­ge­rich­te­tes Treu­hand­kon­to nicht gestat­tet, das Geld zunächst auf ein eige­nes Kon­to bei der Bun­des­bank ein­zahlt.

Ver­si­che­rung eines Schnee­ball­sys­tems

Der Ver­si­che­rer ist berech­tigt, einen Ver­trag über eine Trans­port­ver­si­che­rung wegen arg­lis­ti­ger Täu­schung anzu­fech­ten, wenn das Wert­trans­port­un­ter­neh­men anläss­lich des Neu­ab­schlus­ses eines Ver­tra­ges kei­ne Anga­ben zu dem seit Jah­ren betrie­be­nen Schnee­ball­sys­tem und der ent­stan­de­nen Liqui­di­täts­lü­cke macht. Die­se Anfech­tung wegen arg­lis­ti­ger Täu­schung kann grund­sätz­lich auch den Kun­den des Wert­trans­port­un­ter­neh­mens ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, soweit ver­trag­lich nicht aus­drück­lich ver­ein­bart ist, dass das Anfech­tungs­recht des Ver­si­che­rers gegen­über dem Ver­si­che­rungs­neh­mer dem Ver­si­cher­ten (Kun­den) nicht ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den kann 1.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Urteil vom 26. März 2009 – 8 U 170/​08

  1. Bestä­ti­gung der Urtei­le des OLG Cel­le u. a. vom 19.09.2008 – 8 U 11/​08 – (VersR 2008, 1532) und vom 29.01.2009 – 8 U 41/​08[]