Wenn der Gas­bren­ner nicht nur Unkraut ver­nich­tet

Bei Wind­stär­ke 5 mit einem Gas­bren­ner Unkraut abzu­flam­men, ist grob fahr­läs­sig.

Wenn der Gas­bren­ner nicht nur Unkraut ver­nich­tet

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge­ab­wei­sung des Land­ge­richts bestä­tigt und damit die Kür­zung des Gebäu­de­ver­si­che­rers um 30 % der Leis­tung für einen Feu­er­scha­den als rich­tig ange­se­hen. Der Klä­ger aus Ham­büh­ren, der für sein Wohn­ge­bäu­de eine Ver­si­che­rung u. a. gegen Feu­er­schä­den unter­hielt, woll­te im Som­mer 2015 auf einer gepflas­ter­ten Flä­che vor sei­nem Grund­stück Rei­ni­gungs­ar­bei­ten durch­füh­ren. Er hat­te sei­nen Aus­zu­bil­den­den ange­wie­sen, ihm vor­aus­zu­ge­hen und das in den Pflas­ter­fu­gen vor­han­de­ne Unkraut mit einem Bren­ner durch Abflam­men zu ver­nich­ten. Der Klä­ger folg­te dem Aus­zu­bil­den­den und bear­bei­te­te das Pflas­ter mit einem Hoch­druck­rei­ni­ger nach. Zwi­schen der gepflas­ter­ten Flä­che und dem Grund­stück des Klä­gers befand sich eine Lebens­baum­he­cke. Die­se ging noch wäh­rend der Unkraut­be­sei­ti­gung in Flam­men auf. Das Feu­er griff auf das Gebäu­de über und ver­ur­sach­te einen Scha­den von etwa € 150.000. Die am Scha­den­tag herr­schen­den Wet­ter­be­din­gun­gen waren zwi­schen dem Klä­ger und dem Ver­si­che­rer strei­tig. Unstrei­tig herrsch­ten aber Wind­stär­ken von 5 Beau­fort („fri­scher Wind“).

Der Gebäu­de­ver­si­che­rer erkann­te zwar den Ver­si­che­rungs­fall und sei­ne Leis­tungs­pflicht für den ent­stan­de­nen Gebäu­de­scha­den an, kürz­te die Ent­schä­di­gungs­leis­tung aber um 30 %, weil der Klä­ger grob fahr­läs­sig gehan­delt habe. Dage­gen wand­te sich der Klä­ger und ver­lang­te vor dem Land­ge­richt Lüne­burg auch den Dif­fe­renz­be­trag von dem Gebäu­de­ver­si­che­rer.

Das Land­ge­richt wies die Kla­ge ab und bestä­tig­te die Ansicht des Gebäu­de­ver­si­che­rers, dass der Klä­ger den Feu­er­scha­den grob fahr­läs­sig her­bei­ge­führt habe. Gro­be Fahr­läs­sig­keit liegt vor, wenn die im Ver­kehr erfor­der­li­che Sorg­falt in beson­ders schwe­rem Maße ver­letzt wird, indem schon ein­fachs­te, ganz nahe­lie­gen­de Über­le­gun­gen nicht ange­stellt wer­den und das nicht beach­tet wird, was im vor­lie­gen­den Fall jedem hät­te ein­leuch­ten müs­sen. Nach Ansicht des Land­ge­richts habe dem Klä­ger die Gefahr von Fun­ken­flug im Zusam­men­hang mit der durch­ge­führ­ten Unkraut­be­sei­ti­gung unter den gege­be­nen Umstän­den ein­leuch­ten müs­sen. Gegen die Ent­schei­dung des Land­ge­richts hat sich der Klä­ger mit der Beru­fung gewehrt.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le aus­ge­führt, dass es für die Streit­ent­schei­dung unbe­acht­lich sei, dass nicht der Klä­ger selbst, son­dern des­sen Aus­zu­bil­den­der das Abflamm­ge­rät bedien­te. Das eige­ne Ver­hal­ten des Klä­gers sei als grob fahr­läs­sig zu bewer­ten. Des­halb habe der beklag­te Ver­si­che­rer die Leis­tun­gen aus der Gebäu­de­feu­er­ver­si­che­rung mit Recht um 30 % gekürzt. Nach Mei­nung des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le sei sogar ein Abzug von etwa 40 % gerecht­fer­tigt gewe­sen und ver­wies dazu auf Ent­schei­dun­gen ande­rer Ober­lan­des­ge­rich­te 1.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 9. Novem­ber 2018 – 8 U 203/​17

  1. OLG Hamm, Urteil vom 10.12. 2010 – 20 U 73/​10; u.a.[]