Wider­ruf einer im Poli­cen­mo­dell geschlos­se­nen Lebens­ver­si­che­rung – und die Abschluss- und Ver­wal­tungs­kos­ten

Hat der Ver­si­che­rung nach erfolg­tem Wider­ruf sei­tens des Ver­si­che­rungs­neh­mers die Prä­mi­en zurück zu gewäh­ren, erfolgt kei­ne Sal­die­rung die­ses Prä­mi­en­rück­zah­lungs­an­spruchs mit sei­nen Abschluss- und Ver­wal­tungs­kos­ten 1.

Wider­ruf einer im Poli­cen­mo­dell geschlos­se­nen Lebens­ver­si­che­rung – und die Abschluss- und Ver­wal­tungs­kos­ten

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann sich der Ver­si­che­rer gegen­über dem Prä­mi­en­rück­zah­lungs­an­spruch hin­sicht­lich der Abschluss- und Ver­wal­tungs­kos­ten nicht gemäß § 818 Abs. 3 BGB auf den Weg­fall der Berei­che­rung beru­fen 2. Die Ver­wal­tungs­kos­ten sind bereits des­halb nicht berei­che­rungs­min­dernd zu berück­sich­ti­gen, weil sie nicht adäquat­kau­sal durch die Prä­mi­en­zah­lun­gen ent­stan­den sind und weil der Ver­si­che­rer auf die­se Wei­se den Ein­satz sons­ti­ger Finanz­mit­tel erspart hat.

Hin­sicht­lich der Abschluss­kos­ten hat der Ver­si­che­rer unter Berück­sich­ti­gung des euro­pa­recht­li­chen Effek­ti­vi­täts­ge­bots das Ent­rei­che­rungs­ri­si­ko zu tra­gen 3. Die­se Erwä­gun­gen ste­hen auch einer Anrech­nung der Abschluss- und Ver­wal­tungs­kos­ten auf gezo­ge­ne Nut­zun­gen ent­ge­gen.

Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits mit Urteil vom 21.06.2017 4 ent­schie­den hat, ist es wider­sprüch­lich, den ent­spre­chen­den Teil der Prä­mi­en nicht in die Berech­nung der Nut­zun­gen ein­zu­be­zie­hen, ihn aber auch noch von den als tat­säch­lich erzielt errech­ne­ten Nut­zun­gen abzu­zie­hen.

Im Übri­gen besteht die Ver­pflich­tung zur Her­aus­ga­be von Nut­zun­gen nicht nur inso­weit, als bei dem Ver­si­che­rer auf­grund der Rück­ab­wick­lung ins­ge­samt Vor­tei­le ver­blei­ben. Ent­schei­dend ist, ob der Ver­si­che­rer die Nut­zun­gen tat­säch­lich gezo­gen hat.

Auch die Pro­vi­si­on, wel­che die Ver­si­che­rungs­ver­mitt­le­rin für die Ver­mitt­lung des Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges erhal­ten hat, ist nicht von der For­de­rung der Ver­si­che­rungs­neh­me­rin abzu­zie­hen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. Novem­ber 2019 – IV ZR 324/​16

  1. a.A.: KG r+s 2015, 179, 183; Bram­bach, r+s 2017, 1, 3; Schmitz-Elve­nich, VersR 2017, 266, 270[]
  2. BGH, Urtei­le vom 29.07.2015 – IV ZR 384/​14, VersR 2015, 1101 Rn. 41 ff.; – IV ZR 448/​14 VersR 2015, 1104 Rn. 46 ff.[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 29.07.2015 – IV ZR 384/​14 aaO Rn. 42 f.; – IV ZR 448/​14 aaO Rn. 47 f.; jeweils m.w.N.[]
  4. BGH, Urteil vom 21.06.2017 – IV ZR 176/​15, r+s 2017, 406 Rn. 26[]