Wider­spruchs­be­leh­rung – und der Hin­weis auf die ein­zu­hal­ten­de Form

Die Wider­spruchs­be­leh­rung nach § 5a VVG a.F. muss einen Hin­weis auf die ein­zu­hal­ten­de Form (hier: Schrift­lich­keit) ent­hal­ten. Ein blo­ßer Hin­weis dar­auf, dass der Wider­spruch abzu­sen­den ist, genügt nicht.

Wider­spruchs­be­leh­rung – und der Hin­weis auf die ein­zu­hal­ten­de Form

Im hier ent­schie­de­nen Fall fand sich als letz­ter Absatz des Ver­si­che­rungs­scheins fol­gen­de Beleh­rung in Fett­druck: "Dem Abschluss die­ses Ver­tra­ges kön­nen Sie inner­halb von 14 Tagen ab Zugang die­ser Unter­la­gen wider­spre­chen. Zur Wah­rung der Frist genügt die recht­zei­ti­ge Absen­dung des Wider­spruchs." Dies reich­te dem Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he nicht:

Die Ver­si­che­rung hat den Ver­si­che­rungs­neh­mer über sein Wider­spruchs­recht (§ 5 a Abs. 2 S. 1 VVG a. F.) nicht ord­nungs­ge­mäß belehrt. Die Wider­spruchs­be­leh­rung der Ver­si­che­rung ent­hält kei­nen Hin­weis auf die Not­wen­dig­keit eines schrift­li­chen Wider­spruchs 1 und ist damit nicht wirk­sam. § 5 a Abs. 1 S. 1 2. Hs VVG in der zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses gel­ten­den Fas­sung bestimm­te, dass "der Ver­trag auf Grund­la­ge des Ver­si­che­rungs­scheins, der Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen und der wei­te­ren für den Ver­trags­in­halt maß­geb­li­chen Ver­brau­cher­infor­ma­tio­nen als abge­schlos­sen [gilt], wenn der Ver­si­che­rungs­neh­mer nicht inner­halb von vier­zehn Tagen nach Über­las­sung der Unter­la­gen schrift­lich wider­spricht".

Der Hin­weis in der Wider­spruchs­be­leh­rung der Ver­si­che­rung auf "Absen­dung" ist nicht hin­rei­chend als Hin­weis auf das Erfor­der­nis der Schrift­lich­keit. Abge­sen­det wer­den zwar nach all­ge­mei­nem Sprach­ge­brauch kei­ne münd­li­chen Erklä­run­gen, abge­sen­det wer­den aber die zum Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses bereits gän­gi­gen E‑Mails und auch Tele­fa­xe, die dem Erfor­der­nis der Schrift­form gemäß § 126 Abs. 1 BGB a. F. nicht genü­gen.

Soweit die Ver­si­che­rung behaup­tet, sie habe mit der erfolg­ten Beleh­rung zuguns­ten des Ver­si­che­rungs­neh­mers auf einen Wider­spruch in Schrift­form ver­zich­tet, so führt dies nicht zur Wirk­sam­keit der Beleh­rung 2. Mit dem Hin­weis auf einen angeb­li­chen Ver­zicht des Ver­si­che­rers auf die gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen an den Wider­spruch zuguns­ten des Ver­si­che­rungs­neh­mers könn­te jeder Ver­stoß gegen Beleh­rungs­pflich­ten über Form und Inhalt des Wider­spruchs unter­lau­fen wer­den. Ein ech­ter Ver­zicht der Ver­si­che­rung hät­te jeden­falls aus­drück­lich erfol­gen müs­sen. Allein das Feh­len des Hin­wei­ses auf die Schrift­form ent­hält kei­nen aus­drück­li­chen und für jeder­mann ver­ständ­li­chen Ver­zicht. Nur bei einem aus­drück­li­chen Ver­zicht wäre sicher­ge­stellt gewe­sen, dass die Ver­si­che­rung auch in einem vor­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren sich auf das Feh­len des Form­erfor­der­nis­ses nicht beru­fen hät­te oder eine Über­prü­fung durch einen von einem Ver­si­che­rungs­neh­mer ein­ge­schal­te­ten Rechts­an­walt sicher zu dem Ergeb­nis geführt hät­te, dass auch ein – etwa per E‑Mail – ein­ge­leg­ter Wider­spruch wirk­sam gewe­sen wäre.

Das Feh­len einer ord­nungs­ge­mä­ßen Wider­spruchs­be­leh­rung hat­te zur Fol­ge, dass das Wider­spruchs­recht auch nach Ablauf der Jah­res­frist des § 5a Absatz 2 Satz 4 VVG a. F. und auch noch im Zeit­punkt der Wider­spruchs­er­klä­rung fort­be­stand. Nach der auf der Grund­la­ge der Vor­ab­ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on ergan­ge­nen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 3 ist § 5a Absatz 2 Satz 4 VVG a. F. richt­li­ni­en­kon­form dahin aus­zu­le­gen, dass die Vor­schrift im Anwen­dungs­be­reich der Zwei­ten und Drit­ten Richt­li­nie Lebens­ver­si­che­rung kei­ne Anwen­dung fin­det und das Wider­spruchs­recht daher in die­sen Fäl­len fort­be­steht.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 22. Mai 2015 – 12 U 122/​12 (14)

  1. BGH – IV ZR 58/​03, r+s 2004, 271, Tz 16; OLG Köln – 20 U 126/​11, BeckRS 2012, 05173[]
  2. a. A. Bran­den­bur­gi­sches OLG, Urteil vom 14.01.2015 – 11 U 112/​13; OLG Hamm – I- 20 U 8/​14[]
  3. BGH, Urteil vom 04.03.2015 – IV ZR 470/​14, BeckRS 2015, 05256; BGH NJW 2014, 2646[]