Wild­wech­sel – und der Ret­tungs­kos­ten­er­satz der Teil­kas­ko­ver­si­che­rung

Bei Kla­ge auf sog. Ret­tungs­kos­ten­er­satz wegen Wild­wech­sels gegen die Teil­kas­ko­ver­si­che­rung bedarf es der vol­len rich­ter­li­chen Über­zeu­gung im Sin­ne des § 286 BGB, dass der Unfall durch einen Wild­wech­sel ver­ur­sacht wor­den ist. Beweis­erleich­te­run­gen kom­men dem Klä­ger nicht zugu­te, die von der Recht­spre­chung ent­wi­ckel­ten Regeln der Über­zeu­gungs­bil­dung in den Fäl­len der Behaup­tung des Ver­si­che­rungs­falls "Dieb­stahl" sind auf den Ver­si­che­rungs­fall "ver­mie­de­ner Tier­scha­den" nicht über­trag­bar 1.

Wild­wech­sel – und der Ret­tungs­kos­ten­er­satz der Teil­kas­ko­ver­si­che­rung

§ 83 Abs. 1 VVG hat der Ver­si­che­rer Auf­wen­dun­gen des Ver­si­che­rungs­neh­mers nach § 82 Abs. 1 und 2 VVG, wel­cher die­ser zur Scha­dens­ab­wen­dung oder -min­de­rung tätigt, auch wenn sie erfolg­los geblie­ben sind, inso­weit zu erstat­ten, als der Ver­si­che­rungs­neh­mer sie den Umstän­den nach für gebo­ten hal­ten dürf­te. § 90 VVG erklärt die­se Vor­schrift für ent­spre­chend anwend­bar auch für sol­che Auf­wen­dun­gen, die zeit­lich vor dem Ein­tritt eines unmit­tel­bar bevor­ste­hen­den Ver­si­che­rungs­fal­les gemacht wur­den, um ihn abzu­wen­den oder in sei­nen Aus­wir­kun­gen zu min­dern.

Auf­wen­dung i. S. des § 83 Abs. 1 S. 1 VVG ist dabei jede auch unfrei­wil­li­ge Ver­mö­gens­min­de­rung, wel­che adäqua­te Fol­ge einer Maß­nah­me ist, die der Ver­si­che­rungs­neh­mer zur Scha­dens­ab­wehr oder Scha­dens­min­de­rung getrof­fen hat. Grund­sätz­lich kom­men hier­für auch – wie vor­lie­gend gel­tend gemacht – Ver­mö­gens­min­de­run­gen wegen der Beschä­di­gung von Sachen in Betracht 2. Hier­zu zäh­len nicht nur die Repa­ra­tur­kos­ten, son­dern auch die Auf­wen­dun­gen für die Anmie­tung eines Ersatz­fahr­zeu­ges sowie die außer­ge­richt­li­chen Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten.

Der Ver­si­che­rungs­neh­me­rin obliegt der vol­le Beweis für ihre Behaup­tung, ihr Fahr­zeug sei beschä­digt wor­den, weil die­se einer Kol­li­si­on mit einem Reh habe aus­wei­chen wol­len.

Beweis­erleich­te­run­gen kom­men der Klä­ge­rin nicht zugu­te. Ins­be­son­de­re sind die von der Recht­spre­chung ent­wi­ckel­ten Regeln der Über­zeu­gungs­bil­dung in den Fäl­len der Behaup­tung des Ver­si­che­rungs­fal­les "Dieb­stahl" auf den Ver­si­che­rungs­fall "ver­mie­de­ner Tier­scha­den" nicht über­trag­bar 2.

Die nach § 286 ZPO erfor­der­li­che Über­zeu­gung des Rich­ters von der Wahr­heit der behaup­te­ten Tat­sa­che erfor­dert kei­ne abso­lu­te oder unum­stöß­li­che Gewiss­heit von der Wahr­heit und auch kei­ne an Sicher­heit gren­zen­de Wahr­schein­lich­keit, aber einen für das prak­ti­sche Leben brauch­ba­ren Grad von Gewiss­heit, der Zwei­feln Schwei­gen gebie­tet 3. Blo­ße Wahr­schein­lich­kei­ten genü­gen nicht. Eine der­ar­ti­ge Über­zeu­gung von der Rich­tig­keit des behaup­te­ten Unfall­ge­sche­hens hat sich das Ober­lan­des­ge­richt im Ergeb­nis der Beweis­auf­nah­me nicht bil­den kön­nen.

Ober­lan­des­ge­richt Ros­tock, Urteil vom 27. Mai 2016 – 5 U 45/​14

  1. Anschluss an OLG Saar­brü­cken, Urteil vom 26.01.2011 – 5 U 356/​10[]
  2. vgl. OLG Saar­brü­cken, Urteil vom 26.01.2011 – 5 U 356/​10[][]
  3. BGH, Urteil vom 17.02.1970 – III ZR 139/​67 []