Ver­sie­ge­lung von (Sport-)Wettbüros

Das Nie­der­säch­si­sche Innen­mi­nis­te­ri­um kann als Glücks­spiel­auf­sichts­be­hör­de zur Bekämp­fung ille­ga­len Glücks­spiels Unter­sa­gungs­ver­fü­gun­gen im Wege unmit­tel­ba­ren Zwan­ges auch durch Ver­sie­ge­lun­gen von Wett­bü­ros durch­set­zen. Auf § 26 Nr. 1 Nds. SOG kann eine sol­che Ver­sie­ge­lung hin­ge­gen nur vor­über­ge­hend als Eil­maß­nah­me gestützt wer­den.

Ver­sie­ge­lung von (Sport-)Wettbüros

Nach § 9 Abs. 1 Satz 1 GlüStV, § 22 NGlü­SpG 1 hat der Antrags­geg­ner, dem nach § 23 Abs. 1 Satz 1 NGlü­SpG in Nie­der­sach­sen die Glücks­spiel­auf­sicht obliegt, unter ande­rem die Auf­ga­be, dar­auf hin­zu­wir­ken, dass uner­laub­tes Glücks­spiel unter­bleibt. Zu die­sem Zweck kann er nach § 9 Abs. 1 Satz 2 GlüStV im Ein­zel­fall die erfor­der­li­chen Anord­nun­gen erlas­sen, und zwar gemäß Satz 3 die­ser Bestim­mung ins­be­son­de­re 2 auch die Ver­mitt­lung uner­laub­ter Glücks­spie­le unter­sa­gen. Eine sol­che Unter­sa­gungs­ver­fü­gung ist nach § 9 Abs. 2 GlüStV sofort voll­zieh­bar und wird nach Maß­ga­be des Lan­des­rechts mit den dar­in vor­ge­se­he­nen all­ge­mei­nen Zwangs­mit­teln, in Nie­der­sach­sen also gemäß § 70 NVwVG, §§ 64 ff. Nds. SOG voll­streckt. Wird – wie hier wegen eines Ver­sto­ßes gegen den GlüStV und das NGlü­SpG, d.h. wegen der Ver­mitt­lung von in Nie­der­sach­sen nicht zuge­las­se­nen Sport­wet­ten – die Aus­übung der betrof­fe­nen gewerb­li­chen Tätig­keit unter­sagt, so schließt die Befug­nis, eine sol­che Ver­fü­gung mit unmit­tel­ba­rem Zwang nach § 69 Nds. SOG durch­zu­set­zen, grund­sätz­lich auch das Recht ein, Gegen­stän­de oder Räu­me, die zum Zweck der uner­laub­ten Gewer­be­aus­übung genutzt wer­den, sicher­zu­stel­len bzw. zu ver­sie­geln 3. Dies ist im all­ge­mei­nen Gewer­be­recht 4 und Hand­werks­recht 5 aner­kannt; für das Glücks­spiel­recht gilt nichts ande­res 6. Dass sol­che Gegen­stän­de oder Räu­me ggf. auch ander­wei­tig und dann zu lega­len Zwe­cken genutzt wer­den kön­nen, steht der Sicher­stel­lung bzw. Ver­sie­ge­lung ins­be­son­de­re bei einem beharr­li­chen Ver­stoß weder grund­sätz­lich ent­ge­gen 7 noch ist eine sol­che Maß­nah­me unver­hält­nis­mä­ßig (§ 69 Abs. 6 Nds. SOG), da eine ledig­lich zwangs­geld­be­wehr­te Unter­sa­gungs­ver­fü­gung im Sport­wet­ten­be­reich nach den gerichts­be­kann­ten Voll­zugs­er­fah­run­gen in Nie­der­sa­chen 8 und ande­ren Bun­des­län­dern 9 häu­fig wenig erfolg­ver­spre­chend ist 10. Es ist dann viel­mehr Auf­ga­be des jeweils Betrof­fe­nen, für eine "Frei­ga­be" dar­zu­le­gen 11, dass die bis­he­ri­ge, rechts­wid­ri­ge Nut­zung tat­säch­lich auf­ge­ge­ben wor­den ist und kei­ne Wie­der­ho­lungs­ge­fahr 12 mehr besteht. Dazu eig­nen sich etwa die vom Antrags­geg­ner genann­ten Gesichts­punk­te, näm­lich die Abmel­dung des unter­sag­ten Gewer­bes, die dau­er­haf­te Abga­be der zur Ver­mitt­lung genutz­ten Gerä­te, die Kün­di­gung der Geschäfts­be­zie­hun­gen zu dem Ver­an­stal­ter des uner­laub­ten Glücks­spiels sowie die Ein­stel­lung jeg­li­cher Wer­bung hier­für.

Steht dem Antrags­geg­ner die umstrit­te­ne Befug­nis zur Ver­sie­ge­lung von Räu­men und Gegen­stän­den, die der Ver­mitt­lung von in Nie­der­sach­sen nicht zuge­las­se­nem Glücks­spiel die­nen, somit zwar zu, so ist dabei aber doch grund­sätz­lich das nor­ma­le Ver­fah­ren ein­zu­hal­ten, also eine Unter­sa­gungs­ver­fü­gung zu erlas­sen und ggf. mit Zwangs­mit­teln durch­zu­set­zen. Die genann­ten spe­zi­el­len Bestim­mun­gen des Glücks­spiel­rechts schlie­ßen inso­weit nach der Sub­si­dia­ri­täts­klau­sel des § 3 Abs. 1 Satz 2 Nds. SOG einen Rück­griff auf die Sicher­stel­lung nach § 26 Nds. SOG regel­mä­ßig aus. Raum für eine ergän­zen­de Anwen­dung die­ser Bestim­mung ver­bleibt gemäß § 3 Abs. 1 Satz 3 Nds. SOG ("soweit") allen­falls in den Fäl­len, in denen eine Ver­fü­gung nach dem spe­zi­el­le­ren Glücks­spiel­recht nicht recht­zei­tig getrof­fen wer­den kann, weil etwa der Ver­ant­wort­li­che (noch) nicht fest­steht oder eine – hier vor­lie­gend anläss­lich der Betriebs­be­sich­ti­gun­gen fest­ge­stell­te – uner­laub­te und nach § 25 NGlü­SpG auch straf­ba­re Ver­mitt­lungs­tä­tig­keit sofort wirk­sam zu unter­bin­den ist. Auch in die­sen Son­der­fäl­len kann die auf das Poli­zei­recht (§ 26 Nds. SOG) gestütz­te Sicher­stel­lung als "Sofort­maß­nah­me" aber nur zeit­lich befris­tet, näm­lich nur so lan­ge auf­recht­erhal­ten wer­den, bis der Erlass einer "nor­ma­len" Grund­ver­fü­gung nach dem Glücks­spiel­recht mög­lich ist. Eine "par­al­le­le" Ein­griffs­mög­lich­keit sowohl nach dem Nds. SOG als auch nach dem Glücks­spiel­recht besteht hin­ge­gen schon nach dem aus­drück­li­chen Wort­laut des § 3 Abs. 1 Satz 2 Nds. SOG nicht; sie wür­de zudem unnö­ti­ge Abgren­zungs­pro­ble­me auf­wer­fen, da die Vor­aus­set­zun­gen bei­der Ein­griffs­mög­lich­kei­ten nicht voll­kom­men deckungs­gleich sind – so setzt etwa die Anwen­dung unmit­tel­ba­ren Zwan­ges anders als die Sicher­stel­lung nach § 26 Nr. 1 Nds. SOG kei­ne "gegen­wär­ti­ge Gefahr" vor­aus.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 1. Juni 2010 – 11 ME 568/​09

  1. vgl. zum Vor­rang gegen­über § 15 Abs. 2 GewO: BVerwG, Urteil vom 21.06.2006 – 6 C 19/​06, BVerw­GE 126, 149 ff.[]
  2. vgl. dazu, dass die Auf­zäh­lung nur bei­spiel­haft und nicht abschlie­ßend ist: Nds. LT-Drs. 15/​4090, S. 70[]
  3. vgl. auch Nds. MI, Nds. LT-Drs. 16/​1803, S. 2[]
  4. vgl. § 35 Abs. 5 GewO a. F. sowie dazu Marcks, in: Landmann/​Rohmer, GewO, Lose­blatt, 55. Ergän­zungs­lie­fe­rung, Stand August 2009, § 35 GewO, Rn. 171 f.; Tettinger/​Wank, GewO, 7. Aufl., § 35, Rn. 191 f., jeweils m. w. N.[]
  5. vgl. zu § 16 Abs. 9 HwO Schmitz, in: Schwan­ne­cke (Hrsg.), HwO, Lose­blatt, Stand III/​10, § 16, Rn. 42[]
  6. vgl. nur VG Bre­men, Beschluss vom 29.04.2010 – 5 V 386/​10[]
  7. vgl. Nds. OVG, Beschluss vom 09.05.2005 – 8 ME 52/​05, GewArch 2005, 381 f., m. w. N.[]
  8. vgl. Nds- LT-Drs. 16/​1803, S. 3[]
  9. vgl. etwa VG Bre­men, Beschluss vom 29.12.2009 – 5 V 1886/​09; sowie VG Mün­chen, Urteil vom 31.07.2008 – M 22 K 08.1806[]
  10. OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 08.05.2009 – 1 S 70/​08[]
  11. vgl. Nds. OVG, Beschluss vom 09.05.2005, a. a. O.[]
  12. vgl. dazu etwa Nds. OVG, Beschluss vom 25.11.2009 – 11 ME 376/​09; sowie VG Mün­chen, Beschluss vom 07.10.2008 – M 22 E 08.4772[]