Ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen zum Archi­tek­ten­ho­no­rar – und der öffent­li­che Auf­trag­ge­ber

Die Nicht­be­ach­tung von Vor­schrif­ten über die Auf­stel­lung des Haus­halts­plans hat nicht zur Fol­ge, dass eine von einem öffent­li­chen Auf­trag­ge­ber in einem Ver­trag über Pla­nungs- und Inge­nieur­leis­tun­gen getrof­fe­ne Hono­rar­ver­ein­ba­rung wegen Ver­sto­ßes gegen ein gesetz­li­ches Ver­bot gemäß § 134 BGB nich­tig ist.

Ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen zum Archi­tek­ten­ho­no­rar – und der öffent­li­che Auf­trag­ge­ber

Mit die­ser Begrün­dung hielt es der Bun­des­ge­richts­hof in dem hier ent­schie­de­nen Fall – Inge­nieur­leis­tun­gen für den Auto­bahn­bau in Rhein­land-Pfalz – für recht­lich ver­fehlt, die Bau­kos­ten­ver­ein­ba­rung wegen Ver­sto­ßes gegen §§ 24, 54 LHO RP als unwirk­sam zu behan­deln. Gemäß § 24 Abs. 1 LHO RP dür­fen Aus­ga­ben und Ver­pflich­tungs­er­mäch­ti­gun­gen für Bau­maß­nah­men erst ver­an­schlagt wer­den, wenn Plä­ne, Kos­ten­be­rech­nun­gen und Erläu­te­run­gen vor­lie­gen, aus denen die Art der Aus­füh­rung, die Kos­ten der Bau­maß­nah­me, des Grund­er­werbs und der Ein­rich­tun­gen sowie die vor­ge­se­he­ne Finan­zie­rung und ein Zeit­plan ersicht­lich sind. Bau­maß­nah­men dür­fen nach § 54 Abs. 1 LHO RP nur begon­nen wer­den, wenn aus­führ­li­che Ent­wurfs­zeich­nun­gen und Kos­ten­be­rech­nun­gen vor­lie­gen, es sei denn, dass es sich um klei­ne Maß­nah­men han­delt. Dazu ist in 1.1 der Ver­wal­tungs­vor­schrift des Rhein­land-Pfäl­zi­schen Minis­te­ri­ums der Finan­zen zu § 54 LHO RP bestimmt, dass klei­ne Bau­maß­nah­men im Sin­ne von § 54 Abs. 1 Satz 1 LHO RP nur sol­che Neu, Um- und Erwei­te­rungs­bau­ten sind, deren Mit­tel­be­darf nicht höher als 375.000 € ist.

Es bestehen bereits Zwei­fel, ob § 24 Abs. 1, § 54 Abs. 1 LHO RP ihrem Wort­laut nach einem Pla­nungs­auf­trag mit einer Hono­rar­ver­ein­ba­rung des beklag­ten Lan­des nach Maß­ga­be des § 6 Abs. 2 HOAI ent­ge­gen­ste­hen. Der Beklag­te hat die Schuld­ne­rin mit Pla­nungs- und Inge­nieur­leis­tun­gen der Objekt- und Trag­werks­pla­nung für ein Brü­cken­bau­werk beauf­tragt. Die genann­ten Vor­schrif­ten der Lan­des­haus­halts­ord­nung Rhein­land-Pfalz betref­fen dage­gen ihrem Wort­laut nach Aus­ga­ben und Ver­pflich­tungs­er­mäch­ti­gun­gen für Bau­maß­nah­men, deren Ver­an­schla­gung im Haus­halts­plan aus­drück­lich vom Vor­lie­gen einer hin­rei­chend detail­lier­ten Pla­nung und Kos­ten­er­mitt­lung abhän­gig gemacht wird. Ob einem Auf­trag zur Erstel­lung der für eine Bau­maß­nah­me erfor­der­li­chen Pla­nung die haus­halts­recht­li­chen Vor­ga­ben zu Aus­ga­ben und Ver­pflich­tungs­er­mäch­ti­gun­gen für Bau­maß­nah­men nicht ent­ge­gen­ste­hen, kann der Bun­des­ge­richts­hof offen las­sen.

Denn das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz [1] hat bei sei­ner gegen­ste­hen­den Ansicht ver­kannt, dass nicht jeder Ver­stoß gegen haus­halts­recht­li­che Vor­schrif­ten zur Unwirk­sam­keit einer zivil­recht­li­chen Ver­ein­ba­rung führt.

Vor­schrif­ten über die Auf­stel­lung des Haus­halts­plans sind kei­ne Ver­bots­ge­set­ze im Sin­ne des § 134 BGB [2]. Einer Geset­zes­vor­schrift kommt der Cha­rak­ter eines Ver­bots­ge­set­zes nur zu, wenn das Gesetz sich nicht nur gegen den Abschluss des Rechts­ge­schäfts wen­det, son­dern auch gegen sei­ne pri­vat­recht­li­che Wirk­sam­keit und damit gegen sei­nen wirt­schaft­li­chen Erfolg [3]. Der jähr­lich auf­zu­stel­len­de Haus­halts­plan dient nach § 2 LHO RP der Fest­stel­lung und Deckung des Finanz­be­darfs, der zur Erfül­lung der Auf­ga­ben des Lan­des im Bewil­li­gungs­zeit­raum vor­aus­sicht­lich not­wen­dig ist. Der Haus­halts­plan ist Grund­la­ge für die Haus­halts- und Wirt­schafts­füh­rung. § 3 LHO RP stellt klar, dass der Haus­halts­plan die Ver­wal­tung ledig­lich ermäch­tigt, Aus­ga­ben zu leis­ten und Ver­pflich­tun­gen ein­zu­ge­hen. Durch den Haus­halts­plan wer­den Ansprü­che oder Ver­bind­lich­kei­ten weder begrün­det noch auf­ge­ho­ben. Vor­schrif­ten über die Auf­stel­lung des Haus­halts­plans ent­hal­ten danach für die öffent­li­che Ver­wal­tung ledig­lich intern ver­bind­li­che Vor­ga­ben für das Ver­wal­tungs­han­deln. Durch die Haus­halts­ord­nung wird die öffent­li­che Hand ver­pflich­tet, bei der Auf­stel­lung und Aus­füh­rung des Haus­halts­pla­nes die in der Haus­halts­ord­nung fest­ge­leg­ten Grund­sät­ze zu beach­ten [4]. Eine Außen­wir­kung kommt der­ar­ti­gen haus­halts­recht­li­chen Nor­men nur im Rah­men der soge­nann­ten Selbst­bin­dung der Ver­wal­tung zu, indem sie das Ermes­sen der letzt­lich für die Mit­tel­ver­tei­lung bestimm­ten Stel­len regeln [5].

Rechts­ge­schäf­te mit einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts, die das öffent­li­che Haus­halts­recht miss­ach­ten, kön­nen im Ein­zel­fall aller­dings sit­ten­wid­rig und damit gemäß § 138 Abs. 1 BGB nich­tig sein, wenn sie in kras­sem Wider­spruch zum Gemein­wohl ste­hen und der Ver­stoß gegen haus­halts­recht­li­che Vor­schrif­ten bei­den Sei­ten sub­jek­tiv zure­chen­bar ist [6]. Umstän­de, die im vor­lie­gen­den Fall die Sit­ten­wid­rig­keit der Hono­rar­ver­ein­ba­rung wegen Ver­sto­ßes gegen die Lan­des­haus­halts­ord­nung Rhein­land-Pfalz begrün­den kön­nen, sind nicht vor­ge­tra­gen und auch nicht fest­ge­stellt wor­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. April 2014 – VII ZR 164/​13

  1. OLG Koblenz, Grund­ur­teil vom 05.06.2013 – 5 U 1481/​12[]
  2. vgl. BAGE 46, 394, 399 f.; OLG Dres­den, Urteil vom 05.01.1998 17 U 1652/​97 41; Palandt/​Ellenberger, BGB, 73. Aufl., § 134 Rn. 18[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 22.12 2000 – VII ZR 310/​99, BGHZ 146, 250, 257 f.; Urteil vom 22.10.1998 – VII ZR 99/​97, BGHZ 139, 387, 391 f. m.w.N.[]
  4. vgl. BAGE 46, 394, 399[]
  5. vgl. BVerw­GE 126, 33 Rn. 52; BVerw­GE 104, 220, 223 m.w.N.[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 25.01.2006 – VIII ZR 398/​03, NZBau 2006, 590 Rn. 28; Urteil vom 30.01.1967 – III ZR 35/​65, BGHZ 47, 30, 36; Urteil vom 07.03.1962 – V ZR 132/​60, BGHZ 36, 395, 398; OLG Dres­den, Urteil vom 05.01.1998 17 U 1652/​97 41; OLG Naum­burg, Urteil vom 19.05.1998 9 U 1189/​97 45[]