Ver­wen­dungs­ver­bot für Grab­ma­le aus aus­beu­te­ri­scher Kin­der­ar­beit

Ein Ver­wen­dungs­ver­bot für Grab­ma­le aus aus­beu­te­ri­scher Kin­der­ar­beit in einer städ­ti­schen Fried­hofs­sat­zung ist nur auf­grund einer gesetz­li­chen Rege­lung zuläs­sig. Die Bestim­mung in der Fried­hofs­sat­zung der Stadt Nürn­berg, der­zu­fol­ge Grab­ma­le „nach­weis­lich in der gesam­ten Wert­schöp­fungs­ket­te ohne aus­beu­te­ri­sche Kin­der­ar­beit“ her­ge­stellt wor­den sein müs­sen, ver­stößt daher gegen höher­ran­gi­ges Recht.

Ver­wen­dungs­ver­bot für Grab­ma­le aus aus­beu­te­ri­scher Kin­der­ar­beit

In dem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Rechts­streit begehrt die Antrag­stel­le­rin – ein ört­li­cher Stein­metz­be­trieb – mit ihrem Nor­men­kon­troll­an­trag, die­se Sat­zungs­be­stim­mung für unwirk­sam zu erklä­ren. Der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat­te dem Nor­men­kon­troll­an­trag zunächst statt­ge­ge­ben. Der Baye­ri­sche Ver­fas­sungs­ge­richts­hof hat­te die­se Ent­schei­dung auf­ge­ho­ben und die Sache an den Ver­wal­tungs­ge­richts­hof zurück­ver­wie­sen. Mit Urteil vom 6. Juli 2012 hat der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof dar­auf­hin den Nor­men­kon­troll­an­trag abge­lehnt [1].

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat das Urteil des Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs geän­dert und § 28 Abs. 2 der Bestat­tungs- und Fried­hofs­sat­zung der Stadt Nürn­berg für unwirk­sam erklärt.

Der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof war in Aus­le­gung und Anwen­dung von Lan­des­recht davon aus­ge­gan­gen, dass Art. 24 Abs. 1 Nr. 1 Baye­ri­schen Gemein­de­ord­nung die Gemein­den und Städ­te ermäch­tigt, in Sat­zun­gen die Benut­zung ihrer öffent­li­chen Ein­rich­tun­gen und damit auch die Fried­hofs­nut­zung zu regeln. Der sach­li­che Zusam­men­hang mit dem Fried­hofs­zweck und auch der spe­zi­fisch ört­li­che Bezug sei­en in recht­lich ein­wand­frei­er Wei­se her­ge­stellt, da es im Inter­es­se der Wür­de des Ortes der Toten­be­stat­tung lie­gen kön­ne, dass dort kei­ne Grab­ma­le auf­ge­stellt wer­den, deren Mate­ri­al in einem welt­weit geäch­te­ten Her­stel­lungs­pro­zess gewon­nen wor­den ist.

Die bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Garan­tie der gemeind­li­chen Selbst­ver­wal­tung in Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG steht einer sol­chen Aus­le­gung der Baye­ri­schen Gemein­de­ord­nung nicht ent­ge­gen. Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG sichert den Gemein­den einen grund­sätz­lich alle Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft umfas­sen­den Auf­ga­ben­be­reich sowie die Befug­nis zur eigen­ver­ant­wort­li­chen Füh­rung der Geschäf­te in die­sem Bereich zu. Das schließt indes nicht aus, dass der Gesetz­ge­ber den Gemein­den dar­über hin­aus­ge­hen­de Auf­ga­ben zuweist.

Die ange­grif­fe­ne Sat­zungs­be­stim­mung schränkt jedoch die Berufs­aus­übung von Stein­met­zen ein. Die Ver­wen­dung von Grab­ma­len aus­zu­schlie­ßen, die unter aus­beu­te­ri­scher Kin­der­ar­beit her­ge­stellt wur­den, ist ein ver­fas­sungs­recht­lich legi­ti­mer Zweck. Den Stein­met­zen den dahin­ge­hen­den Nach­weis auf­zu­bür­den, beein­träch­tigt deren Berufs­aus­übungs­frei­heit unzu­mut­bar, solan­ge nicht zugleich bestimmt wird, wie die­ser Nach­weis geführt wer­den kann.

Außer­dem erlaubt Art. 12 Abs. 1 Satz 2 GG Ein­grif­fe in die Berufs­frei­heit nur auf der Grund­la­ge einer gesetz­li­chen Rege­lung, die Umfang und Gren­zen des Ein­griffs deut­lich erken­nen lässt. Dabei muss der Gesetz­ge­ber selbst alle wesent­li­chen Ent­schei­dun­gen tref­fen. Art. 24 Abs. 1 Nr. 1 der Gemein­de­ord­nung sowie Art. 8 und 9 des Baye­ri­schen Bestat­tungs­ge­set­zes rei­chen dafür nicht aus.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 16. Okto­ber 2013 – 8 CN 1.12

  1. BayVGH, Urteil vom 06.07.2012 – 4 N 11.2673[]