VG Wort – und die Betei­li­gung der Ver­la­ge

Die VG Wort ist nicht berech­tigt, einen pau­scha­len Betrag in Höhe von grund­sätz­lich der Hälf­te ihrer Ein­nah­men an Ver­la­ge aus­zu­zah­len.

VG Wort – und die Betei­li­gung der Ver­la­ge

Die im Jahr 1958 gegrün­de­te Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft Wort ist ein rechts­fä­hi­ger Ver­ein kraft staat­li­cher Ver­lei­hung, in dem sich Wort­au­toren und deren Ver­le­ger zur gemein­sa­men Ver­wer­tung von Urhe­ber­rech­ten zusam­men­ge­schlos­sen haben. Sie nimmt als ein­zi­ge Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft in Deutsch­land die ihr ver­trag­lich anver­trau­ten urhe­ber­recht­li­chen Befug­nis­se von Wort­au­toren und deren Ver­le­gern wahr.

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te ein Autor wis­sen­schaft­li­cher Wer­ke mit der VG Wort im Jahr 1984 einen Wahr­neh­mungs­ver­trag geschlos­sen. Dar­in hat er ihr unter ande­rem die gesetz­li­chen Ver­gü­tungs­an­sprü­che für das auf­grund bestimm­ter Schran­ken­be­stim­mun­gen des Urhe­ber­rechts­ge­set­zes zuläs­si­ge Ver­viel­fäl­ti­gen sei­ner Wer­ke zum pri­va­ten Gebrauch zur Wahr­neh­mung über­tra­gen. Mit sei­ner jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Kla­ge wen­det der Autor sich dage­gen, dass die VG Wort die Ver­le­ger und bestimm­te Urhe­ber­or­ga­ni­sa­tio­nen ent­spre­chend den Bestim­mun­gen ihres Ver­tei­lungs­plans an ihren Ein­nah­men betei­ligt und dadurch sei­nen Anteil an die­sen Ein­nah­men schmä­lert.

Das Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen hat der Kla­ge weit­ge­hend statt­ge­ge­ben 1. Gegen die­se Ent­schei­dung hat die VG Wort Revi­si­on ein­ge­legt, mit der sie die voll­stän­di­ge Abwei­sung der Kla­ge erstrebt. Der Autor hat Anschluss­re­vi­si­on ein­ge­legt, mit der er errei­chen möch­te, dass sei­ner Kla­ge in vol­lem Umfang statt­ge­ge­ben wird. Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun die Rechts­mit­tel bei­der Par­tei­en zurück­ge­wie­sen:

Die VG Wort ist nicht berech­tigt, befand der Bun­des­ge­richts­hof, einen pau­scha­len Betrag in Höhe von grund­sätz­lich der Hälf­te ihrer Ein­nah­men an Ver­la­ge aus­zu­schüt­ten. Eine Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft hat die Ein­nah­men aus der Wahr­neh­mung der ihr anver­trau­ten Rech­te und Ansprü­che aus­schließ­lich an die Inha­ber die­ser Rech­te und Ansprü­che aus­zu­keh­ren; dabei muss sie die­se Ein­nah­men in dem Ver­hält­nis an die Berech­tig­ten ver­tei­len, in dem die­se Ein­nah­men auf einer Ver­wer­tung der Rech­te und Gel­tend­ma­chung von Ansprü­chen der jewei­li­gen Berech­tig­ten beru­hen. Damit ist es nicht zu ver­ein­ba­ren, dass die VG Wort den Ver­le­gern einen pau­scha­len Anteil ihrer Ein­nah­men aus­zahlt, ohne dar­auf abzu­stel­len, ob und inwie­weit die­se Ein­nah­men auf der Wahr­neh­mung der ihr von Ver­le­gern ein­ge­räum­ten Rech­te oder über­tra­ge­nen Ansprü­che beru­hen. Allein der Umstand, dass die ver­le­ge­ri­sche Leis­tung es der VG Wort erst ermög­licht, Ein­nah­men aus der Ver­wer­tung der ver­leg­ten Wer­ke der Autoren zu erzie­len, recht­fer­tigt es nicht, einen Teil die­ser Ein­nah­men den Ver­le­gern aus­zu­zah­len. Es ist auch nicht ersicht­lich, dass die VG Wort mit der Wahr­neh­mung der ihr von Ver­le­gern ein­ge­räum­ten Rech­te oder über­tra­ge­nen Ansprü­che tat­säch­lich Ein­nah­men in einem Umfang erzielt, der es recht­fer­tigt, regel­mä­ßig die Hälf­te der Ver­tei­lungs­sum­me an die Ver­le­ger aus­zu­schüt­ten. Den Ver­le­gern ste­hen nach dem Urhe­ber­rechts­ge­setz kei­ne eige­nen Rech­te oder Ansprü­che zu, die von der VG Wort wahr­ge­nom­men wer­den könn­ten. Ver­le­ger sind – von den im Streit­fall nicht in Rede ste­hen­den Pres­se­ver­le­gern abge­se­hen – nicht Inha­ber eines Leis­tungs­schutz­rechts. Die gesetz­li­chen Ver­gü­tungs­an­sprü­che für die Nut­zung ver­leg­ter Wer­ke ste­hen kraft Geset­zes ori­gi­när den Urhe­bern zu. Die VG Wort nimmt auch kei­ne den Ver­le­gern von den Urhe­bern ein­ge­räum­ten Rech­te oder abge­tre­te­nen Ansprü­che in einem Umfang wahr, der eine Betei­li­gung der Ver­le­ger an der Hälf­te der Ein­nah­men der VG Wort begrün­den könn­te. Das Ver­lags­recht räu­men die Ver­le­ger der VG Wort nicht zur Wahr­neh­mung ein. Gesetz­li­che Ver­gü­tungs­an­sprü­che haben die Urhe­ber den Ver­le­gern jeden­falls nicht in einem Umfang wirk­sam abge­tre­ten, der es recht­fer­ti­gen könn­te, die Hälf­te der Ein­nah­men an die Ver­la­ge aus­zu­schüt­ten.

Dage­gen durf­te die VG Wort, so der Bun­des­ge­richts­hof wei­ter, bestimm­te Urhe­ber­or­ga­ni­sa­tio­nen an ihren Ein­nah­men betei­li­gen, soweit die Autoren die­sen Orga­ni­sa­tio­nen ihre bereits ent­stan­de­nen gesetz­li­chen Ver­gü­tungs­an­sprü­che abge­tre­ten hat­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. April 2016 – I ZR 198/​13

  1. OLG Mün­chen, Urteil vom 17.102.2013 – 6 U 2492/​12[]