Vita­li Klitsch­ko zählt nicht als gesund­heits­be­zo­ge­ne Anga­be

Ist einer Wer­bung für ein alko­hol­frei­es Bier in der Wer­be­aus­sa­ge kei­ne spe­zi­el­le gesund­heits­be­zo­ge­ne Anga­be bei­gefügt, darf nicht mit dem Begriff "vita­li­sie­rend" gewor­ben wer­den.

Vita­li Klitsch­ko zählt nicht als gesund­heits­be­zo­ge­ne Anga­be

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Wer­bung einer Braue­rei inso­weit als unzu­läs­sig beur­teilt. Die Pri­vat­braue­rei aus dem Kreis Soest bewarb ihr alko­hol­frei­es Bier im Jahr 2013 auf den Rückeneti­ket­ten und den Ver­pa­ckun­gen der sog. Six­packs mit den Anga­ben "vita­li­sie­rend", "erfri­schend" und "iso­to­nisch" und bil­de­te auf den Fla­schen­eti­ket­ten die durch den Box­sport bekann­ten Brü­der Vita­li und Wla­di­mir Klitsch­ko ab. Der Klä­ger, ein in Mün­chen ansäs­si­ger Ver­ein, hat die Wer­bung mit dem Begriff "vita­li­sie­rend" für unzu­läs­sig gehal­ten, weil sie gesund­heits­be­zo­gen sei und die Beklag­te ihr kei­ne spe­zi­el­le gesund­heits­be­zo­ge­ne Anga­be bei­gefügt habe.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm ver­sto­ße die streit­ge­gen­ständ­li­chen Wer­bung gegen Art. 10 Abs. 3 der Euro­päi­schen Health Claim VO (HCVO), VO (EG) Nr. 1924/​2006. Mit dem Begriff "vita­li­sie­rend" habe die Beklag­te für ein Lebens­mit­tel gewor­ben. "Vita­li­sie­rend" sei eine unspe­zi­fi­sche gesund­heits­be­zo­ge­ne Anga­be im Sin­ne der HCVO. Der Bezug zur Gesund­heit erge­be sich bereits aus dem Wort­sinn. "Vita­li­sie­ren" ste­he für "bele­ben" und "anre­gen". Für den Ver­brau­cher brin­ge das Adjek­tiv "vita­li­sie­rend" eine Ver­bes­se­rung des Gesund­heits­zu­stan­des zum Aus­druck. Des­we­gen sug­ge­rie­re die Beklag­te, dass der Kon­sum ihres alko­hol­frei­en Bie­res eine Ver­bes­se­rung des Gesund­heits­zu­stan­des bewir­ke, wenn sie es mit der Anga­be "vita­li­sie­rend" bewer­be.

Dass der Aus­druck auch in Ver­bin­dung mit dem Wer­be­trä­ger Vita­li Klitsch­ko ver­stan­den wer­den kön­ne, ste­he dem nicht ent­ge­gen. "Vita­li­sie­rend" sol­le eben­falls eine Pro­duk­t­ei­gen­schaft beschrei­ben, was sich aus sei­ner Nen­nung in einem engen räum­li­chen Zusam­men­hang mit den Bezeich­nun­gen "erfri­schend" und "iso­to­nisch" erge­be. Die Anga­be "vita­li­sie­rend" sei zudem unspe­zi­fisch im Sin­ne von Art. 10 Abs. 3 HCVO, weil sie sich nicht auf eine bestimm­te zu för­dern­de Kör­per­funk­ti­on bezie­he. Nach Art. 10 Abs. 3 HCVO sei­en der­ar­ti­ge gesund­heits­be­zo­ge­ne Anga­ben nur zuläs­sig, wenn ihnen eine in der Lis­te nach Art. 13 oder 14 der HCVO ent­hal­te­ne spe­zi­el­le gesund­heits­be­zo­ge­ne Anga­be bei­gefügt sei (sog. Kopp­lungs­ge­bot). Die Vor­schrift sei anzu­wen­den, auch wenn die genann­ten Lis­ten noch nicht voll­stän­dig vor­lä­gen. Das alko­hol­freie Bier der Beklag­ten ent­hal­te näm­lich Stof­fe, die in den genann­ten Lis­ten mit zuläs­si­gen gesund­heits­be­zo­ge­nen Anga­ben beschrie­ben wür­den. Weil die Beklag­te der unspe­zi­fi­schen Anga­be "vita­li­sie­rend" kei­ne zuge­las­se­ne gesund­heits­be­zo­ge­ne Anga­be bei­gefügt habe, sei ihre Wer­bung inso­weit unzu­läs­sig gewe­sen.

Das Ober­lan­des­ge­richt hat der Beklag­ten die bean­stan­de­te Wer­bung für ihr alko­hol­frei­es Bier mit dem Begriff "vita­li­sie­rend" unter Abän­de­rung des erst­in­stanz­li­chen Urteils des Land­ge­richts Arns­berg unter­sagt.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 20. Mai 2014 – 4 U 19/​14