Voll­stre­ckung von Geld­bu­ßen im anwalts­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren

Ein­wän­de gegen die Voll­stre­ckung einer im anwalts­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren ver­häng­ten Geld­bu­ße nach § 204 Abs. 3 Satz 1 BRAO sind nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Anwalts­se­nats des Bun­des­ge­richts­hofs je nach der Art des Ein­wands im Wege der Erin­ne­rung an das Voll­stre­ckungs­ge­richt (§ 766 ZPO) oder der Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge an das Pro­zess­ge­richt der ordent­li­chen Gerichts­bar­keit (§ 767 ZPO) gel­tend zu machen.

Voll­stre­ckung von Geld­bu­ßen im anwalts­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren

Die Voll­stre­ckung von Geld­bu­ßen im anwalts­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren erfolgt gemäß § 204 Abs. 3 Satz 1 BRAO nach den Vor­schrif­ten, die für die Voll­stre­ckung von Urtei­len in bür­ger­li­chen Rechts­strei­tig­kei­ten gel­ten. Mit die­ser auf die ursprüng­li­che Fas­sung der Bun­des­rechts­an­walts­ord­nung zurück­ge­hen­den Rege­lung woll­te der Gesetz­ge­ber für die Voll­stre­ckung von Geld­bu­ßen die glei­che Rechts­la­ge her­stel­len wie für die Voll­stre­ckung von Kam­mer­bei­trä­gen nach dem heu­ti­gen § 84 Abs. 3 BRAO 1 und des Zwangs­gelds nach dem heu­ti­gen § 57 Abs. 4 BRAO 23. Danach kann sich der Rechts­an­walt gegen Ver­stö­ße gegen for­mel­les Voll­stre­ckungs­recht mit der Erin­ne­rung nach § 766 ZPO an das Voll­stre­ckungs­ge­richt zur Wehr set­zen. Gegen die Voll­stre­ckung des Kam­mer­bei­trags ist nach § 84 Abs. 3 BRAO die Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge zuläs­sig, und zwar zu den ordent­li­chen Gerich­ten, die aller­dings an die Kam­mer­be­schlüs­se gebun­den sind 4. Ange­sichts des Wil­lens des Gesetz­ge­bers, die glei­che Rechts­la­ge zu schaf­fen, liegt es sowohl beim Zwangs­geld nach § 57 BRAO als auch bei der Geld­bu­ße nach § 204 BRAO genau­so. Die Sache hät­te des­halb nicht an das Anwalts­ge­richt, son­dern an die ordent­li­chen Gerich­te ver­wie­sen wer­den müs­sen, und zwar hin­sicht­lich des Ein­wands gegen die Ladung zur Abga­be der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung an das Voll­stre­ckungs­ge­richt und im Übri­gen an das Pro­zess­ge­richt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. April 2009 – AnwZ (B) 103/​08

  1. = § 97 Abs. 3 BRAO‑E[]
  2. = § 69 Abs. 6 BRAO‑E[]
  3. BT-Drucks. III/​120 S. 119 f. zu § 219 BRAO‑E[]
  4. BGHZ 55, 255[]