Vor­aus­zah­lungs­ga­ran­tie – und die MaBV

Wel­che Ansprü­che durch eine Vor­aus­zah­lungs­ga­ran­tie gesi­chert wer­den, ist nach §§ 133, 157 BGB durch Aus­le­gung zu ermit­teln. Ohne eine ver­trag­li­che Beschrän­kung des Siche­rungs­zwecks sichert eine Vor­aus­zah­lungs­ga­ran­tie auch Rück­erstat­tungs­an­sprü­che des Bestel­lers, die sich aus einer Min­de­rung des Wer­tes des Wer­kes auf­grund von Män­geln in Höhe der Män­gel­be­sei­ti­gungs­kos­ten (Vor­schuss, Erstat­tung oder Scha­dens­er­satz) erge­ben 1.

Vor­aus­zah­lungs­ga­ran­tie – und die MaBV

Haben die Par­tei­en den Begriff der Vor­aus­zah­lungs­bürg­schaft – unter Außer­acht­las­sung von Zif­fer 17.5 ZVB – nicht näher defi­niert, ist im Wege der Aus­le­gung die vom Bun­des­ge­richts­hof zu § 7 Abs. 1 Satz 1 MaBV zur Ermitt­lung des Siche­rungs­um­fan­ges der Vor­aus­zah­lungs­bürg­schaft vor­ge­nom­me­ne Defi­ni­ti­on her­an­zu­zie­hen. Denn sowohl die Begriff­lich­keit als auch die Inter­es­sens­la­ge der Par­tei­en ist inso­weit ver­gleich­bar.

Der BGH hat zu § 7 MaBV aus­ge­führt, dass ent­schei­den­der Gesichts­punkt für die Ein­be­zie­hung von Män­gel­an­sprü­chen in den Haf­tungs­um­fang einer Bürg­schaft nach § 7 MaBV das berech­tig­te Inter­es­se des Erwer­bers sei, von den Risi­ken frei­ge­stellt zu wer­den, die sich aus sei­ner ver­trag­lich über­nom­me­nen Ver­pflich­tung erge­ben, unter Abwei­chung von § 3 Abs. 2 MaBV Zah­lun­gen an den Bau­trä­ger leis­ten zu müs­sen, ohne dass die­sen Zah­lun­gen ein ent­spre­chen­der, in der ver­trags­ge­recht erbrach­ten Bau­leis­tung reprä­sen­tier­ter Gegen­wert gegen­über ste­he. Sol­che Vor­leis­tun­gen dürf­ten ihm gemäß § 7 Abs. 1 Satz 1 MaBV nur abver­langt wer­den, wenn der Bau­trä­ger eine Sicher­heit stellt, die geeig­net sei, das dem Erwer­ber auf­ge­bür­de­te Vor­leis­tungs­ri­si­ko ange­mes­sen aus­zu­glei­chen. Gegen­stand des so ver­stan­de­nen Siche­rungs­in­ter­es­ses des Erwer­bers sei­en ins­be­son­de­re sei­ne auf Geld­leis­tun­gen gerich­te­ten Män­gel­an­sprü­che, mit denen er andern­falls im Fal­le einer Insol­venz des Bau­trä­gers aus­fal­len wür­de 2. Denn Män­gel vor Abnah­me ver­rin­gern den Wert der Unter­neh­mer­leis­tung, deren Min­der­wert sich regel­mä­ßig in dem Geld­be­trag aus­drückt, der zur Män­gel­be­sei­ti­gung auf­ge­wen­det wer­den muss 3. Dar­über hin­aus wird dem Bestel­ler durch Vor­aus­zah­lun­gen die Mög­lich­keit genom­men, einem Werk­lohn­an­spruch des Unter­neh­mers bei Män­geln des Werks sein gesetz­li­ches Leis­tungs­ver­wei­ge­rungs­recht gemäß § 320 BGB ent­ge­gen­zu­hal­ten oder mit Ansprü­chen auf Erstat­tung der Män­gel­be­sei­ti­gungs­kos­ten auf­zu­rech­nen 4. Etwas ande­res gel­te nur, wenn die Werk­leis­tung als man­gel­frei abge­nom­men wor­den sei, denn dann wäre die Bestel­le­rin zur Zah­lung des gesam­ten Werk­loh­nes ver­pflich­tet und der Siche­rungs­zweck für die Vor­aus­zah­lungs­si­cher­heit wäre weg­ge­fal­len 5.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 20. Janu­ar 2015 – 10 U 102/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 09.12.2010 – VII ZR 206/​09, BGHZ 188, 8 – 19, juris Rz. 14 zu § 7 Mak­ler- und Bau­trä­ger-Ver­ord­nung[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 09.12.2010 – VII ZR 206/​09, BGHZ 188, 8 – 19, juris Rz.19[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 18.06.2002 – XI ZR 359/​01, BGHZ 151, 147 – 155 24[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 9.12.2010 – VII ZR 206/​09, BGHZ 188, 8 ff, juris Rz. 14[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 09.12.2010 – VII ZR 206/​09, BGHZ 188, 8 – 19, juris Rz.20; BGH, Urteil vom 08.12.2009 – XI ZR 183/​08, GWR 2010, 98, juris Rz. 9 und 19[]