Vorsicht beim Kauf auf Rechnung

5. Dezember 2016 | Im Blickpunkt, Wirtschaftsrecht
Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Online einkaufen gehen, das rund um die Uhr, ohne Geschäftszeiten beachten zu müssen. Ein paar Mausklicks genügen, schon kommt die Ware direkt zu einem nach Hause. Ideal auch, dass man bei vielen Shops nicht sofort bezahlen muss, denn die Rechnung liegt bei. Doch das birgt auch eine große Gefahr.

Frau freut sich nach Auspacken von Paketen über bestellte Ware.

Bild: Immer öfter werden Onlinebestellungen per Rechnung geliefert. Quelle: Stock-Asso – 408161881 / Shutterstock.com

Mit der Rechnung kommt ein Zahlungsziel, das meist zwischen 14 und 30 Tagen liegt. Das heißt, dass er die Ware erst bis zum angegebenen Zahlungsziel auch tatsächlich bezahlen muss. Dieser vermeintliche Vorteil kann sich schnell ins Gegenteil umdrehen, nämlich dann, wenn man schlicht und einfach vergisst zu zahlen. Die Folge: Mahnungen, die oftmals saftige Mahngebühren beinhalten.

 

Die unterschiedlichen Bezahlmöglichkeiten

Der Kauf auf Rechnung ist bequem, weil er auch dann getätigt werden kann, wenn das Konto des Käufers nicht gedeckt ist. Händler bieten diese Zahlungsmöglichkeit zwar an, weil sie wissen, dass sie dadurch mehr Kunden animieren, bei ihnen zu kaufen, dennoch birgt der Kauf auf Rechnung auch für den Händler Nachteile, nämlich dann, wenn die Rechnung nicht beglichen wird. Wer online einkaufen geht, der stößt meist auf folgende Bezahlmöglichkeiten, die sowohl Vor-, als auch Nachteile haben können:

Bezahlmöglichkeit Vorteil Nachteil
Rechnung Bezahlung erst nach Erhalt der Ware. Vergisst man zu zahlen, können hohe Mahngebühren anfallen.
Bezahlsysteme (paypal, Paysafecard) Direkter Versand, da Händler sofort über die Zahlung informiert wird. Zusätzliches Konto oder Prepaid-Karte nötig.
Kreditkarte Direkte Buchung möglich. Herausgabe der Kreditkartendaten über Internet-Systeme.
Giropay Sichere Überweisung wie beim TAN-Verfahren Ware wird erst nach Geldeingang verschickt.
Überweisung Sichere Überweisung durch TAN-Verfahren Ware wird erst nach Geldeingang verschickt.
Lastschrift Betrag wird nach Erteilung des Mandats automatisch abgebucht. Ware wird erst nach erfolgreicher Abbuchung verschickt.
Nachnahme Ware wird sofort verschickt Hohe Nachnahmegebühr
 

Kauf auf Rechnung sehr beliebt

Erst die Ware, dann das Geld – für viele Onlinekäufer ist dies eine willkommene Methode. Vor allem deshalb, weil man beim Onlinekauf in der Regel ein 14-tägiges Rückgaberecht hat. Das heißt: Gefällt die Ware nicht, passt sie nicht oder ist sie defekt, kann man sie mit Angabe des Grundes zurückgeben und kann danach sein Geld wieder einfordern. Wurde bereits gezahlt, ist dies mit einer Wartezeit verbunden.

Allerdings kommt es darauf an, für was online bezahlt werden soll. Hier sind – in Bezug auf die Bezahlmöglichkeiten – Unterschiede zu erkennen. Anhand unserer Beispiele soll dies verdeutlicht werden:

Mode Reisen
Auf Rechnung 41% 26%
PayPal 40% 24%
Lastschrift 8% 9%
Kreditkarte 6% 28%
Sofortüberweisung 2% 4%
Vorkasse 2% 5%
 
Laut der folgenden Grafik von www.kauf-auf-rechnung.de gehört der Rechnungskauf zu den beliebtesten Zahlungsmöglichkeiten im Internet. Um negative Auswirkungen zu vermeiden, sollte die offene Rechnung allerdings immer bis zum auf der Rechnung versehenen Zahlungsziel beglichen werden.

Vorteile, Nachteile und worauf man beim Kauf auf Rechnung achten sollte.

Grafik: Informationen und Fakten zum Thema Kauf auf Rechnung. Infografikquelle: www.kauf-auf-rechnung.de

 

Zeit lassen kann teuer werden

Ob man sofort eine Mahnung mit Mahngebühren erhält oder der Verkäufer erst eine Zahlungserinnerung ohne zusätzliche Gebühren versendet, sofern eine Rechnung nicht beglichen wurde, liegt meist im Ermessen des Händlers. Allerdings gibt es auch hier gesetzliche Vorschriften:

  • Der Käufer kommt erst dann in Zahlungsverzug, wenn er eine Mahnung vom Gläubiger erhält.
  • Es ist nicht immer zwingend notwendig, eine Mahnung zu schicken. Sofern ein Kalenderdatum auf der Rechnung vorzufinden ist oder für die Zahlung ein gewisser Zeitraum bestimmt wurde (z.B. Zahlbar innerhalb von 10 Tagen nach Lieferung), muss keine zusätzliche Mahnung geschrieben werden. Hier kommt der Käufer sofort in Zahlungsverzug.
  • Wurde kein Datum angegeben, gilt die 30-Tage-Regelung. Darauf muss der Verkäufer allerdings explizit in der Rechnung hinweisen, dann kommt der Käufer nach dieser Frist in Verzug und es bedarf keiner zusätzlichen Mahnung.
  • Sofern eine Rechnung angemahnt wird, kann der Gläubiger Mahngebühren verlangen, die sich aus den Kosten für das Porto, das Material und eventuellen Verzugszinsen zusammensetzen. Nicht mit einberechnen darf man Verwaltungs- und Personalkosten.
Sofern man als Käufer auch die zugeschickten Mahnungen ignoriert, wird es richtig teuer.

 

Inkasso, Mahnverfahren, Prozess, Pfändung

Mann versucht Geld von überraschter Frau einzutreiben.

Bild: Werden Rechnungen nicht gezahlt, kann das Geld eingetrieben werden. Quelle: Iakov Filimonov – 280215626 / Shutterstock.com

Jeder Gläubiger kann natürlich auf seine Art und Weise versuchen, das Geld beim Kunden einzutreiben. Sofern diese Methoden rechtlich in Ordnung sind, kann jeder sein Glück versuchen. Die Alternativen erscheinen dabei aber vielversprechender.

  1. Inkassounternehmen

    Online sind zahlreiche Inkassounternehmen zu finden, die damit werben, offene Zahlungsforderungen sicher einzutreiben. Das kann vorher natürlich niemand garantieren. Sicherlich haben Inkassounternehmen, schon allein der Erfahrung wegen, mehr Möglichkeiten, im Endeffekt tun sie aber auch nichts Anderes als es beim Mahnverfahren geschieht. Letzteres ist die rechtliche Grundlage für das weitere Vorgehen. Zwar bekommt man Unterstützung bzw. wird das gerichtliche Mahnverfahren übernommen, doch das lassen sich die Inkassounternehmen auch gerne teuer bezahlen.
  2. Gerichtliches Mahnverfahren

    Für die Beantragung eines solchen Verfahrens sind amtliche Vordrucke auszufüllen und beim zuständigen Gericht einzureichen. Je nach Höhe der Forderungen kostet das Mahnverfahren Gebühren, die dem Schuldner in Rechnung gestellt werden (Rechnung bis 1000 Euro 32 Euro Gebühr, danach 35,50 Euro). Nach der Prüfung durch das Mahngericht wird dem Schuldner der Mahnbescheid zugestellt. Er hat nun eine zweiwöchige Einspruchsfrist. Wird die offene Rechnung innerhalb dieser Zeit beglichen, ist das Verfahren beendet, reagiert er nicht auf die Forderung, wird ein Vollstreckungsbescheid ausgestellt, legt er Widerspruch ein, kommt es in der Folge zum Prozess.
In einem möglichen Prozess muss dann die Rechtslage geklärt werden. Bekommt der Gläubiger Recht, hat der Schuldner nicht nur die offene Rechnung zzgl. Mahngebühren und gerichtlichen Mahnkosten zu tragen, sondern auch die Gerichtskosten und – neben seinen eigenen Anwaltskosten – die der Gegenpartei. Nun wird ihm wiederum eine Zahlungsfrist eingeräumt. Lässt er diese verstreichen, kommt es zur Pfändung durch einen Gerichtsvollzieher.

Bild-Quellen:
Iakov Filimonov – 280215626 / Shutterstock.com
Stock-Asso – 408161881 / Shutterstock.com

 
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