Vor­stands­ge­häl­ter bei Spar­kas­sen

Mit einem heu­te ver­kün­de­ten Urteil hat es das Ober­lan­des­ge­richt Köln – unter Abän­de­rung des anders­lau­ten­den erst­in­stanz­li­chen Urteils des Land­ge­richts Köln – einer nie­der­rhei­ni­schen Spar­kas­se durch einst­wei­li­ge Ver­fü­gung ver­bo­ten, die Bezü­ge sei­nes Vor­stands­vor­sit­zen­den in der Jah­res­bi­lanz, dem Anhang oder dem Geschäfts­be­richt unter Namens­nen­nung offen zu legen oder offen legen zu las­sen. Eine schrift­li­che Begrün­dung des heu­te nur münd­lich ver­kün­de­ten Urteils liegt noch nicht vor, in der münd­li­chen Urteils­be­grün­dung hat das OLG erken­nen las­sen, dass er die ent­spre­chen­de Geset­zes­vor­schrift des nord­rhein-west­fä­li­schen Spar­kas­sen­ge­set­zes, nach dem die Spar­kas­sen erst­mals in die­sem Jahr zu einer ent­spre­chen­den Ver­öf­fent­li­chung ver­pflich­tet sind, für ver­fas­sungs­wid­rig hält.

Vor­stands­ge­häl­ter bei Spar­kas­sen

Der Vor­stands­vor­sit­zen­de einer nie­der­rhei­ni­schen Spar­kas­se hat­te sei­nem Arbeit­ge­ber per einst­wei­li­ger Ver­fü­gung ver­bie­ten las­sen wol­len, die Höhe sei­ner Bezü­ge in der Jah­res­bi­lanz, im Geschäfts­be­richt oder an ande­rer Stel­le indi­vi­dua­li­siert offen zu legen. Dies schreibt aller­dings das Spar­kas­sen­ge­setz des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len in § 19 Abs. 5 erst­mals seit die­sem Jahr vor. Die Bilan­zen der Spar­kas­sen wer­den im Bun­des­an­zei­ger abge­druckt. Der Vor­stands­vor­sit­zen­de hat­te gel­tend gemacht, die Ver­öf­fent­li­chung sei rechts­wid­rig, weil hier­durch sein Per­sön­lich­keits­recht ver­letzt wer­de. Die Bevöl­ke­rung habe kein berech­tig­tes Inter­es­se dar­an, die Höhe sei­ner Bezü­ge zu ken­nen. Die Vor­schrift des nord­rhein-west­fä­li­schen Spar­kas­sen­ge­set­zes sei im Übri­gen auch ver­fas­sungs­wid­rig, weil der Lan­des­ge­setz­ge­ber kei­ne Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz gehabt habe. Die Spar­kas­se hat­te sich dar­auf beru­fen, dass sie nach dem Gesetz zur Ver­öf­fent­li­chung ver­pflich­tet sei. Die Rechts­norm sei ver­fas­sungs­ge­mäß; daher müs­se der Vor­stand den Ein­griff in sein Per­sön­lich­keits­recht dul­den.

Das Ober­lan­des­ge­richt Köln hat sich im heu­te ver­kün­de­ten Urteil dem Stand­punkt der Spar­kas­se nicht ange­schlos­sen. Im Rah­men des einst­wei­li­gen Ver­fü­gungs­ver­fah­rens, in dem es um vor­läu­fi­gen Rechts­schutz geht, habe es die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des § 19 Abs. 5 SparkG NW selbst zu prü­fen und danach sei­ne Ent­schei­dung über das Unter­las­sungs­be­geh­ren aus­zu­rich­ten. Die Ver­öf­fent­li­chung der Bezü­ge grei­fe in das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht des Vor­stands­vor­sit­zen­den ein. Die­ser Ein­griff sei aller­dings nicht durch die Geset­zes­vor­schrift des Spar­kas­sen­ge­set­zes gerecht­fer­tigt, weil das Land Nord­rhein-West­fa­len kei­ne Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz zum Erlass der Norm gehabt habe. Das Recht des Bank- und Bör­sen­we­sens gehört zur kon­kur­rie­ren­den Gesetz­ge­bung im Sin­ne der Art. 72 und 74 des Grund­ge­set­zes. Hier steht den Län­dern die Befug­nis zur Gesetz­ge­bung nur solan­ge zu, soweit der Bund nicht von sei­ner Kom­pe­tenz Gebrauch gemacht hat. Nach Auf­fas­sung des Senats hat der Bund aber von sei­ner Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz gem. Art. 74 Abs. 1, Nr. 11 des Grund­ge­set­zes Gebrauch gemacht, indem er in § 285 Nr. 9 a des Han­dels­ge­setz­bu­ches Rege­lun­gen für die Ver­öf­fent­li­chung von Vor­stands­be­zü­gen getrof­fen hat, aller­dings nur für bör­sen­no­tier­te Pri­vat­un­ter­neh­men. Danach habe das Land für öffent­lich-recht­li­che Spar­kas­sen kei­ne eige­ne Gesetz­ge­bungs­be­fug­nis mehr gehabt. Die Ver­öf­fent­li­chung von Vor­stand­ge­häl­tern betref­fe auch nicht nur das for­mel­le Spar­kas­sen­recht, d. h. die inne­re Ver­fas­sung und Orga­ni­sa­ti­on, die das Land noch selbst regeln dürf­te, son­dern hän­ge mit dem sog. mate­ri­el­len Spar­kas­sen­recht zusam­men, für das nur der Bund gesetz­ge­bungs­be­fugt sei. Die Ver­öf­fent­li­chung der Bezü­ge sei näm­lich der wirt­schaft­li­chen Betä­ti­gung der Spar­kas­sen zuzu­ord­nen. Die Trans­pa­renz der Vor­stands­be­zü­ge betref­fe nicht nur die inne­re Struk­tur der Insti­tu­te, son­dern auch das Auf­tre­ten Drit­ten gegen­über und damit die Unter­neh­mens­po­li­tik. Gera­de auch von den Anle­gern wer­de der Fra­ge, wie­viel von sei­nem Geld in die Ver­gü­tung des Füh­rungs­per­so­nals flie­ße, erheb­li­che Bedeu­tung bei­gemes­sen.

Ein wei­te­res Rechts­mit­tel gegen das Urteil, das im einst­wei­li­gen Ver­fü­gungs­ver­fah­ren ergan­gen ist, ist nicht gege­ben. Die Fra­ge der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des § 19 Abs. 5 SparkG NW wird aber erst im Haupt­sa­che­ver­fah­ren oder nach des­sen Abschluss ver­bind­lich durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt geklärt wer­den kön­nen. Wenn das Zivil­ge­richt im Haupt­sa­che­ver­fah­ren gleich­falls von der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Vor­schrift aus­geht, hat es das Ver­fah­ren gem. Art. 100 GG aus­zu­set­zen und eine Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ein­zu­ho­len.

Ober­lan­des­ge­richt Köln, Urteil vom 9. Juni 2009 – 15 U 79/​09