Wahl­ärzt­li­che Kran­ken­haus­leis­tun­gen durch Hono­rar­ärz­te

§ 17 Abs. 3 Satz 1 KHEntgG legt den Kreis der liqui­da­ti­ons­be­rech­tig­ten Wahl­ärz­te abschlie­ßend fest. Eine Wahl­leis­tungs­ver­ein­ba­rung mit dem Kran­ken­haus­trä­ger oder eine geson­der­te Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung mit dem behan­deln­den Arzt (hier: mit einem Hono­rar­arzt), die davon abwei­chen, sind gemäß § 134 BGB nich­tig.

Wahl­ärzt­li­che Kran­ken­haus­leis­tun­gen durch Hono­rar­ärz­te

Vom Kran­ken­haus­trä­ger nicht fest ange­stell­te Hono­rar­ärz­te, die im Kran­ken­haus Ope­ra­tio­nen durch­füh­ren, kön­nen ihre ope­ra­ti­ve Tätig­keit gegen­über (Privat)Patienten daher nicht als Wahl­leis­tung im Sin­ne des § 17 Abs. 1 Satz 1 des Kran­ken­haus­ent­gelt­ge­set­zes (KHEntgG) erbrin­gen und geson­dert abrech­nen.

Unter einem Hono­rar­arzt ist ein Fach­arzt zu ver­ste­hen, der im sta­tio­nä­ren und/​oder ambu­lan­ten Bereich des Kran­ken­hau­ses ärzt­li­che Leis­tun­gen für den Kran­ken­haus­trä­ger erbringt, ohne bei die­sem ange­stellt oder als Beleg­arzt oder Kon­si­liar­arzt tätig zu sein. Er wird zeit­lich befris­tet frei­be­ruf­lich auf Hono­rar­ba­sis tätig, wobei das Hono­rar mit dem Kran­ken­haus­trä­ger frei und unab­hän­gig von den Vor­ga­ben der Gebüh­ren­ord­nung für Ärz­te ver­ein­bart wird.

Der Hono­rar­arzt in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall, ein nie­der­ge­las­se­ner Fach­arzt für Neu­ro­chir­ur­gie, hat­te die Ver­si­che­rungs­neh­me­rin des auf Hono­rar­rück­zah­lung kla­gen­den pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens im Jah­re 2010 zunächst als Pati­en­tin behan­delt und sodann in einem Kran­ken­haus ope­riert, mit des­sen Trä­ger eine Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung über eine Tätig­keit als Hono­rar­arzt bestand. Die Ver­si­che­rungs­neh­me­rin unter­zeich­ne­te vor der Auf­nah­me im Kran­ken­haus eine von dem Hono­rar­arz­tes vor­ge­leg­te "Ver­ein­ba­rung über Behand­lung gegen Pri­vat­rech­nung" und erklär­te sich mit einer pri­va­ten Abrech­nung der ärzt­li­chen Leis­tun­gen durch den Hono­rar­arz­tes ein­ver­stan­den. Zudem schloss sie mit dem Kran­ken­haus­trä­ger eine Wahl­leis­tungs­ver­ein­ba­rung ab. Dar­in wur­de der Hono­rar­arzt aller­dings nicht auf­ge­führt. Die Klä­ge­rin erstat­te­te den von der Ver­si­che­rungs­neh­me­rin an den Hono­rar­arz­tes bezahl­ten Rech­nungs­be­trag und ließ sich etwai­ge Rück­for­de­rungs­an­sprü­che gegen den Hono­rar­arz­tes abtre­ten.

Das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Amts­ge­richt Düs­sel­dorf hat den Hono­rar­arz­tes zur Hono­rar­rück­zah­lung ver­ur­teilt 1. Sei­ne Beru­fung hat das Land­ge­richt Düs­sel­dorf zurück­ge­wie­sen 2. Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun auf die vom Land­ge­richt Düs­sel­dorf in sei­nem Beru­fungs­ur­teil zuge­las­se­ne Revi­si­on des Hono­rarz­tes das land­ge­richt­li­che Urteil bestä­tigt:

Die Ver­si­che­rungs­neh­me­rin schul­de­te kei­ne geson­der­te Ver­gü­tung für die erbrach­ten ärzt­li­chen Leis­tun­gen. Der Hono­rar­arzt ist des­halb gemäß § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 BGB zur Rück­zah­lung des ohne Rechts­grund erhal­te­nen Hono­rars ver­pflich­tet.

Nach den Fest­stel­lun­gen der Vor­in­stan­zen hat der Hono­rar­arzt sei­ne ärzt­li­chen Leis­tun­gen im Kran­ken­haus B. auf der Grund­la­ge einer Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung mit der S. Kli­ni­ken GmbH als so genann­ter Hono­rar­arzt erbracht. Dar­un­ter ist ein Fach­arzt zu ver­ste­hen, der im sta­tio­nä­ren und/​oder ambu­lan­ten Bereich des Kran­ken­hau­ses ärzt­li­che Leis­tun­gen für den Kran­ken­haus­trä­ger erbringt, ohne bei die­sem ange­stellt oder als Beleg­arzt oder Kon­si­liar­arzt tätig zu sein. Er wird zeit­lich befris­tet frei­be­ruf­lich auf Hono­rar­ba­sis tätig, wobei das Hono­rar mit dem Kran­ken­haus­trä­ger frei und unab­hän­gig von den Vor­ga­ben der Gebüh­ren­ord­nung für Ärz­te ver­ein­bart wird und man­gels Anstel­lung des Hono­rar­arz­tes kei­nen tarif­ver­trag­li­chen Bin­dun­gen unter­liegt 3.

Auf­grund der zwi­schen der Ver­si­che­rungs­neh­me­rin der Klä­ge­rin und der S. Kli­ni­ken Düs­sel­dorf GmbH als Kran­ken­haus­trä­ge­rin am 12.03.2010 abge­schlos­se­nen Wahl­leis­tungs­ver­ein­ba­rung konn­te der Hono­rar­arzt kei­ne geson­der­te Berech­nung der von ihm als Ope­ra­teur erbrach­ten ärzt­li­chen Leis­tun­gen "aus eige­nem Recht" 4 vor­neh­men.

Nach den Vor­schrif­ten des Kran­ken­haus­ent­gelt­ge­set­zes in der hier maß­geb­li­chen Fas­sung des Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rungs­re­form­ge­set­zes vom 17.03.2009 5 wer­den voll­sta­tio­nä­re und teil­sta­tio­nä­re Leis­tun­gen der DRG-Kran­ken­häu­ser nach dem Kran­ken­haus­ent­gelt­ge­setz und dem Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rungs­ge­setz ver­gü­tet (§ 1 Abs. 1 KHEntgG). Unter den Ober­be­griff der Kran­ken­haus­leis­tun­gen fal­len dabei all­ge­mei­ne Kran­ken­haus­leis­tun­gen und Wahl­leis­tun­gen (§ 2 Abs. 1 Satz 1 Halb­satz 2 KHEntgG). Detail­re­ge­lun­gen zu den Wahl­leis­tun­gen ent­hält § 17 KHEntgG. Danach kann ein Pati­ent unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 17 Abs. 1 bis 3 KHEntgG eine Ver­ein­ba­rung über die Inan­spruch­nah­me wahl­ärzt­li­cher Leis­tun­gen mit dem Kran­ken­haus­trä­ger tref­fen und auf die­se Wei­se – gegen Zah­lung eines zusätz­li­chen Hono­rars – sicher­stel­len, dass ihm die per­sön­li­che Zuwen­dung und beson­de­re Qua­li­fi­ka­ti­on und Erfah­rung des von ihm gewähl­ten liqui­da­ti­ons­be­rech­tig­ten Arz­tes zuteil wird ("Chef­arzt­be­hand­lung"), und zwar ohne Rück­sicht dar­auf, ob er nach Art und Schwe­re der Erkran­kung auf die Behand­lung durch einen beson­ders qua­li­fi­zier­ten Arzt ange­wie­sen ist 6. Der Kreis der in Betracht kom­men­den Wahl­ärz­te wird durch § 17 Abs. 3 Satz 1 KHEntgG fest­ge­legt. Hier­nach erstreckt sich eine Ver­ein­ba­rung über wahl­ärzt­li­che Leis­tun­gen auf alle an der Behand­lung des Pati­en­ten betei­lig­ten ange­stell­ten oder beam­te­ten Ärz­te des Kran­ken­hau­ses, soweit die­se zur geson­der­ten Berech­nung ihrer Leis­tun­gen im Rah­men der voll­sta­tio­nä­ren und teil­sta­tio­nä­ren Behand­lung (§ 115a SGB V) berech­tigt sind, ein­schließ­lich der von die­sen Ärz­ten ver­an­lass­ten Leis­tun­gen von Ärz­ten und ärzt­lich gelei­te­ten Ein­rich­tun­gen außer­halb des Kran­ken­hau­ses (soge­nann­te Wahl­arzt- oder Liqui­da­ti­ons­ket­te; vgl. Spickhoff/​Kutlu, Medi­zin­recht, 2. Aufl., § 17 KHEntgG Rn. 11).

Von der in § 17 Abs. 3 Satz 1 KHEntgG nor­mier­ten Wahl­arzt­ket­te wer­den somit nicht alle an der Behand­lung betei­lig­ten Ärz­te, son­dern nur bestimm­te Ärz­te erfasst. Der Hono­rar­arzt fällt nicht dar­un­ter.

In der Wahl­leis­tungs­ver­ein­ba­rung ist er weder als Wahl­arzt noch als "gewünsch­ter" Stell­ver­tre­ter des Wahl­arz­tes auf­ge­führt 7.

Nach dem ein­deu­ti­gen Wort­laut des § 17 Abs. 3 Satz 1 KHEntgG erstreckt sich eine Wahl­leis­tungs­ver­ein­ba­rung, deren wirk­sa­mer Abschluss Grund­la­ge für die Abrech­nung wahl­ärzt­li­cher Leis­tun­gen ist 8, auf ange­stell­te und beam­te­te Kran­ken­haus­ärz­te, denen der Kran­ken­haus­trä­ger das Liqui­da­ti­ons­recht ein­ge­räumt hat. Nie­der­ge­las­se­ne Hono­rar­ärz­te wie der Hono­rar­arzt, die auf Grund eines Koope­ra­ti­ons­ver­trags im Kran­ken­haus tätig wer­den, ohne dort ange­stellt zu sein, sind jedoch weder Beam­te noch Ange­stell­te des Kran­ken­hau­ses 9.

Dar­über hin­aus erstreckt sich eine Wahl­leis­tungs­ver­ein­ba­rung gemäß § 17 Abs. 3 Satz 1 letz­ter Halb­satz KHEntgG auch auf die Leis­tun­gen von Ärz­ten und ärzt­lich gelei­te­ten Ein­rich­tun­gen außer­halb des Kran­ken­hau­ses, soweit die­se Leis­tun­gen im Rah­men der Behand­lung des Pati­en­ten von ange­stell­ten oder beam­te­ten Kran­ken­haus­ärz­ten mit eige­nem Liqui­da­ti­ons­recht ver­an­lasst wer­den. Die­ses Kri­te­ri­um trifft auf die Tätig­keit des Hono­rarz­tes nicht zu. Die Ope­ra­ti­on der Ver­si­che­rungs­neh­me­rin erfolg­te nicht außer­halb des Kran­ken­hau­ses, son­dern stell­te die vom Kran­ken­haus­trä­ger geschul­de­te Haupt­be­hand­lungs­leis­tung dar, die von dem Hono­rar­arz­tes auf Grund des Koope­ra­ti­ons­ver­trags gegen­über dem Kran­ken­haus erbracht wur­de. Zudem hat der Hono­rar­arzt sei­ne ärzt­li­chen Leis­tun­gen auch nicht als exter­ner Wahl­arzt "auf Ver­an­las­sung" eines ange­stell­ten oder beam­te­ten Kran­ken­haus­arz­tes mit eige­ner Liqui­da­ti­ons­be­rech­ti­gung aus­ge­führt.

Der Kreis der liqui­da­ti­ons­be­rech­tig­ten Wahl­ärz­te wird auch nicht durch § 17 Abs. 1 Satz 2 KHEntgG erwei­tert. Die­se Rege­lung betrifft die Erbrin­gung dia­gnos­ti­scher und the­ra­peu­ti­scher Leis­tun­gen als Wahl­leis­tun­gen durch einen Arzt, ohne dass die­ser beim Kran­ken­haus ange­stellt oder ver­be­am­tet sein müss­te. § 17 Abs. 1 Satz 2 KHEntgG befasst sich jedoch ersicht­lich nur mit so genann­ten medi­zi­ni­schen Wahl­leis­tun­gen (Anwen­dung einer bestimm­ten Metho­de, Ein­satz eines bestimm­ten Pro­dukts) und nicht mit der Per­son des Leis­ten­den. Wahl­ärzt­li­che Fra­gen sind nicht Gegen­stand der Vor­schrift 10.

Die Pati­en­tin schul­det auch aus dem mit dem Kran­ken­haus­trä­ger bezie­hungs­wei­se mit der Gemein­schafts­pra­xis getrof­fe­nen "Ver­ein­ba­rung über Behand­lung gegen Pri­vat­rech­nung" kein geson­der­tes Ent­gelt für die vom Hono­rar­arzt erbrach­ten ärzt­li­chen Leis­tun­gen.

§ 17 Abs. 3 Satz 1 KHEntgG legt den Kreis der liqui­da­ti­ons­be­rech­tig­ten Wahl­ärz­te abschlie­ßend fest. Es han­delt sich um eine dem Schutz des Pri­vat­pa­ti­en­ten die­nen­de zwin­gen­de preis­recht­li­che Norm 11. Hier­von kann auch nicht im Wege einer unmit­tel­bar zwi­schen dem behan­deln­den (nicht liqui­da­ti­ons­be­rech­tig­ten) Hono­rar­arzt und dem Pati­en­ten zustan­de gekom­me­nen indi­vi­du­el­len Ver­gü­tungs­ab­re­de abge­wi­chen wer­den. Das Beru­fungs­ge­richt ist des­halb zu Recht davon aus­ge­gan­gen, dass die "Ver­ein­ba­rung über Behand­lung gegen Pri­vat­rech­nung" vom 10.03.2010 gemäß § 134 BGB nich­tig ist. Die Auf­fas­sung der Revi­si­on, § 17 Abs. 3 Satz 1 KHEntgG ste­he einer sol­chen, von nicht am Kran­ken­haus ange­stell­ten oder beam­te­ten Hono­rar­ärz­ten getrof­fe­nen "exter­nen Wahl­leis­tungs­ver­ein­ba­rung" nicht ent­ge­gen, weil es allein dar­auf ankom­me, dass der Pati­ent aus­rei­chend über die Ent­gel­te der Wahl­leis­tun­gen unter­rich­tet wer­de und die Ver­ein­ba­rung über die Wahl­leis­tun­gen schrift­lich erfol­ge 12, ver­mag nicht zu über­zeu­gen.

§ 17 Abs. 3 Satz 1 KHEntgG ist sei­nem Wort­laut nach ein­deu­tig und schließt die Abrech­nung wahl­ärzt­li­cher Leis­tun­gen durch selb­stän­di­ge Hono­rar­ärz­te aus. Indem der Kreis der liqui­da­ti­ons­be­rech­tig­ten Ärz­te posi­tiv beschrie­ben wird, wird zugleich nega­tiv gere­gelt, dass ande­ren Ärz­ten ein Liqui­da­ti­ons­recht nicht zusteht. Wäre die Gegen­auf­fas­sung zutref­fend, könn­te die Anzahl der liqui­da­ti­ons­be­rech­tig­ten Ärz­te durch blo­ße Ver­ein­ba­rung über eine Behand­lung gegen Pri­vat­rech­nung frei bestimmt wer­den. Die vom Gesetz­ge­ber im Norm­text ein­deu­tig zum Aus­druck gebrach­te Begren­zung auf ange­stell­te oder beam­te­te Ärz­te wür­de leer lau­fen 13.

Dar­über hin­aus wider­spricht eine Aus­le­gung des § 17 Abs. 3 Satz 1 KHEntgG dahin­ge­hend, dass eine direk­te Abrech­nungs­mög­lich­keit der Hono­rar­ärz­te gegen­über Pati­en­ten jeder­zeit frei ver­ein­bart wer­den kön­ne, dem Sinn und Zweck des Abschlus­ses einer Wahl­leis­tungs­ver­ein­ba­rung. Der Pati­ent schließt einen sol­chen Ver­trag im Ver­trau­en auf die beson­de­ren Erfah­run­gen und die her­aus­ge­ho­be­ne medi­zi­ni­sche Kom­pe­tenz des von ihm aus­ge­wähl­ten Arz­tes ("Chef­arzt­be­hand­lung"), die er sich in Sor­ge um sei­ne Gesund­heit gegen Bezah­lung einer geson­der­ten Ver­gü­tung sichern will 14. Dem Pati­en­ten geht es also dar­um, sich über den Fach­arzt­stan­dard hin­aus, der bei der Erbrin­gung all­ge­mei­ner Kran­ken­haus­leis­tun­gen ohne­hin geschul­det ist, die Leis­tun­gen hoch­qua­li­fi­zier­ter Spe­zia­lis­ten "hin­zu­zu­kau­fen" 15. Die­se, ein zusätz­li­ches Ent­gelt erst recht­fer­ti­gen­de her­aus­ge­ho­be­ne ärzt­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on ("Chef­arzt­stan­dard") kann nicht bei allen Hono­rar­ärz­ten von vorn­her­ein gleich­sam "auto­ma­tisch" ange­nom­men wer­den. In die­sem Zusam­men­hang wird in der Lite­ra­tur zu Recht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Berech­nung eines geson­der­ten Ent­gelts für wahl­ärzt­li­che Leis­tun­gen grund­sätz­lich in Fra­ge gestellt wür­de, wenn die Leis­tun­gen gewis­ser­ma­ßen "jeder" Hono­rar­arzt berech­nen könn­te, und zwar auch dann, wenn er nur den bei all­ge­mei­nen Kran­ken­haus­leis­tun­gen gefor­der­ten Fach­arzt­stan­dard leis­tet 16.

Die Gegen­an­sicht ver­kennt somit den Sinn und Zweck der mit § 17 Abs. 3 Satz 1 KHEntgG ermög­lich­ten ärzt­li­chen Wahl­leis­tung, wenn sie allein dar­auf abstel­len will, dass Hono­rar­ärz­ten eine unmit­tel­ba­re Pri­vat­li­qui­da­ti­on gegen­über dem Pati­en­ten bereits dann zu gestat­ten sei, wenn die Ent­gel­te für die Wahl­leis­tun­gen in kei­nem unan­ge­mes­se­nen Ver­hält­nis zu den Leis­tun­gen stün­den (§ 17 Abs. 1 Satz 3 KHEntgG), die Wahl­leis­tun­gen schrift­lich ver­ein­bart wür­den und der Pati­ent schrift­lich über die Ent­gel­te für die Wahl­leis­tun­gen und deren Inhalt unter­rich­tet wer­de (§ 17 Abs. 2 Satz 1 KHEntgG).

Auf das BGH_​Urteil vom 04.11.2010 17 kann sich der Hono­rar­arzt zur Begrün­dung sei­ner abwei­chen­den Auf­fas­sung nicht beru­fen. Die Ent­schei­dung betrifft den Anspruch eines exter­nen Arz­tes gegen einen Wahl­leis­tungs­pa­ti­en­ten auf Ersatz von Aus­la­gen für auf­ge­wen­de­te Sach­kos­ten. Der Pati­ent hat­te die pri­va­te, per­sön­li­che Bera­tung und Behand­lung durch die liqui­da­ti­ons­be­rech­tig­ten Wahl­ärz­te des Kran­ken­hau­ses ver­ein­bart. Auf deren Ver­an­las­sung wur­de in einer Gemein­schafts­pra­xis für Rönt­ge­no­lo­gie und Nukle­ar­me­di­zin eine Angio­gra­phie mit anschlie­ßen­der Dila­ta­ti­on der Arte­ri­en vor­ge­nom­men. Der Bun­des­ge­richts­hof ging des­halb davon aus, dass die Ärz­te der Gemein­schafts­pra­xis auf Grund der Ver­ein­ba­rung wahl­ärzt­li­cher Leis­tun­gen "nach Maß­ga­be des § 17 Abs. 3 Satz 1 KHEntgG" auf Ver­an­las­sung der liqui­da­ti­ons­be­rech­tig­ten Ärz­te des Kran­ken­hau­ses, das den Pati­en­ten zur sta­tio­nä­ren Behand­lung auf­ge­nom­men hat­te, tätig gewor­den sind 18. Die Ent­schei­dung kann somit gera­de nicht dafür her­an­ge­zo­gen wer­den, um Hono­rar­ärz­ten die Mög­lich­keit ein­zu­räu­men, wahl­ärzt­li­che Leis­tun­gen unmit­tel­bar gegen­über dem Pati­en­ten zu liqui­die­ren 19.

Auch die Sys­te­ma­tik der §§ 17 ff KHEntgG spricht gegen eine Berech­ti­gung des Hono­rar­arz­tes zur Liqui­da­ti­on wahl­ärzt­li­cher Leis­tun­gen. In § 17 KHEntgG fin­den sich Detail­re­ge­lun­gen zu den Wahl­leis­tun­gen. § 18 KHEntgG befasst sich mit dem Beleg­arzt­we­sen. Im Rah­men der Kos­ten­er­stat­tung nach§ 19 KHEntgG, einer die §§ 17, 18 KHEntgG ergän­zen­den Norm, dif­fe­ren­ziert der Gesetz­ge­ber zwi­schen den Leis­tun­gen der Beleg­ärz­te in Absatz 1 und den wahl­ärzt­li­chen Leis­tun­gen in Absatz 2, die ein "Arzt des Kran­ken­hau­ses" nach § 17 Abs. 3 KHEntgG geson­dert berech­nen kann. § 19 Abs. 3 KHEntgG regelt die Kos­ten­er­stat­tung bei sons­ti­gen voll- oder teil­sta­tio­nä­ren Leis­tun­gen. Gemeint sind hier Leis­tun­gen, die der Arzt selbst berech­nen darf, die aber kei­ne wahl­ärzt­li­che Leis­tung im Sin­ne von § 17 Abs. 3 KHEntgG sind, zum Bei­spiel eine ärzt­li­che Gut­ach­ter­leis­tung, die Zweck der sta­tio­nä­ren Kran­ken­haus­auf­nah­me war 20. In der Rege­lung der Kos­ten­er­stat­tung in § 19 Abs. 1 bis 3 KHEntgG kommt somit der Wil­le des Gesetz­ge­bers, dass exter­ne Ärz­te, die die Vor­aus­set­zun­gen des § 17 Abs. 3 Satz 1 KHEntgG nicht erfül­len, kei­ne wahl­ärzt­li­chen Leis­tun­gen abrech­nen kön­nen, erneut zum Aus­druck.

Dass es dem gesetz­ge­be­ri­schen Zweck des § 17 Abs. 3 Satz 1 KHEntgG ent­spricht, den Kreis der liqui­da­ti­ons­be­rech­tig­ten Wahl­ärz­te abschlie­ßend fest­zu­le­gen und die geson­der­te Abrech­nung ärzt­li­cher Wahl­leis­tun­gen durch Hono­rar­ärz­te zu ver­bie­ten, lässt sich auch anhand der Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Norm ohne wei­te­res nach­voll­zie­hen.

Nach § 6 Satz 4 der Bun­des­pfle­ge­satz­ver­ord­nung vom 25.04.1973 21 konn­te die Wahl des Pati­en­ten, sofern ärzt­li­che Leis­tun­gen als geson­dert bere­chen­ba­re Leis­tun­gen ange­bo­ten wur­den, nicht auf ein­zel­ne liqui­da­ti­ons­be­rech­tig­te Ärz­te des Kran­ken­hau­ses beschränkt wer­den. Gemäß § 7 Abs. 3 Satz 1 der Bun­des­pfle­ge­satz­ver­ord­nung vom 21.08.1985 22, der Nach­fol­ge­vor­schrift zu § 6 Satz 4 BPflV 1973, erfass­te eine Wahl­leis­tungs­ver­ein­ba­rung alle an der Behand­lung des Pati­en­ten betei­lig­ten und liqui­da­ti­ons­be­rech­tig­ten Ärz­te des Kran­ken­hau-ses, ein­schließ­lich der von die­sen Ärz­ten ver­an­lass­ten Leis­tun­gen von Ärz­ten außer­halb des Kran­ken­hau­ses. Soweit die Revi­si­on unter Beru­fung auf die Ver­ord­nungs­be­grün­dung 23 gel­tend macht, die neue Vor­schrift habe eine Wahl­leis­tungs­ver­ein­ba­rung unein­ge­schränkt auch auf ärzt­li­che Leis­tun­gen Drit­ter außer­halb des Kran­ken­hau­ses erstreckt, gibt sie die Geset­zes­ma­te­ria­li­en, was in der Revi­si­ons­er­wi­de­rung zu Recht bean­stan­det wird, nur ver­kürzt wie­der. Aus der Ver­ord­nungs­be­grün­dung ergibt sich viel­mehr, dass sich eine Wahl­leis­tungs­ver­ein­ba­rung auf ärzt­li­che Leis­tun­gen Drit­ter außer­halb des Kran­ken­hau­ses – zum Bei­spiel Leis­tun­gen von Ärz­ten ande­rer Kran­ken­häu­ser oder von nie­der­ge­las­se­nen Ärz­ten – nur erstreck­te, soweit die­se Leis­tun­gen im Rah­men der Behand­lung des Pati­en­ten "von liqui­da­ti­ons­be­rech­tig­ten Ärz­ten des Kran­ken­hau­ses ver­an­lasst wer­den". Zugleich soll­te ver­deut­licht wer­den, dass nicht sämt­li­che Leis­tun­gen der liqui­da­ti­ons­be­rech­tig­ten Ärz­te erfasst wur­den, son­dern nur Leis­tun­gen, zu deren geson­der­ter Berech­nung die Ärz­te des Kran­ken­hau­ses nach dem Ver­trag mit dem Kran­ken­haus­trä­ger oder ent­spre­chen­den beam­ten­recht­li­chen Rege­lun­gen berech­tigt waren 24. Die­ser durch § 7 Abs. 3 Satz 1 BPflV 1986 beschränk­te Kreis liqui­da­ti­ons­be­rech­tig­ter Ärz­te wur­de sodann bei der Neu­ord­nung des Pfle­ge­satz­rechts durch die Pfle­ge­satz­ver­ord­nung vom 16.09.1994 25 in § 22 Abs. 3 Satz 1 wort­gleich über­nom­men. Das Kran­ken­haus­ent­gelt­ge­setz vom 23.04.2004 26 brach­te eine wei­te­re Ein­schrän­kung auf "ange­stell­te und beam­te­te Ärz­te des Kran­ken­hau­ses". Die Gesetz­ge­bungs­ge­schich­te belegt somit, dass der Gesetz­ge­ber den Kreis der liqui­da­ti­ons­be­rech­tig­ten Wahl­ärz­te kon­ti­nu­ier­lich ein­ge­engt hat und zu kei­nem Zeit­punkt Dritt­ärz­ten ohne Ver­an­las­sung durch einen liqui­da­ti­ons­be­rech­tig­ten Kran­ken­haus­arzt ein eige­nes Liqui­da­ti­ons­recht ein­räu­men wollte.Die – vor­lie­gend noch nicht ein­schlä­gi­gen – Ände­run­gen des § 2 KHEntgG durch das Psych-Ent­gelt­ge­setz vom 21.07.2012 27 spre­chen dafür, dass der Gesetz­ge­ber wei­ter­hin dar­an fest­hal­ten will, im Kran­ken­haus nicht fest ange­stell­ten Ärz­ten eine geson­der­te Berech­nung von Wahl­leis­tun­gen zu ver­sa­gen. § 2 Abs. 1 Satz 1 KHEntgG nF stellt nun­mehr aus­drück­lich klar, dass eine ärzt­li­che Kran­ken­haus­be­hand­lung auch durch nicht fest ange­stell­te Ärz­te erfol­gen kann. In der Geset­zes­be­grün­dung wird hier­zu aus­ge­führt, durch die Neu­re­ge­lung wer­de gesetz­lich ver­an­kert, dass Kran­ken­häu­ser ihre "all­ge­mei­nen Kran­ken­haus­leis­tun­gen" auch durch nicht fest im Kran­ken­haus ange­stell­te Ärz­te erbrin­gen kön­nen. Wahl­ärzt­li­che Leis­tun­gen wer­den nicht erwähnt 28. Damit kor­re­spon­diert der neue § 2 Abs. 3 KHEntgG, der die Kran­ken­häu­ser ver­pflich­tet, bei der Erbrin­gung "all­ge­mei­ner Kran­ken­haus­leis­tun­gen" durch nicht im Kran­ken­haus fest ange­stell­te Ärz­te sicher­zu­stel­len, dass die­se für ihre Tätig­keit im Kran­ken­haus die glei­chen Anfor­de­run­gen erfül­len, wie sie auch für fest im Kran­ken­haus ange­stell­te Ärz­te gel­ten. Dafür, dass der Gesetz­ge­ber die Frei­ga­be ärzt­li­cher Wahl­leis­tun­gen für Hono­rar­ärz­te nicht gestat­ten woll­te, spricht fer­ner, dass § 17 Abs. 3 Satz 1 KHEntgG durch das Psych-Ent­gelt­ge­setz unver­än­dert geblie­ben ist 29.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. Okto­ber 2014 – III ZR 85/​14

  1. AG Düs­sel­dorf – Urteil vom 16.04.2012 – 39 C 11058/​11[]
  2. LG Düs­sel­dorf – Urteil vom 06.03.2014 – 21 S 186/​12[]
  3. Quaas/​Zuck, Medi­zin­recht, 3. Aufl., § 16 Rn. 146; Ben­der, GesR 2013, 449; Clau­sen, ZMGR 2012, 248, 249[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 19.02.1998 – III ZR 169/​97, BGHZ 138, 91, 97[]
  5. BGBl. I S. 534[]
  6. BGH, Urtei­le vom 19.02.1998 aaO S. 96; und vom 20.12 2007 – III ZR 144/​07, BGHZ 175, 76 Rn. 7[]
  7. dazu Ben­der aaO S. 452; vgl. all­ge­mein zur Mög­lich­keit einer Stell­ver­tre­ter­re­ge­lung in Wahl­leis­tungs­ver­ein­ba­run­gen: BGH, Urteil vom 20.12 2007 – III ZR 144/​07, BGHZ 175, 76, 79 ff[]
  8. dazu BGH, Urteil vom 19.02.1998 aaO S. 98[]
  9. s. auch Clau­sen in Ratzel/​Luxenburger, Hand­buch Medi­zin­recht, 2. Aufl., § 18 Rn. 39; der­sel­be, ZMGR aaO S. 254[]
  10. Ben­der aaO S. 450[]
  11. vgl. Ben­der aaO S. 453[]
  12. s. auch Land­ge­richt Würz­burg, GesR 2012, 432; Spickhoff/​Kutlu aaO § 17 KHEntgG Rn. 13[]
  13. vgl. Land­ge­richt Kiel, GesR 2014, 34; Clau­sen in Ratzel/​Luxenburger aaO § 18 Rn. 39; Ben­der aaO S. 451; Clau­sen, ZMGR aaO S. 255[]
  14. BGH, Urteil vom 20.12 2007 – III ZR 144/​07, BGHZ 175, 76 Rn. 7[]
  15. BGH, Urteil vom 19.02.1998 – III ZR 169/​97, BGHZ 138, 91, 96[]
  16. Clau­sen, ZMGR aaO S. 255; s. auch Quaas/​Zuck aaO § 16 Rn. 161[]
  17. BGH; Urteil vom 04.11.2010 – III ZR 323/​09, BGHZ 187, 279[]
  18. BGH, Urteil aaO Rn. 5[]
  19. eben­so Clau­sen, ZMGR aaO S. 255[]
  20. Spickhoff/​Kutlu aaO § 19 KHEntgG Rn. 5[]
  21. BPflV 1973; BGBl. I S. 333[]
  22. BPflV 1986; BGBl. I S. 1666[]
  23. BR-Drs. 269/​84 S. 12[]
  24. BR-Drs. 269/​84 S.12[]
  25. BPflV 1995; BGBl. I S. 2750[]
  26. BGBl. I S. 1412, 1422[]
  27. BGBl. I S. 1613[]
  28. BT-Drs. 17/​9992 S. 26[]
  29. vgl. auch Quaas/​Zuck aaO § 16 Rn. 161; Clau­sen, ZMGR aaO S. 250 f[]