Waren­dor­fer Pra­li­nen­streit – oder: Pfer­de­äp­pel sind kei­ne Pfer­de­l­ecker­li

Waren­dorf ist eine klei­ne Stadt im West­fä­li­schen. Aber sie ist wohl jeder­mann bekannt durch die jähr­li­chen Hengst­pa­ra­den des dort ansäs­si­gen Nord­rhein-West­fä­li­schen Land­ge­stüts.

Waren­dor­fer Pra­li­nen­streit – oder: Pfer­de­äp­pel sind kei­ne Pfer­de­l­ecker­li

Und was machen in einer sol­chen klei­nen, pfer­de­ver­rück­ten Stadt die ört­li­chen Cafes und Kon­fi­se­ri­en? Sie benen­nen ihre Pra­li­nen­crea­tio­nen als „Waren­dor­fer Pfer­de­äp­pel“ oder als „Waren­dor­fer Pfer­de­l­ecker­li“. Logisch oder? Denn wer nascht nischt ger­ne frisch geleg­te Pfer­de­äp­fel? Und Lecker­lis für die Pfer­de – die müs­sen ein­fach gut schme­cken…

Da aber bei der Pra­li­ne des Kon­kur­ren­ten bekannt­lich jede pfer­de­ver­narr­te Freund­lich­keit auf­hört, muss­ten sich mit dem "Waren­dor­fer Pra­li­nen­streit" zuerst das Land­ge­richt Bie­le­feld und dann auch noch das Ober­lan­des­ge­richt Hamm beschäf­ti­gen.

Warendorfer-PferdeäppelWor­um geht es?
Der Beklag­te ver­treibt in sei­nem Waren­dor­fer Geschäfts­lo­kal und über das Inter­net Pra­li­nen unter der Bezeich­nung „Waren­dor­fer Pfer­de­äp­pel“. Er ist seit 2003 Inha­ber der für Waren der Klas­se 30 ein­ge­tra­ge­nen Wort-/Bild­mar­ke „Waren­dor­fer Pfer­de­äp­pel“.

Seit 2009 ver­treibt der Klä­ger gemein­sam mit einem Hote­lier in einem Betrieb und über das Inter­net eine Scho­ko­la­den-Trüf­fel-Spe­zia­li­tät, die mit „Waren­dor­fer Pfer­de­l­ecker­li“ bezeich­net ist.

Der Beklag­te sah dar­in eine Ver­let­zung sei­ner Mar­ke und mach­te mit sei­ner Wider­kla­ge u. a. Unter­las­sungs­an­sprü­che gegen sei­ne Kon­kur­ren­ten gel­tend. Und blieb damit sowohl vor dem Land­ge­richt Bie­le­feld wie vor dem Ober­lan­des­ge­richt Hamm ohne Erfolg:

Zwi­schen der ein­ge­tra­ge­nen Wort-/Bild­mar­ke „Waren­dor­fer Pfer­de­äp­pel“ und dem von einem Kon­kur­ren­ten benutz­ten Zei­chen „Waren­dor­fer Pfer­de­l­ecker­li“ besteht kei­ne Ver­wechs­lungs­ge­fahr, urteil­te das Ober­lan­des­ge­richt Hamm und bestä­tig­te damit die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung des Land­ge­richts Bie­le­feld 1.

Die für einen Unter­las­sungs­an­spruch erfor­der­li­che Ver­wechs­lungs­ge­fahr zwi­schen der Mar­ke „Waren­dor­fer Pfer­de­äp­pel“ und der benut­zen Zei­chen „Waren­dor­fer Pfer­de­l­ecker­li“ besteht nach Ein­schät­zung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm nicht. Der ört­li­che aber auch über­ört­li­che Ver­brau­cher­markt ori­en­tie­re sich nicht an der Her­kunfts­be­zeich­nung „Waren­dorf“. Die Wort­be­stand­tei­le unter­schie­den sich nach Klang, Schrift­bild und ins­be­son­de­re Wort­sinn ganz erheb­lich. „Pfer­de­l­ecker­li“ sei­en als lecke­re ergän­zen­de Zuga­be zum (genuss­rei­chen) Essen oder Fres­sen bestimmt, wenn auch im eigent­li­chen Wort­sinn durch Pfer­de. „Pfer­de­äp­pel“ als

Exkre­men­te sei­en läs­ti­ge Fol­ge auch guter Ernäh­rung der Pfer­de. Pra­li­nen ver­frem­det als „Pfer­de­äp­pel“ zu beschrei­ben sei ori­gi­nell und wer­de vom Ver­brau­cher in Erin­ne­rung gehal­ten. Dies gel­te nicht in glei­cher Wei­se für die Bezeich­nung von Pra­li­nen als „Pfer­de­l­ecker­li“. Nicht nur „Pfer­de­äp­pel“ und „Pfer­de­l­ecker­li“ wür­den von Ver­brau­chern aus­ein­an­der­ge­hal­ten, son­dern auch „Waren­dor­fer Pfer­de­äp­pel“ und „Waren­dor­fer Pfer­de­l­ecker­li“.

War doch eigent­lich klar: Wel­ches Pferd lässt sich sei­ne Äpfel wie­der als Lecker­li andre­hen? Pfer­de sind schließ­lich intel­li­gen­te Tie­re.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 24. Mai 2011 – I-4 U 216/​10)

  1. LG Bie­le­feld, Urteil vom 09.11.2010 – 10 O 54/​10[]