weib­lich, ledig, jung sucht …

…gro­ßen behaar­ten Schmu­se­ka­ter“. Ver­dient so etwas den Schutz des Urhe­ber­rechts im Land der Dich­ter, Den­ker und Urhe­ber? Ja. Meint in einem ähn­li­chen Fall zumin­dest das Land­ge­richt Mün­chen I.

<span class=„weib­lich, ledig, jung sucht …" title=" „weiblich, ledig, jung sucht …" srcset="https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/laptop-1280536_1920-1.jpg 1920w, https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/laptop-1280536_1920-1-300x175.jpg 300w, https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/laptop-1280536_1920-1-768x449.jpg 768w, https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/laptop-1280536_1920-1-1024x598.jpg 1024w" sizes="(max-width: 880px) 100vw, 880px">

Mit der Fra­ge der Schutz­fä­hig­keit von Hei­rats­an­non­cen (übri­gens nicht der obi­gen) muss­te sich jetzt das Land­ge­richt Mün­chen I befas­sen. Auf­ge­kom­men war die Fra­ge im Streit zwei­er Part­ner­ver­mitt­le­rin­nen, die bei­de dem Lie­bes­glück der obe­ren 10.000 auf die Sprün­ge hel­fen wol­len. Die Klä­ge­rin staun­te nicht schlecht, als sie eines schö­nen Tages die von ihr ver­fass­ten Annon­cen für einen mil­lio­nen­schwe­ren Super­ty­pen und die Toch­ter aus bes­tem Indus­tri­el­len-Hau­se (obzwar 37 Jah­re alt – natür­lich – aus­se­hend wie 28) im Hei­rats­markt einer Zei­tung wie­der­fand. Inse­riert hat­te aller­dings die Kon­kur­renz. Der Mil­lio­när war zwar offen­sicht­lich von einer Annon­ce zur ande­ren um einen Zen­ti­me­ter geschrumpft. Ansons­ten gli­chen sich die Annon­cen aber fast bis auf’s i‑Tüpfelchen. Die Klä­ge­rin wuss­te auch nichts davon, dass der Mil­lio­när nun unter den Fit­ti­chen der Beklag­ten sein Glück ver­such­te. So oder so: Das Abkup­fern woll­te sie der Kon­kur­ren­tin nicht durch­ge­hen las­sen. Die Klä­ge­rin ließ die Beklag­te also abmah­nen, blieb aber auf den Kos­ten für den Rechts­an­walt sit­zen. Die­se klag­te sie nun ein.

Vor Gericht strit­ten die bei­den Hei­rats­ver­mitt­le­rin­nen dann dar­um, ob die Beklag­te über­haupt abge­schrie­ben hat – schließ­lich, so mein­te die Beklag­te, sei doch ganz klar, dass bei der Beschrei­bung der iden­ti­schen Per­son auch ein ähn­li­cher Text her­aus­kom­men müs­se. Außer­dem wur­de dar­um gestrit­ten, ob es nicht erlaubt sein muss, sol­che Tex­te abzu­schrei­ben.

Das Gericht gab schließ­lich der Klä­ge­rin Recht:

Es besteht auch nicht der gerings­te Zwei­fel dar­an, dass die Beklag­te abge­schrie­ben hat. Ange­sichts der gera­de­zu uner­schöpf­li­chen Viel­falt der Mög­lich­kei­ten, ein- und die­sel­be Per­son in einer sol­chen Annon­ce dar­zu­stel­len, kann die Beklag­te dem Gericht nicht weis­ma­chen, dass sie den Text der Klä­ge­rin nicht – unter Vor­nah­me gering­fü­gi­ger Ände­run­gen – abge­schrie­ben hat.“

Außer­dem hielt das Gericht die kon­kre­te Annon­ce für schutz­fä­hig:

Die Annon­cen der Klä­ge­rin sind in Wort­wahl und Stil gekonnt auf den ange­spro­che­nen (eli­tä­ren) Per­so­nen­kreis zuge­schnit­ten; schon dar­in ist eine indi­vi­du­ell-schöp­fe­ri­sche Leis­tung zu sehen. Es ist auch – ent­ge­gen der Ansicht der Beklag­ten – nicht etwa so, dass die Tex­te durch die zu beschrei­ben­den Per­so­nen weit­ge­hend vor­ge­ge­ben sind – wie das etwa für die Beschrei­bung eines Staub­saugers zutref­fen mag. Bei der Beschrei­bung und Cha­rak­te­ri­sie­rung einer Per­son lässt sich nicht nur die nahe­zu uner­schöpf­li­che Viel­falt der Spra­che, son­dern ins­be­son­de­re auch die gan­ze Band­brei­te der mensch­li­chen Wahr­neh­mung zur Gel­tung brin­gen. So leis­tet in den Annon­cen der Klä­ge­rin auch die Aus­wahl der Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten eben­so wie deren sprach­li­che Umset­zung einen Bei­trag zur indi­vi­du­ell-schöp­fe­ri­sche Leis­tung.“

Land­ge­richt Mün­chen I, Urteil vom 12. Novem­ber 2008 – 21 O 3262/​08 (nicht rechts­kräf­tig)