Wein­prü­fun­gen

Die Ent­schei­dung einer bei der zustän­di­gen Behör­de gebil­de­ten Sach­ver­stän­di­gen­kom­mis­si­on, dass ein Wein nicht feh­ler­frei sei und ihm des­halb die amt­li­che Prüf­num­mer als "Qua­li­täts­wein b.A." nicht erteilt wer­den kön­ne, kann vor Gericht nur ein­ge­schränkt, näm­lich nur auf Ein­hal­tung der gel­ten­den Ver­fah­rens­re­geln und auf Beach­tung der gesetz­li­chen und fach­li­chen Wer­tungs­maß­stä­be hin über­prüft wer­den. Das hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig heu­te ent­schie­den. Damit hat es sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung geän­dert.

Wein­prü­fun­gen

Geklagt hat­te ein Win­zer aus Rhein­land-Pfalz, des­sen "Spät­bur­gun­der Rot­wein" des Jahr­gangs 2003 die amt­li­che Prüf­num­mer ver­wei­gert wor­den war, nach­dem er in zwei Wein­prü­fun­gen jeweils die erfor­der­li­che Min­dest­punkt­zahl nicht erreicht hat­te. Der Klä­ger bemän­gel­te, dass das Urteil der Sach­ver­stän­di­gen­kom­mis­sio­nen nach dem Durch­schnitt der Ein­zel­be­wer­tun­gen aller Prü­fer gebil­det wor­den sei. Damit sei über­gan­gen wor­den, dass jeden­falls bei der zwei­ten Wein­prü­fung die Mehr­zahl der Prü­fer die Min­dest­punkt­zahl erteilt habe. Das Ver­wal­tungs­ge­richt gab dem Klä­ger Recht; nach sei­ner Ansicht hät­te in der Sach­ver­stän­di­gen­kom­mis­si­on nach Mehr­heit abge­stimmt wer­den müs­sen. Wäh­rend des Beru­fungs­ver­fah­rens wur­de der Wein erneut geprüft und nun­mehr für feh­ler­frei erach­tet; dar­auf­hin wur­de die amt­li­che Prüf­num­mer erteilt.

Der Klä­ger hat noch die Fest­stel­lung begehrt, dass die ursprüng­li­che Ver­sa­gung der amt­li­chen Prüf­num­mer rechts­wid­rig gewe­sen sei; dadurch habe er sei­nen Wein um mehr als ein Jahr spä­ter als beab­sich­tigt ver­mark­ten kön­nen, wor­aus ihm Scha­den ent­stan­den sei. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz hat die­se Kla­ge abge­wie­sen. Es las­se sich nicht fest­stel­len, dass die der Ver­sa­gung zugrun­de­lie­gen­den Ent­schei­dun­gen der Sach­ver­stän­di­gen­kom­mis­sio­nen rechts­wid­rig gewe­sen sei­en. Ent­ge­gen der Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts hät­ten die Kom­mis­sio­nen ihre Ent­schei­dung mit Recht nach dem Durch­schnitts­prin­zip gebil­det, wie es das Lan­des­recht von Rhein­land-Pfalz vor­se­he. Der Klä­ger kön­ne heu­te auch nicht mehr nach­wei­sen, dass sein Wein zum dama­li­gen Zeit­punkt feh­ler­frei gewe­sen sei; denn der Wein habe sich in der Zwi­schen­zeit ver­än­dert. Aus die­sem Grun­de las­se sich auch der wäh­rend des Beru­fungs­ver­fah­rens durch­ge­führ­ten ? drit­ten ? Wein­prü­fung inso­fern nichts ent­neh­men.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Revi­si­on des Klä­gers gegen die­ses Urteil jetzt zurück­ge­wie­sen. Aller­dings hat es her­vor­ge­ho­ben, dass die Fra­ge, ob der Wein sei­ner­zeit tat­säch­lich feh­ler­frei war, im Pro­zess nicht voll­stän­dig über­prüft wer­den kön­ne. Nach euro­päi­schem Gemein­schafts­recht und nach Bun­des­recht sei über die Ertei­lung der amt­li­chen Prüf­num­mer für Qua­li­täts­wein unter ande­rem auf­grund einer sog. Sin­nen­prü­fung zu ent­schei­den, in der der Wein auf Aus­se­hen (Klar­heit und Far­be), Geruch und Geschmack geprüft wer­de. Die­se Prü­fung oblie­ge einer Kom­mis­si­on aus meh­re­ren Prü­fern, die sich aus sach­kun­di­gen Ver­tre­tern des Wein­baus, des Wein­han­dels, der Wein­bau­ver­wal­tung und der Ver­brau­cher zusam­men­set­ze und wei­sungs­un­ab­hän­gig sei. Damit ver­fol­ge das Gemein­schafts- und das Bun­des­recht die Absicht, fach­li­chen Sach­ver­stand zu mobi­li­sie­ren, mög­li­che Sub­jek­ti­vis­men weit­ge­hend zu neu­tra­li­sie­ren und die Ent­schei­dung so ins­ge­samt zu ver­sach­li­chen. Dann aber ver­bie­te es sich, die fach­li­che Rich­tig­keit der Ent­schei­dung die­ser Sach­ver­stän­di­gen­kom­mis­si­on in einem Pro­zess anzu­zwei­feln; das Gericht sei außer­stan­de, den Wein zuver­läs­si­ger zu beur­tei­len oder durch gericht­li­che Sach­ver­stän­di­ge beur­tei­len zu las­sen als die vom Gesetz dafür vor­ge­se­he­nen Kom­mis­sio­nen. Das Gericht kön­ne ? und müs­se ? ledig­lich über­prü­fen, ob die gül­ti­gen Ver­fah­rens­be­stim­mun­gen ein­ge­hal­ten sei­en und ob die gesetz­li­chen und fach­li­chen Wer­tungs­maß­stä­be beach­tet wor­den sei­en. Inso­weit las­se sich das Urteil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts nicht bean­stan­den. Nament­lich habe das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt mit Recht kei­nen Ein­wand dage­gen erho­ben, dass die Sach­ver­stän­di­gen­kom­mis­si­on ihre Ent­schei­dung ent­spre­chend den rhein­land-pfäl­zi­schen Regeln nach dem Durch­schnitt der Prü­fer­mei­nun­gen tref­fe. Euro­päi­sches Gemein­schafts­recht und Bun­des­recht schrie­ben zwar vor, dass die Prü­fer­kom­mis­si­on eine Kol­le­gi­a­l­ent­schei­dung fäl­len müs­se, wes­halb die Prü­fer ihre Beur­tei­lun­gen im Kol­le­gi­um erör­tern müss­ten. Hier­aus erge­be sich aber nicht, dass sie, wenn sie sich nicht eini­gen könn­ten, nach Mehr­heit abstim­men müss­ten.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 16. Mai 2007 – C 8.06