Wer­be­ein­nah­men für den Todes­sprung

Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen kön­nen teu­er wer­den. Das gilt auch für Nach­rich­ten­sen­der und Inter­net­por­ta­le, die einen kur­zen Video­film über den Todes­sturz des FDP-Poli­ti­kers Jür­gen W. Möl­le­mann ohne Erlaub­nis des Her­stel­lers gezeigt haben. Der Bun­des­ge­richts­hof hat ges­tern in bei­den Fäl­len ent­schie­den, dass die Betrei­ber eines Nach­rich­ten­sen­ders und eines Inter­net­por­tals Aus­kunft über die an dem Tag erziel­ten Wer­be­ei­nah­men ertei­len müs­sen, an dem sie das urhe­ber­recht­lich geschütz­te Recht des Her­stel­lers eines Video­films durch des­sen Ver­öf­fent­li­chung schuld­haft ver­letzt haben.

Wer­be­ein­nah­men für den Todes­sprung

Die Beklag­te des ers­ten Ver­fah­rens 1 betreibt einen Nach­rich­ten­sen­der. Am 29. Juni 2007 strahl­te sie mehr­fach einen Video­film aus, der den töd­li­chen Fall­schirm­sprung des Poli­ti­kers Jür­gen Möl­le­mann zeig­te und den der Klä­ger von Bord des Flug­zeugs auf­ge­nom­men hat­te. Die Beklag­te des zwei­ten Ver­fah­rens 2 unter­hält ein Inter­net­por­tal, auf dem sie eben­falls am 29. Juni 2007 die­sen Video­film öffent­lich zugäng­lich mach­te.

Der Klä­ger hat die bei­den Beklag­ten zunächst auf Aus­kunft in Anspruch genom­men, wel­che Wer­be­er­lö­se die Beklag­ten am Tag der Ver­öf­fent­li­chung des Films erzielt haben, um sei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch bezif­fern zu kön­nen.

Das Land­ge­richt Bochum hat sowohl die Kla­ge gegen den Nach­rich­ten­sen­der 3 wie auch die Kla­ge gegen das Inter­net­por­tal 4 abge­wie­sen. Auf die Beru­fung des Fil­mers hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm die bei­den land­ge­richt­li­chen Urtei­le jedoch auf­ge­ho­ben und sowohl die Betrei­be­rin des Nach­rich­ten­sen­der 5 wie auch die Betrei­be­rin des Inter­net­por­tals 6 zur Ertei­lung die­ser Aus­kunft ver­ur­teilt.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die bei­den Beru­fungs­ur­tei­le des Ober­lan­des­ge­richts Hamm, wonach dem Klä­ger ein Aus­kunfts­an­spruch gegen die Beklag­ten zusteht, bestä­tigt und ledig­lich den Umfang der Aus­kunfts­an­sprü­che ein­ge­schränkt:

Die Beklag­ten haben das Recht des Klä­gers als Her­stel­ler des Video­films wider­recht­lich und schuld­haft durch die uner­laub­te Aus­strah­lung ver­letzt, so der BGH. Sie sind dem Klä­ger des­halb zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet. Die Scha­dens­er­satz­pflicht umfasst – je nach der Berech­nungs­art, die der Klä­ger wählt – die Her­aus­ga­be des Gewinns, den die Beklag­ten durch die Ver­öf­fent­li­chung erzielt haben. Um den Umfang die­ses Gewinns berech­nen zu kön­nen, benö­tigt der Klä­ger Anga­ben über die von den Beklag­ten am Tag der Ver­öf­fent­li­chung erziel­ten Wer­be­ein­nah­men. Die Beklag­ten haben zwar gel­tend gemacht, die durch die Aus­strah­lung von Wer­bung an die­sem Tag erziel­ten Ein­nah­men stün­den in kei­nem Zusam­men­hang mit den am sel­ben Tag ver­öf­fent­lich­ten Nach­rich­ten, weil die Kun­den die Wer­bung bereits Mona­te im Vor­aus in Auf­trag gege­ben hät­ten. Nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs kommt es hier­auf bei der Ermitt­lung des Ver­let­zer­ge­winns aber nicht an. Die Wer­ben­den erwar­ten, dass die Beklag­ten die Wer­bung in einem Nach­rich­ten­um­feld plat­zie­ren. Hier­zu rech­ne­te am frag­li­chen Tag auch der aus­ge­strahl­te Video­film. Dass die Beklag­ten statt des Video­films ande­re Nach­rich­ten hät­ten sen­den kön­nen, hebt den Zusam­men­hang zwi­schen der Ver­let­zung des Rechts des Klä­gers und den von den Beklag­ten erziel­ten Wer­be­ein­nah­men nicht auf.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 25. März 2010 – I ZR 122/​08 und I ZR 130/​08

  1. I ZR 122/​08
  2. I ZR 130/​08
  3. LG Bochum, Urteil vom 31.01.2008 – 8 O 312/​07
  4. LG Bochum, Urteil vom 13.12.2007 – 8 O 311/​07
  5. OLG Hamm, Urteil vom 24.06.2008 – 4 U 43/​08
  6. OLG Hamm, Urteil vom 24.06.2008 – 4 U 25/​08