Wer­be­por­trät eines Publikum­lieb­lings

Nach einem heu­te ver­kün­de­ten Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs kann die Wer­bung mit der Abbil­dung einer pro­mi­nen­ten Per­son auf dem Titel­blatt einer Zei­tung aus­nahms­wei­se auch ohne eine die­se Abbil­dung recht­fer­ti­gen­de Bericht­erstat­tung zuläs­sig sein, wenn sie dem Zweck dient, die Öffent­lich­keit über das Aus­se­hen und die Aus­rich­tung einer neu­en Zei­tung zu infor­mie­ren.

Wer­be­por­trät eines Publikum­lieb­lings

Der Klä­ger ist Gün­ther Jauch. Die Beklag­te beab­sich­tig­te, ab Sep­tem­ber 2006 ein Maga­zin mit dem Titel „Markt & Leu­te“ als gedruck­te Zei­tung und online im Inter­net anzu­bie­ten. Sie erstell­te eine Null­num­mer der Zei­tung, die ledig­lich in der Ein­füh­rungs­wer­bung für das Maga­zin ver­wen­det, aber nicht zum Kauf ange­bo­ten wer­den soll­te. Auf der Titel­sei­te der Null­num­mer vom 6. Juli 2006 befand sich unter dem Über­schrift „Ber­lin/​Hoch­zeit“ und dem Titel „Jauchs Hoch­zeit nicht völ­lig tabu“ ein Bericht dar­über, dass das Ber­li­ner Kam­mer­ge­richt das vom Klä­ger erwirk­te Ver­bot, über sei­ne bevor­ste­hen­de Hoch­zeit – sie fand am 7. Juli 2006 statt – zu berich­ten, vor­läu­fig auf­ge­ho­ben habe. Die­ser Bericht ist mit einem Por­trait­fo­to des Klä­gers bebil­dert. Die Beklag­te warb im Inter­net und in Zei­tungs­an­zei­gen mit Abbil­dun­gen die­ser Titel­sei­te für das Maga­zin. Da die Titel­sei­te nur unvoll­stän­dig abge­bil­det war, waren zwar der Name und das Por­trait­fo­to des Klä­gers, aber nur ein Teil des Tex­tes des dazu­ge­hö­ri­gen Arti­kels zu erken­nen. Die Beklag­te stell­te ihr Vor­ha­ben, das Maga­zin auf den Markt zu brin­gen, bereits vor dem Erschei­nen einer Erst­aus­ga­be ein.

Der Klä­ger ist der Ansicht, die Ver­wen­dung sei­nes Bild­nis­ses und Namens in der Wer­bung für das Maga­zin, die ohne sei­ne Ein­wil­li­gung erfolg­te, ver­let­ze sein Recht am eige­nen Bild und Namen. Er hat die Beklag­te zur Vor­be­rei­tung eines Scha­dens­er­satz­an­spruchs auf Aus­kunfts­er­tei­lung in Anspruch genom­men. Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Land­ge­richt Osna­brück hat die Kla­ge abge­wie­sen [1], auf die Beru­fung des Klä­gers hat sodann das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg dem Aus­kunfts­an­spruch statt­ge­ge­ben [2].

Auf die Revi­si­on der Beklag­ten hat der Bun­des­ge­richts­hof nun jedoch die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richs Olden­burg auf­ge­ho­ben und das Urteil des kla­ge­ab­wei­sen­de Land­ge­richts Osna­brück wie­der­her­ge­stellt. Die Prü­fung, ob die in der Wer­be­kam­pa­gne der Beklag­ten ver­wen­de­te Foto­gra­fie des Klä­gers als Bild­nis aus dem Bereich der Zeit­ge­schich­te im Sin­ne von § 23 Abs. 1 Nr. 1 KUG ohne sei­ne Ein­wil­li­gung ver­brei­tet wer­den durf­te, erfor­dert nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs eine Abwä­gung zwi­schen dem Inter­es­se des Klä­gers am Schutz sei­ner Per­sön­lich­keit und dem von der Beklag­ten wahr­ge­nom­me­nen Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se der Öffent­lich­keit. Der Ein­griff in das Per­sön­lich­keits­recht durch die Abbil­dung eines Por­trät­fo­tos des Klä­gers war hier ver­gleichs­wei­se gering­fü­gig, weil die Beklag­te damit ledig­lich die Auf­merk­sam­keit der Wer­be­adres­sa­ten auf ihre Zei­tung gelenkt hat, ohne den Wer­be­wert oder das Image des Klä­gers dar­über hin­aus aus­zu­nut­zen oder sein Anse­hen zu beschä­di­gen. Die Beklag­te kann sich dem­ge­gen­über auf das vom Grund­recht der Pres­se­frei­heit geschütz­te Inter­es­se beru­fen, die Öffent­lich­keit mit der Abbil­dung einer Titel­sei­te über die Gestal­tung und den Inhalt ihres geplan­ten Maga­zins zu infor­mie­ren. Bei der Inter­es­sen­ab­wä­gung kommt dem Umstand, dass der in der Wer­bung abge­bil­de­te Arti­kel über den Klä­ger in dem Maga­zin tat­säch­lich nicht erschie­nen ist und auch gar nicht hat erschei­nen sol­len, kei­ne ent­schei­den­de Bedeu­tung zu.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat mit die­sem Urteil noch­mals sei­ne Auf­fas­sung bekräf­tigt, die Pres­se­frei­heit wer­de über­mä­ßig ein­ge­schränkt, wenn ein Ver­lag, der für eine künf­tig erschei­nen­de Zei­tung in zuläs­si­ger Wei­se mit der Abbil­dung einer bei­spiel­haf­ten Titel­sei­te wirbt, ver­pflich­tet wäre, Bei­trä­ge zu The­men zu ver­öf­fent­li­chen, die zum Zeit­punkt des Beginns der Wer­be­kam­pa­gne aktu­ell waren, zum Zeit­punkt des Erschei­nens der Erst­aus­ga­be aber mög­li­cher­wei­se über­holt sind [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Novem­ber 2010 – I ZR 119/​08 – Markt & Leu­te

  1. LG Osna­brück, Urteil vom 21.12.2007 – 12 O 594/​07[]
  2. OLG Olden­burg, Urteil vom 30.06.2008 – 13 U 12/​08 []
  3. BGH, Urteil vom 26. Okto­ber 2009 – I ZR 65/​07, GRUR 2010, 546 – Der strau­cheln­de Lieb­ling[]