Werb­li­che Ver­ein­nah­mung Pro­mi­nen­ter – „Play­boy am Sonn­tag“

In der Ver­öf­fent­li­chung eines Fotos im redak­tio­nel­len Teil einer Zei­tung, das eine sich unbe­ob­ach­tet wäh­nen­de pro­mi­nen­te Per­son bei der Lek­tü­re einer Aus­ga­be die­ser Zei­tung zeigt, kann ein zur Zah­lung eines ange­mes­se­nen Lizenz­be­trags ver­pflich­ten­der rechts­wid­ri­ger Ein­griff in den ver­mö­gens­recht­li­chen Bestand­teil des all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts lie­gen, wenn auch die das Foto beglei­ten­de Wort­be­richt­erstat­tung ganz über­wie­gend werb­li­chen Cha­rak­ter hat und sich die mit der Bericht­erstat­tung ins­ge­samt ver­bun­de­ne sach­li­che Infor­ma­ti­on der Öffent­lich­keit dar­auf beschränkt, dass die abge­bil­de­te Per­son in ihrer Frei­zeit ein Exem­plar die­ser Zei­tung liest.

Werb­li­che Ver­ein­nah­mung Pro­mi­nen­ter – „Play­boy am Sonn­tag“

Mit die­ser Begrün­dung hat der Bun­des­ge­richts­hofs die Ver­ur­tei­lung des Axel-Sprin­ger-Ver­la­ges zur Zah­lung einer fik­ti­ven Lizenz­ge­bühr in Höhe von 50.000,- € wegen der werb­li­chen Ver­ein­nah­mung des vor einem Jahr ver­stor­be­nen Gun­ter Sachs bestä­tigt.

Der Axel-Sprin­ger-Ver­lag ver­legt unter ande­rem die „BILD am Sonn­tag“. In der Aus­ga­be vom 10. August 2008 befand sich auf der letz­ten Sei­te ein redak­tio­nell auf­ge­mach­ter Arti­kel, der mit drei Fotos des Klä­gers bebil­dert war. Auf einem groß­flä­chi­gen Foto ist der Klä­ger bei der Lek­tü­re einer Zei­tung mit dem „BILD“-Symbol zu erken­nen. Die Bil­din­nen­schrift lau­tet: „Gun­ter Sachs auf der Jacht „Lady Dra­cu­la“. Er liest BILD am SONNTAG, wie über elf Mil­lio­nen ande­re Deut­sche auch.“ Auch im Fließ­text wird die Lek­tü­re des Klä­gers her­aus­ge­stellt.

Gun­ter Sachs hat den Axel-Sprin­ger-Ver­lag dar­auf­hin auf Unter­las­sung und auf Zah­lung einer Lizenz­ver­gü­tung in Höhe von 50.000 € in Anspruch genom­men. Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Land­ge­richt Ham­burg hat den Ver­lag zur Unter­las­sung ver­ur­teilt und die Kla­ge im Übri­gen abge­wie­sen [1]. Auf die Beru­fung des Klä­gers hat das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg den Axel-Sprin­ger-Ver­lag dar­über hin­aus zur Zah­lung einer Lizenz­ver­gü­tung in der vom Klä­ger ver­lang­ten Höhe ver­ur­teilt [2].

Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun­mehr die gegen die­ses Urteil gerich­te­te Revi­si­on des Axel-Sprin­ger-Ver­la­ges zurück­ge­wie­sen. Dass der Klä­ger wäh­rend des Revi­si­ons­ver­fah­rens ver­stor­ben ist, hat­te auf das Ver­fah­ren kei­ne Aus­wir­kun­gen. Der Senat hat eine Ver­let­zung des Rechts am eige­nen Bild (§§ 22, 23 KUG) dar­in gese­hen, dass der Klä­ger durch die Abbil­dung und die beglei­ten­de Text­be­richt­erstat­tung ohne sei­ne Zustim­mung für Wer­be­zwe­cke ver­ein­nahmt wor­den ist. Hier­an ändert auch der Umstand nichts, dass die Wer­bung sich nicht in einer als sol­chen erkenn­ba­ren Anzei­ge, son­dern in einem redak­tio­nel­len Arti­kel befand. Der beklag­te Ver­lag kann sich dem­ge­gen­über nicht auf ein über­wie­gen­des Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se beru­fen. Viel­mehr hat das Per­sön­lich­keits­recht des Klä­gers – so der Bun­des­ge­richts­hof – Vor­rang gegen­über dem nur als gering zu ver­an­schla­gen­den Inter­es­se der Öffent­lich­keit an der Neu­ig­keit, dass der Klä­ger auf sei­ner Jacht die Zei­tung „Bild am Sonn­tag“ liest. Dabei hat der Bun­des­ge­richts­hof auch berück­sich­tigt, dass der beklag­te Ver­lag mit der Ver­öf­fent­li­chung des Fotos in unzu­läs­si­ger Wei­se in die Pri­vat­sphä­re des Klä­gers ein­ge­grif­fen hat. Durch Ver­ein­nah­mung des Klä­gers für die Wer­bung hat der Ver­lag einen ver­mö­gens­wer­ten Vor­teil erlangt, der den Anspruch auf Zah­lung der Lizenz begrün­det.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 31. Mai 2012 – I ZR 234/​10 [Play­boy am Sonn­tag]

  1. LG Ham­burg, Urteil vom 04.12.2009 – 324 O 338/​09, AfP 2010, 193[]
  2. OLG Ham­burg, Urteil vom 10.08.2010 – 7 U 130/​09, ZUM 2010, 884[]