Wer­bung am Auto – und die auto­ma­ti­sche Ver­län­ge­rung des Wer­be­ver­tra­ges

Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te aktu­ell über die Wirk­sam­keit einer Klau­sel zur auto­ma­ti­schen Ver­län­ge­rung eines Wer­be­ver­trags zu ent­schei­den.

Wer­bung am Auto – und die auto­ma­ti­sche Ver­län­ge­rung des Wer­be­ver­tra­ges

Kon­kret ging es dabei um eine unwirk­sa­me Wer­be­ver­län­ge­rung im Rah­men eines Humans­pon­so­rings: Die Klä­ge­rin ver­mie­tet Wer­be­flä­chen auf Kraft­fahr­zeu­gen. Die Fahr­zeu­ge erwirbt sie, um sie an sozia­le Insti­tu­tio­nen zu ver­lei­hen. Mit der Beklag­ten schloss sie am 22. März 2010 einen Ver­trag über eine Wer­be­flä­che auf einem Sozi­al­mo­bil, das einem Pfle­ge­stift als Insti­tu­ti­on über­las­sen wur­de. Ver­ein­bart war eine Basis­lauf­zeit von fünf Jah­ren zu einem Brut­to­ge­samt­preis von 2.299 €. Der von der Klä­ge­rin gestell­te For­mu­lar­ver­trag ent­hält u.a. fol­gen­de Bestim­mung: "Die Wer­be­lauf­zeit beginnt mit der Aus­lie­fe­rung des Fahr­zeu­ges an den Ver­trags­part­ner. Der Ver­trag ver­län­gert sich auto­ma­tisch ohne Neu­be­an­tra­gung um wei­te­re 5 Jah­re, wenn nicht 6 Mona­te vor Ablauf des Ver­tra­ges schrift­lich gekün­digt wird." Mit Schrei­ben vom 3. März 2015 wies die Klä­ge­rin dar­auf hin, dass man­gels Kün­di­gung eine Ver­trags­ver­län­ge­rung um wei­te­re fünf Jah­re ein­ge­tre­ten sei und stell­te für die zwei­te Wer­be­pe­ri­ode eine ers­te Rate in Rech­nung. Dar­auf­hin focht die Beklag­te den Ver­trag unter dem 9. März 2015 wegen arg­lis­ti­ger Täu­schung an, erklär­te den Rück­tritt vom Ver­trag und kün­dig­te die­sen.

Mit der dar­auf­hin erho­be­nen Kla­ge ver­langt die Klä­ge­rin die Ver­gü­tung für die ver­län­ger­te Ver­trags­lauf­zeit. Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Amts­ge­richt Schwä­bisch Hall hat die Kla­ge abge­wie­sen 1, das Land­ge­richt Heil­bronn die Beru­fung der Klä­ge­rin zurück­ge­wie­sen 2. Und auch die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on der Klä­ge­rin hat­te nun vor dem Bun­des­ge­richts­hof kei­nen Erfolg:

Bestim­mun­gen in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen sind unwirk­sam, wenn sie den Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders ent­ge­gen den Gebo­ten von Treu und Glau­ben unan­ge­mes­sen benach­tei­li­gen (§ 307 Abs. 1 Satz 1 BGB). Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ver­pflich­ten Treu und Glau­ben den Ver­wen­der von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen, die Rech­te und Pflich­ten sei­nes Ver­trags­part­ners mög­lichst klar und durch­schau­bar dar­zu­stel­len. Ver­stö­ße gegen die­ses sog. Trans­pa­renz­ge­bot ent­spre­chen nicht den Gebräu­chen und Gepflo­gen­hei­ten des Han­dels­ver­kehrs und füh­ren daher auch gegen­über einem Unter­neh­mer zur Unwirk­sam­keit for­mu­lar­mä­ßi­ger Geschäfts­be­din­gun­gen.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun­mehr klar­ge­stellt, dass eine Klau­sel zur auto­ma­ti­schen Ver­län­ge­rung eines Wer­be­ver­trags wegen feh­len­der Trans­pa­renz unwirk­sam ist, wenn bei Ver­trags­be­ginn nicht ein­deu­tig fest­steht, bis wann die Kün­di­gung zur Abwen­dung der Ver­län­ge­rung spä­tes­tens aus­ge­spro­chen wer­den muss. Dies ist auch dann der Fall, wenn das Ver­trags­en­de und die dar­an anknüp­fen­de letzt­mög­li­che Kün­di­gungs­mög­lich­keit unklar sind, weil schon der Ver­trags­be­ginn nicht ein­deu­tig fest­steht. Das war hier des­we­gen der Fall, weil nach dem Ver­trags­in­halt letzt­lich unklar bleibt, ob für den Ver­trags­be­ginn die bei Ver­trags­schluss unge­wis­se Aus­lie­fe­rung des Fahr­zeugs an die Klä­ge­rin oder des­sen Über­ga­be an die Insti­tu­ti­on maß­geb­lich ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 25. Okto­ber 2017 – XII ZR 1/​17

  1. AG Schwä­bisch Hall, Urteil vom 07.07.2016 – 6 C 928/​15[]
  2. LG Heil­bronn, Urteil vom 13.12.2016 – 2 S 85/​16[]