Wer­bung für Kin­der – die Zeug­nis­ak­ti­on

Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te aktu­ell über die Zuläs­sig­keit einer "Zeug­nis­ak­ti­on" eines Elek­tro­nik-Fach­mark­tes zu ent­schei­den, der in einer Zei­tungs­an­zei­ge mit einer Wer­be­ak­ti­on warb, bei der Schü­ler eine Kauf­preis­er­mä­ßi­gung von 2 € für jede Eins im Zeug­nis erhiel­ten. In der Anzei­ge wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Ermä­ßi­gung für alle von der Beklag­ten ange­bo­te­nen Waren­be­rei­che gel­ten soll­te.

Wer­bung für Kin­der – die Zeug­nis­ak­ti­on

Der kla­gen­de Bun­des­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len hält die­se Wer­bung für unlau­ter, da sie die ange­spro­che­nen Schü­ler in unzu­läs­si­ger Wei­se zum Kauf auf­for­de­re und deren geschäft­li­che Uner­fah­ren­heit aus­nut­ze.

Das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Land­ge­richt Pas­sau hat den auf Unter­las­sung gerich­te­ten Antrag abge­wie­sen 1. Auch die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung hat­te vor dem Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen kei­nen Erfolg 2. Nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Mün­chen ent­hält die Wer­bung zwar eine an Kin­der gerich­te­te Auf­for­de­rung zum Kauf. Sie ver­sto­ße aber nicht gegen die Ver­bots­norm der Num­mer 28 des Anhangs zu § 3 Abs. 3 UWG, weil sich der all­ge­mei­ne Kauf­ap­pell nicht auf kon­kre­te Pro­duk­te, son­dern auf das gesam­te Sor­ti­ment der Beklag­ten bezie­he. Die Wer­bung übe auch kei­nen unan­ge­mes­se­nen unsach­li­chen Ein­fluss auf die Ent­schei­dungs­frei­heit der ange­spro­che­nen Schul­kin­der aus und nut­ze auch nicht deren geschäft­li­che Uner­fah­ren­heit aus.

Und auch der vom Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen zuge­las­se­nen Revi­si­on blieb nun der Erfolg ver­sagt, der Bun­des­ge­richts­hof bil­lig­te die Wer­be­ak­ti­on und wies die Revi­si­on zurück:

Der Bun­des­ge­richts­hof hat ange­nom­men, dass es an einem hin­rei­chen­den Pro­dukt­be­zug im Sin­ne von Num­mer 28 des Anhangs zu § 3 Abs. 3 UWG fehlt. Die­se Bestim­mung setzt vor­aus, dass ein auf bestimm­te Pro­duk­te gerich­te­ter Kauf­ap­pell vor­liegt. Eine all­ge­mein auf das gesam­te Waren­sor­ti­ment bezo­ge­ne Kauf­auf­for­de­rung genügt nicht.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat – wie bereits das Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen – auch einen Wett­be­werbs­ver­stoß gemäß § 4 Nr. 1 und Nr. 2 UWG ver­neint. Bei der gebo­te­nen uni­ons­rechts­kon­for­men Aus­le­gung die­ser Vor­schrif­ten im Lich­te von Art. 8 und 9 der Richt­li­nie 2005/​29/​EG über unlau­te­re Geschäfts­prak­ti­ken kann weder ein unan­ge­mes­se­ner unsach­li­cher Ein­fluss auf die Ent­schei­dungs­frei­heit noch eine Aus­nut­zung der Uner­fah­ren­heit der von der Wer­bung ange­spro­che­nen Schul­kin­der ange­nom­men wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. April 2014 – I ZR 96/​13

  1. LG Pas­sau, Urteil vom 26.07.2012 – 3 O 843/​11[]
  2. OLG Mün­chen, Urteil vom 06.12 2012 – 6 U 3496/​12[]