Wer­bung in der Arzt-Soft­ware

Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat sich in letz­ter Zeit in zwei Eil­ent­schei­dun­gen mit der Pro­ble­ma­tik der Arz­nei­mit­tel­wer­bung in der von Ärz­ten genutz­ten Pra­xis­soft­ware befasst. Antrag­stel­ler waren jeweils Soft­ware­her­stel­ler, die gra­vie­ren­de wirt­schaft­li­che Ver­lus­te gel­tend mach­ten, soll­ten sie ihr Geschäfts­kon­zept nicht wie bis­lang fort­füh­ren kön­nen. Das LSG hat dage­gen die der­zei­ti­ge Rege­lung akzep­tiert, nach der Pra­xis­soft­ware für Ärz­te frei sein muss von mani­pu­la­ti­ver Wer­bung.

Wer­bung in der Arzt-Soft­ware

Ärz­te nut­zen Com­pu­ter­soft­ware unter ande­rem zur Ver­ord­nung von Arz­nei­mit­teln. Bis­lang war Wer­bung im Rah­men die­ser Soft­ware ohne Ein­schrän­kung erlaubt. Ihre Ein­nah­men erziel­ten die Her­stel­ler die­ser Soft­ware vor allem über ihre Wer­be­kun­den (Phar­ma­her­stel­ler), auf deren Pro­duk­te der Arzt bei Nut­zung der Soft­ware auf viel­fäl­ti­ge Wei­se hin­ge­wie­sen wur­de. Eine neue gesetz­li­che Rege­lung sieht nun vor, dass nur sol­che Soft­ware in Arzt­pra­xen zum Ein­satz kom­men darf, die von der Kas­sen­ärzt­li­chen Bun­des­ver­ei­ni­gung (KBV) zer­ti­fi­ziert wor­den ist. Das Gesetz will damit errei­chen, dass Ärz­ten die Ver­ord­nung von Arz­nei­mit­teln mani­pu­la­ti­ons­frei mög­lich ist. In Aus­füh­rung der gesetz­li­chen Vor­ga­ben haben die KBV und die Spit­zen­ver­bän­de der Kran­ken­kas­sen einen Anfor­de­rungs­ka­ta­log erstellt, der für Wer­bung bestimm­te Pflicht­funk­tio­nen auf­führt; Wer­bung darf nur noch in Form geson­der­ter, direkt erkenn­ba­rer und mit einer ein­zi­gen Akti­on ent­fern­ba­rer Wer­be­fens­ter in
Pra­xis­soft­ware ent­hal­ten sein; hin­ter einer Wer­bung darf kei­ne Funk­ti­on hin­ter­legt sein, die unmit­tel­bar zu einer Arz­nei­mit­tel­ver­ord­nung führt; Wer­bung und Pro­gramm­funk­tio­na­li­tät sind damit strikt zu tren­nen.

In einem ers­ten Beschluss vom 24. Okto­ber 2008 hat das LSG ent­schie­den, dass die gesetz­li­che Pflicht zur Zer­ti­fi­zie­rung nicht zu bean­stan­den und ins­be­son­de­re ver­fas­sungs­ge­mäß ist. Der gege­be­ne Ein­griff in die Berufs­frei­heit der Soft­ware­her­stel­ler sei gerecht­fer­tigt, weil der Gebrauch mani­pu­la­ti­ons­frei­er Pra­xis­soft­ware durch Ver­trags­ärz­te einen erheb­li­chen Gemein­wohl­be­lang dar­stel­le, zumal in der Ver­gan­gen­heit Pra­xis­soft­ware auf dem Markt gewe­sen sei, die stark mani­pu­la­tiv auf den Pro­zess der Ver­ord­nung von Arz­nei­mit­teln gewirkt habe, indem ein­sei­tig Pro­duk­te ein­zel­ner Phar­ma­her­stel­ler in den Vor­der­grund gescho­ben wor­den sei­en.

In einem zwei­ten Beschluss vom 17. Febru­ar 2009 hat das Pots­da­mer LSG die­se Recht­spre­chung aus­ge­wei­tet und die Ableh­nung der Zer­ti­fi­zie­rung einer bestimm­ten Pra­xis­soft­ware für recht­mä­ßig erklärt. Die frag­li­che Soft­ware ver­stieß mit eini­gen Funk­tio­nen gegen das Ver­bot der Ver­men­gung von Wer­bung und Pro­gramm. Im Lich­te des dem Recht der Kran­ken­ver­si­che­rung inne­woh­nen­den Wirt­schaft­lich­keits­ge­bots erschei­ne das gesetz­ge­be­ri­sche Anlie­gen, so das LSG, den Vor­gang der ärzt­li­chen Ver­ord­nung von Arz­nei­mit­teln von werb­li­cher Ein­fluss­nah­me strikt zu tren­nen, „gera­de­zu zwin­gend“.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 24. Okto­ber 2008 – L 7 B 57/​08 KA ER
Lan­des­so­zi­al­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 17. Febru­ar 2009 – L 7 B 115/​08 KA ER