Wider­ruf einer rund­funk­recht­li­chen Geneh­mi­gung

In der aus­ge­üb­ten rund­funk­recht­li­chen Ge­neh­mi­gung nach Art. 26 des Baye­ri­schen Medi­en­ge­set­zes (BayMG) liegt ein ver­mö­gens­wer­tes sub­jek­ti­ves öf­fent­li­ches Recht mit ei­gen­tums­ähn­li­chem Cha­rak­ter. Die all­ge­mei­ne Sat­zungs­er­mäch­ti­gung in Art. 25 Abs. 13 BayMG reicht als Grund­la­ge für die Wi­der­rufs­re­ge­lung in § 24 Abs. 1 Satz 3 der Sat­zung der Baye­ri­schen Lan­des­zen­tra­le für neue Medi­en über die Nut­zung von Fern­seh­ka­nä­len in Bay­ern nach dem Baye­ri­schen Medi­en­ge­setz (Fern­seh­sat­zung – FSS) nicht aus.

Wider­ruf einer rund­funk­recht­li­chen Geneh­mi­gung

Die Baye­ri­sche Lan­des­zen­tra­le für neue Medi­en (BLM) konn­te ihn nicht auf eine ver­fas­sungs­ge­mä­ße Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge stüt­zen. Sie hat hier­für § 24 Abs. 1 Satz 3 FSS in Anspruch genom­men. Die­se Vor­schrift ist indes unwirk­sam. Sie ist nicht von der Sat­zungs­ge­walt der BLM gedeckt. Eine Vor­schrift mit ihrem Inhalt kann nur der par­la­men­ta­ri­sche Gesetz­ge­ber erlas­sen.

Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG for­dert für die Ver­an­stal­tung pri­va­ter Rund­funk­sen­dun­gen eine gesetz­li­che Rege­lung. Durch die­se sind die zur Gewähr­leis­tung der Rund­funk­frei­heit erfor­der­li­chen Vor­keh­run­gen zu tref­fen. Um wirk­sam wer­den zu kön­nen, bedarf die in Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­te Frei­heit des Rund­funks der gesetz­li­chen Aus­ge­stal­tung 1. Die erfor­der­li­che recht­li­che Aus­ge­stal­tung unter­liegt dem Vor­be­halt des Geset­zes 2. Die­ser Vor­be­halt des Geset­zes ist ein (Lan­des-)Par­la­ments­vor­be­halt: Das zur Gewähr­leis­tung der Rund­funk­frei­heit Wesent­li­che muss das Par­la­ment selbst bestim­men; es darf die Ent­schei­dung dar­über nicht der Exe­ku­ti­ve, etwa in Gestalt einer all­ge­mei­nen, die Befug­nis zu Auf­la­gen umfas­sen­den Ermäch­ti­gung über­las­sen, auch nicht in der Wei­se, dass dies zwar nicht aus­drück­lich, aber der Sache nach durch nicht hin­rei­chend bestimm­te Nor­mie­run­gen geschieht. Eben­so wenig darf die Gewähr­leis­tung der Rund­funk­frei­heit einer Rege­lung durch Sat­zung der Ver­an­stal­ter anheim­ge­ge­ben wer­den 3. Dem Gesetz­ge­ber obliegt es unter ande­rem, die Vor­aus­set­zun­gen der Ertei­lung oder Ver­sa­gung der Erlaub­nis selbst zu bestim­men. Das Recht zur Ent­schei­dung über die Ver­an­stal­tung pri­va­ten Rund­funks auf die Exe­ku­ti­ve zu über­tra­gen, ist ihm durch den Par­la­ments­vor­be­halt ver­wehrt. Die­ser Vor­be­halt und das Gewal­ten­tei­lungs­prin­zip gebie­ten ihm, die der staat­li­chen Maß­nah­me offen lie­gen­de Rechts­sphä­re selbst abzu­gren­zen. Das Gesetz muss die Tätig­keit der Ver­wal­tung inhalt­lich nor­mie­ren und darf sich nicht dar­auf beschrän­ken, all­ge­mein gehal­te­ne Grund­sät­ze auf­zu­stel­len. Glei­ches gilt für einen Wider­ruf der Erlaub­nis 4.

Gemes­sen an die­sen Anfor­de­run­gen war die in § 24 Abs. 1 Satz 3 FSS getrof­fe­ne Rege­lung dem par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­ber vor­be­hal­ten.

In der Aus­le­gung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs ermäch­tigt § 24 Abs. 1 Satz 3 FSS die Beklag­te, eine erteil­te Geneh­mi­gung nach Art. 26 BayMG zur Ver­brei­tung des Ange­bots von Fens­ter­pro­gram­men zu wider­ru­fen, wenn sich die Inha­ber- und Betei­li­gungs­ver­hält­nis­se eines Anbie­ters um 50 v.H. und mehr ver­än­dern. Anders als noch das Ver­wal­tungs­ge­richt hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof der Vor­schrift ent­nom­men, dass der Wider­ruf nicht nur dekla­ra­to­risch das Erlö­schen der Geneh­mi­gung fest­stellt, son­dern kon­sti­tu­tiv die Gel­tung der Geneh­mi­gung been­det. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat aus­drück­lich die Auf­fas­sung der BLM ver­wor­fen, bereits die Ände­rung der Inha­ber- und Betei­li­gungs­ver­hält­nis­se las­se die Geneh­mi­gung mit der Fol­ge ent­fal­len, dass die Fort­set­zung der Anbiet­er­tä­tig­keit ihrer Geneh­mi­gung bedür­fe und die bis­her erteil­te Geneh­mi­gung bis zu die­ser Ent­schei­dung schwe­bend unwirk­sam sei. § 24 Abs. 1 Satz 3 FSS ist im Ver­ständ­nis des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs viel­mehr als Bestim­mung zu begrei­fen, wel­che die geneh­mig­te Anbiet­er­tä­tig­keit mit dem Vor­be­halt des Wider­rufs der Geneh­mi­gung für den Fall belas­tet, dass sich die Inha­ber- und Betei­li­gungs­ver­hält­nis­se des Anbie­ters ändern. Die Bestim­mung berech­tigt danach die Beklag­te, von dem Wider­rufs­vor­be­halt je nach Lage des Ein­zel­fal­les Gebrauch zu machen und ihn mit nähe­ren Maß­ga­ben zu ver­se­hen. Sie hat ins­be­son­de­re die Funk­ti­on, durch Besei­ti­gung der erteil­ten Geneh­mi­gung den Weg zu einer Neu­aus­schrei­bung der Anbiet­er­tä­tig­keit frei zu machen.

§ 24 Abs. 1 Satz 3 FSS belas­tet danach eine erteil­te Geneh­mi­gung unmit­tel­bar mit dem Vor­be­halt ihres Wider­rufs und regelt, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen einer­seits die Beklag­te zur Aus­übung des Wider­rufs berech­tigt ist und ande­rer­seits der Inha­ber der Geneh­mi­gung zur Fort­set­zung sei­ner Tätig­keit einer wei­te­ren Geneh­mi­gung bedarf und die­se erhal­ten kann. Sie regelt damit Fra­gen, die für den Bestand der geneh­mig­ten und durch Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG geschütz­ten Anbiet­er­tä­tig­keit von aus­schlag­ge­ben­der Bedeu­tung sind. Sie gestal­tet die Rund­funk­frei­heit in wesent­li­cher Bezie­hung aus und greift damit in den Bereich über, der dem par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­ber zur Rege­lung vor­be­hal­ten ist.

Die Rege­lung in § 24 Abs. 1 Satz 3 FSS konn­te nicht des­halb auf­grund blo­ßer Sat­zungs­ge­walt der BLM getrof­fen wer­den, weil der par­la­men­ta­ri­sche Lan­des­ge­setz­ge­ber im Baye­ri­schen Medi­en­ge­setz die Vor­aus­set­zun­gen der Geneh­mi­gung und die Abhän­gig­keit ihres Bestan­des von den Inha­ber- und Betei­li­gungs­ver­hält­nis­sen des Anbie­ters bereits so im Ein­zel­nen gere­gelt hat, dass eine Bestim­mung wie § 24 Abs. 1 Satz 3 FSS vor­ge­zeich­net war und sich als ein­fa­che Ergän­zung des par­la­men­ta­risch ver­ant­wor­te­ten Rege­lungs­werks dar­stellt.

Der Lan­des­ge­setz­ge­ber hat die Geneh­mi­gung aller­dings als höchst­per­sön­li­ches Recht aus­ge­stal­tet. Nach Art. 26 Abs. 1 Satz 1 BayMG setzt die Ertei­lung der Geneh­mi­gung bestimm­te per­sön­li­che Merk­ma­le des Anbie­ters vor­aus, näm­lich Zuver­läs­sig­keit, Leis­tungs­fä­hig­keit und Staats­fer­ne. Fol­ge­rich­tig hat der Gesetz­ge­ber in ver­schie­de­nen gesetz­li­chen Bestim­mun­gen zum Aus­druck gebracht, dass den Inha­ber- und Betei­li­gungs­ver­hält­nis­sen eines Anbie­ters eine wich­ti­ge Bedeu­tung zukommt. So darf die Geneh­mi­gung nach Art. 26 Abs. 1 Nr. 5 BayMG nur erteilt wer­den, wenn die Betei­li­gungs­ver­hält­nis­se des Anbie­ters nicht befürch­ten las­sen, dass er in einem Maße unter staat­li­chem Ein­fluss steht, das mit dem Gebot der Staats­fer­ne des Rund­funks nicht zu ver­ein­ba­ren ist. Mit Rück­sicht dar­auf hat ein Anbie­ter sei­ne Inha­ber- und Betei­li­gungs­ver­hält­nis­se bereits bei der Antrag­stel­lung mit­zu­tei­len (Art. 25 Abs. 1 Satz 4 BayMG). Jede spä­ter beab­sich­tig­te Ände­rung hat er unauf­ge­for­dert eben­falls mit­zu­tei­len (Art. 29 Abs. 1 Satz 4 BayMG). Ver­let­zun­gen die­ser Pflich­ten sind buß­geld­be­wehrt (Art. 37 Abs. 2 Nr. 2 BayMG). Sie kön­nen einen Wider­ruf der Geneh­mi­gung (Art. 26 Abs. 5 BayMG) oder eine Ein­stel­lung des Sen­de­be­triebs nach sich zie­hen (Art. 29 Abs. 1 Satz 6 BayMG). Die Mit­tei­lungs­pflich­ten wei­sen aber für sich noch nicht über die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der Geneh­mi­gung und deren Siche­rung hin­aus. Dass die Inha­ber- und Betei­li­gungs­ver­hält­nis­se bei der Antrag­stel­lung offen­zu­le­gen sind, ist erfor­der­lich, um die per­sön­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Ertei­lung der Geneh­mi­gung nach Art. 26 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, 3 und 5 BayMG über­prü­fen zu kön­nen. Dass spä­te­re Ände­run­gen der Inha­ber- und Betei­li­gungs­ver­hält­nis­se mit­zu­tei­len sind, ist erfor­der­lich, weil die Beklag­te nur so fest­stel­len kann, ob die Vor­aus­set­zun­gen für die erteil­te Geneh­mi­gung wei­ter vor­lie­gen, denn bei deren Weg­fall ist die Geneh­mi­gung nach der Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers zwin­gend zu wider­ru­fen (Art. 26 Abs. 5 BayMG).

Indem der Gesetz­ge­ber für die Geneh­mi­gung ent­schei­dend auch auf per­sön­li­che Merk­ma­le wie Zuver­läs­sig­keit, Leis­tungs­fä­hig­keit und Staats­fer­ne abstellt, misst er zwar zugleich dem Gebot der Mei­nungs­viel­falt und der Aus­ge­wo­gen­heit der Pro­gram­me eine zen­tra­le Bedeu­tung bei. Im Baye­ri­schen Medi­en­ge­setz wer­den Mei­nungs­viel­falt und Aus­ge­wo­gen­heit der Pro­gram­me aller­dings aus­drück­lich nur mit Blick auf die Gesamt­heit der im jewei­li­gen Ver­brei­tungs­ge­biet emp­fang­ba­ren Rund­funk­pro­gram­me ange­spro­chen (Art. 4, Art. 26 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 BayMG), nicht hin­ge­gen mit Blick auf eine Bin­nen­plu­ra­li­tät der Anbie­ter. Das gilt auch für Art. 25 Abs. 5 BayMG. Nach des­sen Satz 1 darf nie­mand durch sei­ne Betei­li­gung an Rund­funk­pro­gram­men einen in hohem Maße ungleich­ge­wich­ti­gen Ein­fluss auf die Bil­dung der öffent­li­chen Mei­nung im Ver­sor­gungs­ge­biet (vor­herr­schen­de Mei­nungs­macht) erhal­ten. Zur Ver­hin­de­rung vor­herr­schen­der Mei­nungs­macht kommt nach Satz 2 Nr. 1 im Ein­zel­fall ein­zeln oder in Kom­bi­na­ti­on mit ande­ren Vor­keh­run­gen eine plu­ra­le gesell­schafts­recht­li­che Zusam­men­set­zung des Anbie­ters in Betracht, die kei­nem Gesell­schaf­ter einen beherr­schen­den Ein­fluss in den Orga­nen der Gesell­schaft ermög­licht. Der Gesetz­ge­ber muss beim pri­va­ten Rund­funk ledig­lich dafür sor­gen, dass die ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an die Viel­falt in der Bericht­erstat­tung im Ergeb­nis durch das Gesamt­an­ge­bot aller Ver­an­stal­ter erfüllt wer­den; für pri­va­te Rund­funk­ver­an­stal­ter ver­langt Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG kei­ne bin­nen­plu­ra­lis­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on, weil damit die­se Form der Ver­an­stal­tung von Rund­funk­sen­dun­gen um das Grund­ele­ment pri­va­ter auto­no­mer Gestal­tung und Ent­schei­dung und damit um ihre eigent­li­che Sub­stanz gebracht wür­de 5. Wenn der Gesetz­ge­ber danach von Ver­fas­sungs wegen zwar nicht ver­pflich­tet ist, das Gebot der Mei­nungs­viel­falt und Aus­ge­wo­gen­heit der Pro­gram­me durch Vor­schrif­ten über die Bin­nen­plu­ra­li­tät pri­vat­recht­lich orga­ni­sier­ter Anbie­ter zu sichern, kann er doch im Rah­men sei­ner wei­ten Gestal­tungs­frei­heit Mei­nungs­viel­falt und Aus­ge­wo­gen­heit der Pro­gram­me auch durch geeig­ne­te Anfor­de­run­gen an die Bin­nen­plu­ra­li­tät der Anbie­ter för­dern. Vor­schrif­ten wie § 24 Abs. 1 FSS mögen des­halb ihrem Inhalt nach zuläs­sig sein.

Das vom Baye­ri­schen Medi­en­ge­setz geschaf­fe­ne und inten­dier­te Regel­werk bleibt aber nicht unvoll­stän­dig, wenn eine Rege­lung die­ser Art fehlt. Die steu­ern­den Vor­ga­ben für die Ertei­lung einer Geneh­mi­gung und deren Bestand sind nicht der­art dicht, dass es als Aus­ge­stal­tung und blo­ßer Abschluss der gesetz­li­chen Vor­ga­ben erscheint, wenn unab­hän­gig vom Fort­be­stand der Geneh­mi­gungs­vor­aus­set­zun­gen der Weg­fall der Geneh­mi­gung auch bei einer bestimm­ten Ände­rung der Inha­ber- und Betei­li­gungs­ver­hält­nis­se vor­ge­se­hen wird. Bestimm­te Anfor­de­run­gen an die Bin­nen­plu­ra­li­tät der Anbie­ter sind nicht Vor­aus­set­zung der Geneh­mi­gung, auf deren Siche­rung sich die gesetz­li­chen Vor­schrif­ten bezie­hen. Indem der Sat­zungs­ge­ber eine bestimm­te pro­zen­tua­le Ände­rung der Inha­ber- und Betei­li­gungs­ver­hält­nis­se fest­legt und abhän­gig von ihr den Bestand der Geneh­mi­gung in Fra­ge stellt, trifft er nicht eine Rege­lung, die sich ohne Wei­te­res schon aus der Höchst­per­sön­lich­keit der Geneh­mi­gung ergibt. Er schafft viel­mehr einen eigen­stän­di­gen zusätz­li­chen Been­di­gungs­tat­be­stand mit einem wei­ter­rei­chen­den Rege­lungs­ziel. Ande­re Gestal­tun­gen sind denk­bar und geset­zes­kon­form. Bezeich­nen­der­wei­se haben eini­ge ande­re Bun­des­län­der in ihren Medi­en­ge­set­zen abwei­chen­de Bestim­mun­gen getrof­fen; sie las­sen teil­wei­se auch bei Ände­run­gen der Inha­ber- und Betei­li­gungs­ver­hält­nis­se von mehr als 50 v.H. eine Fort­füh­rung der Anbiet­er­tä­tig­keit zu, sofern Belan­ge der Mei­nungs­viel­falt und der Aus­ge­wo­gen­heit nicht ent­ge­gen ste­hen (vgl. bei­spiels­wei­se § 17 Abs. 3 des Staats­ver­tra­ges über das Medi­en­recht in Ham­burg und Schles­wig-Hol­stein 6).

Im Übri­gen hat der par­la­men­ta­ri­sche Gesetz­ge­ber im Baye­ri­schen Medi­en­ge­setz ent­spre­chend den ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben die Vor­aus­set­zun­gen der Ertei­lung oder Ver­sa­gung der Geneh­mi­gung (Art. 26 Abs. 1 Satz 1 BayMG) sowie die Vor­aus­set­zun­gen ihres Wider­rufs (Art. 26 Abs. 5 BayMG) gere­gelt. Er hat vor­ge­schrie­ben, dass die Geneh­mi­gung mit einer Befris­tung ver­se­hen wer­den soll (Art. 26 Abs. 1 Satz 2 BayMG), hat aber die Beklag­te nicht ermäch­tigt, der Geneh­mi­gung einen Wider­rufs­vor­be­halt für ande­re als die von ihm aus­drück­lich gere­gel­ten Wider­rufs­grün­de bei­zu­fü­gen. Die von ihm erteil­te Ermäch­ti­gung zum Erlass einer Sat­zung bezieht sich nur auf Ein­zel­hei­ten des Ver­fah­rens, Fra­gen der Pro­grammor­ga­ni­sa­ti­on, des Inhalts der Geneh­mi­gun­gen sowie der ein­zu­brin­gen­den Ange­bo­te (Art. 25 Abs. 13 BayMG). Vor­aus­set­zun­gen für die Ertei­lung der Geneh­mi­gung oder deren Wider­ruf sind dort nicht genannt. Da der par­la­men­ta­ri­sche Gesetz­ge­ber die­se Fra­gen in Erfül­lung der ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben in dem fol­gen­den Art. 26 BayMG selbst gere­gelt hat, ist sein Schwei­gen in der Ermäch­ti­gungs­norm des Art. 25 Abs. 13 BayMG in dem Sin­ne beredt, dass neben den Fäl­len des Art. 26 Abs. 5 BayMG kei­ne wei­te­ren Wider­rufs­fäl­le im Wege der Sat­zung ein­ge­führt wer­den dür­fen. Die hier­von abwei­chen­de wei­te Aus­le­gung der Sat­zungs­er­mäch­ti­gung durch den Ver­wal­tungs­ge­richts­hof berück­sich­tigt ihrer­seits die ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben nicht. Bei dem ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Ver­ständ­nis der Sat­zungs­er­mäch­ti­gung deckt Art. 25 Abs. 13 BayMG die hier in Rede ste­hen­de Sat­zungs­be­stim­mung nicht. Sie ist auch aus die­sem Grun­de unwirk­sam.

Der par­la­men­ta­ri­sche Gesetz­ge­ber kann die Rege­lungs­dich­te bei der Aus­ge­stal­tung der Rund­funk­frei­heit nicht des­halb zurück­neh­men und auch wesent­li­che Ent­schei­dun­gen etwa dem Ver­an­stal­ter als Sat­zungs­ge­ber über­las­sen, weil bei der Aus­ge­stal­tung der Rund­funk­frei­heit dem Gebot der Staats­fer­ne Rech­nung zu tra­gen ist. Staats­frei­heit des Rund­funks bedeu­tet, dass der Staat weder selbst Rund­funk­ver­an­stal­ter sein noch bestim­men­den Ein­fluss auf das Pro­gramm der von ihm unab­hän­gi­gen Ver­an­stal­ter gewin­nen darf 7. Das Gebot der Staats­frei­heit stellt damit Anfor­de­run­gen an den Inhalt der Rege­lun­gen, die jeder Norm­ge­ber zu beach­ten hat. Es sagt aber nichts dar­über aus, von wem die Rege­lung auf­grund des Vor­be­halts des Geset­zes getrof­fen wer­den darf.

Der BLM als Sat­zungs­ge­ber kommt auch kei­ne erhöh­te demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on zu, die es recht­fer­ti­gen könn­te, im Ver­hält­nis zu ihr die Anfor­de­run­gen an den Vor­be­halt des Geset­zes im Sin­ne des Par­la­ments­vor­be­halts abzu­sen­ken. Die Beklag­te nimmt kei­ne Auf­ga­ben der funk­tio­na­len Selbst­ver­wal­tung wahr. Sie schafft kein Bin­nen­recht, an des­sen Ent­ste­hung die Norm­un­ter­wor­fe­nen durch ihre Reprä­sen­ta­ti­on in den Orga­nen der BLM betei­ligt sind. Die Anbie­ter von Rund­funk­pro­gram­men sind in den Orga­nen der BLM nicht ver­tre­ten und ver­wal­ten sich nicht selbst. Die Beklag­te übt die Auf­sicht ihnen gegen­über aus.

Der Wider­ruf der Geneh­mi­gung kann nicht statt auf § 24 Abs. 1 Satz 3 FSS auf Art. 49 BayV­wVfG oder auf Art. 26 Abs. 5 BayMG gestützt wer­den.

Nach Art. 49 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 BayV­wVfG darf ein recht­mä­ßi­ger begüns­ti­gen­der Ver­wal­tungs­akt, auch nach­dem er unan­fecht­bar gewor­den ist, mit Wir­kung für die Zukunft wider­ru­fen wer­den, wenn die Behör­de auf Grund nach­träg­lich ein­ge­tre­te­ner Tat­sa­chen berech­tigt wäre, den Ver­wal­tungs­akt nicht zu erlas­sen und wenn ohne den Wider­ruf das öffent­li­che Inter­es­se gefähr­det wür­de.

Die Ände­rung der Inha­ber- und Betei­li­gungs­ver­hält­nis­se könn­te zwar eine nach­träg­lich ein­ge­tre­te­ne Tat­sa­che sein, die die Beklag­te berech­tig­te, die Geneh­mi­gung jetzt nicht zu ertei­len. Eine ursprüng­li­che vor­han­de­ne Bin­nen­plu­ra­li­tät in der Gestalt meh­re­rer Gesell­schaf­ter könn­te ein Umstand sein, der bei der Aus­wahl unter meh­re­ren Bewer­bern für eine Anbiet­er­tä­tig­keit den Aus­schlag gibt und inso­weit für die Aus­übung des Aus­wahler­mes­sens von Bedeu­tung war. Der Weg­fall die­ses Umstan­des berech­tig­te die Beklag­te, jetzt eine ande­re Ermes­sens­ent­schei­dung zu tref­fen.

Aller­dings ist nicht ersicht­lich, dass im kon­kre­ten Fall ohne den Wider­ruf das öffent­li­che Inter­es­se gefähr­det wäre. Dies kann nicht pau­schal mit einem öffent­li­chen Inter­es­se an einem viel­fäl­ti­gen Rund­funk bejaht wer­den. Viel­mehr käme es dar­auf an, ob durch die Ände­rung der Betei­li­gungs­ver­hält­nis­se kon­kret die Mei­nungs­viel­falt in einer Wei­se ver­kürzt wür­de, dass die Fort­set­zung auch nur für die Rest­lauf­zeit der Geneh­mi­gung nicht mehr hin­nehm­bar wäre. Dafür ist hier nichts her­vor­ge­tre­ten.

Ent­schei­dend ist jedoch, dass ein Wider­ruf nach Art. 49 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 BayV­wVfG nament­lich mit Blick auf das dort gefor­der­te öffent­li­che Inter­es­se ganz ande­re Ermes­sens­er­wä­gun­gen ver­langt, als sie die Beklag­te hier ange­stellt hat und mit Blick auf die ein­fach struk­tu­rier­te Vor­schrift des § 24 Abs. 1 Satz 3 FSS nur anzu­stel­len brauch­te. Mit­hin feh­len in dem strei­ti­gen Bescheid Ermes­sens­er­wä­gun­gen, die einen Wider­ruf nach Art. 49 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 BayV­wVfG zu tra­gen ver­mö­gen. Dies schließt es aus, den Bescheid auf die­se Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge zu stüt­zen.

Nach Art. 26 Abs. 5 BayMG muss die Geneh­mi­gung wider­ru­fen wer­den, wenn nach­träg­lich die Vor­aus­set­zun­gen für ihre Ertei­lung nach Art. 26 Abs. 1 Satz 1 BayMG ent­fal­len sind. Nach Art. 26 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BayMG setzt die Geneh­mi­gung vor­aus, dass der Anbie­ter erwar­ten lässt, er wer­de die recht­li­chen Bestim­mun­gen sowie die Auf­la­gen der BLM ein­hal­ten. Zwei­fel an der damit umschrie­be­nen Zuver­läs­sig­keit des ver­blie­be­nen Gesell­schaf­ters sind in der Sit­zung des Medi­en­ra­tes vom 14.05.2009 geäu­ßert, aber nicht geklärt wor­den. Einer sol­chen Klä­rung bedarf es auch jetzt nicht. Ein Wider­ruf wegen nicht mehr gege­be­ner Zuver­läs­sig­keit stellt sowohl nach der Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge als auch nach dem her­an­zu­zie­hen­den Sach­ver­halt einen gänz­lich ande­ren Ver­fah­rens­ge­gen­stand dar als ein Wider­ruf wegen geän­der­ter Inha­ber- und Betei­li­gungs­ver­hält­nis­se. Es gin­ge nicht mehr dar­um, den­sel­ben Ver­wal­tungs­akt auf eine ande­re Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge zu stüt­zen, son­dern um den Erlass eines ande­ren Ver­wal­tungs­akts, den die Beklag­te erklär­ter­ma­ßen nicht woll­te.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 11. Juli 2012 – 6 C 39.11

  1. BVerfG, Urteil vom 16.06.1981 – 1 BvL 89/​78, BVerfGE 57, 295, 319[]
  2. BVerfG, a.a.O., 320[]
  3. BVerfG, a.a.O., 321[]
  4. BVerfG, a.a.O., 326 f.[]
  5. BVerfG, Urteil vom 12.03.2008 – 2 BvF 4/​03, BVerfGE 121, 30, 50 ff.[]
  6. HmbGVBl 2007, 48[]
  7. BVerfG, Urteil vom 12.03.2008 a.a.O., 61[]