Wie­der­ho­lungs­ge­fahr – Erst­be­ge­hungs­ge­fahr – und der ein­heit­li­che Streit­ge­gen­stand

Die Prü­fung des Anspruchs unter dem Gesichts­punkt einer Erst­be­ge­hungs­ge­fahr – statt wie in der Vor­in­stanz ledig­lich einer nicht bestehen­den Wie­der­ho­lungs­ge­fahr – steht offen, weil es sich inso­weit nicht um einen neu­en Streit­ge­gen­stand han­delt, des­sen Gel­tend­ma­chung eine in der Revi­si­ons­in­stanz unzu­läs­si­ge Kla­ge­än­de­rung dar­stell­te 1. Viel­mehr ist ein ein­heit­li­cher Streit­ge­gen­stand betrof­fen.

Wie­der­ho­lungs­ge­fahr – Erst­be­ge­hungs­ge­fahr – und der ein­heit­li­che Streit­ge­gen­stand

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs wird der Streit­ge­gen­stand durch den Kla­ge­an­trag, in dem sich die vom Klä­ger in Anspruch genom­me­ne Rechts­fol­ge kon­kre­ti­siert, und den Lebens­sach­ver­halt (Kla­ge­grund) bestimmt, aus dem der Klä­ger die begehr­te Rechts­fol­ge her­lei­tet 2. Der neben dem Kla­ge­an­trag für die Bestim­mung des Streit­ge­gen­stands maß­geb­li­che Kla­ge­grund wird durch den gesam­ten his­to­ri­schen Lebens­vor­gang bestimmt, auf den sich das Rechts­schutz­be­geh­ren der Kla­ge­par­tei bezieht 3. Unter­schied­li­che Kla­ge­grün­de lie­gen vor, wenn ein Unter­las­sungs­an­trag zum einen auf Wie­der­ho­lungs­ge­fahr und zum ande­ren auf Erst­be­ge­hungs­ge­fahr gestützt wird, sofern unter­schied­li­che Lebens­sach­ver­hal­te betrof­fen sind, zwi­schen denen kein zeit­li­cher und sach­li­cher Zusam­men­hang besteht 4. Danach han­delt es sich grund­sätz­lich um zwei Streit­ge­gen­stän­de, wenn ein Unter­las­sungs­an­spruch zum einen wegen der vor­pro­zes­su­al began­ge­nen Ver­let­zungs­hand­lung auf Wie­der­ho­lungs­ge­fahr und zum ande­ren auf Erst­be­ge­hungs­ge­fahr wegen Erklä­run­gen gestützt wird, die der in Anspruch Genom­me­ne erst spä­ter im gericht­li­chen Ver­fah­ren abgibt 5. Geht einem ein­heit­li­chen Unter­las­sungs­an­trag hin­ge­gen sowohl ein als Ver­let­zungs­hand­lung bean­stan­de­tes Ver­hal­ten als auch eine hier­mit zeit­lich und sach­lich in Zusam­men­hang ste­hen­de Rechts­be­rüh­mung vor­aus, ist nur ein Kla­ge­grund gege­ben 6

Nach die­sen Grund­sät­zen war im hier ent­schie­de­nen Streit­fall Kla­ge­grund der Unter­las­sungs­kla­ge (hier: wegen ille­ga­len Musik-Down­loads) ein ein­heit­li­cher Lebens­sach­ver­halt, so dass nur ein Streit­ge­gen­stand zur Prü­fung steht.

Im hier ent­schie­de­nen Fall hat die Beklag­te mit ihrer Wider­kla­ge einen ein­heit­li­chen Unter­las­sungs­an­trag gestellt und hier­zu vor­ge­tra­gen, über den nicht durch ein Pass­wort geschütz­ten WLAN-Inter­net­zu­gang des Klä­gers sei der Musik­ti­tel "Bring mich nach Hau­se" zum Her­un­ter­la­den im Wege des File­sha­rings bereit­ge­stellt wor­den. Der Erhe­bung der Wider­kla­ge ist fer­ner die Erhe­bung der Fest­stel­lungs­kla­ge sowie eine ent­spre­chen­de Berüh­mung des Klä­gers mit dem Inhalt vor­aus­ge­gan­gen, zum einen nicht zur Unter­las­sung der ihm von der Beklag­ten außer­ge­richt­lich vor­ge­hal­te­nen Ver­let­zungs­hand­lung, zum ande­ren auch nicht zur Siche­rung des von ihm ange­bo­te­nen WLAN-Inter­net­zu­gangs ver­pflich­tet zu sein. Die­ses der Erhe­bung der Wider­kla­ge vor­aus­ge­gan­ge­ne Ver­hal­ten des Klä­gers steht in einem zeit­li­chen und sach­li­chen Zusam­men­hang mit der bean­stan­de­ten Ver­let­zungs­hand­lung, so dass der Wider­kla­ge ein ein­heit­li­cher Streit­ge­gen­stand zugrun­de liegt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 7. März 2019 – I ZR 53/​18

  1. vgl. BGH, Urteil vom 23.09.2015 – I ZR 15/​14, GRUR 2016, 83 Rn. 40 = WRP 2016, 213 Amplidect/​ampliteq[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 13.09.2012 – I ZR 230/​11, BGHZ 194, 314 Rn.19 Bio­mi­ne­ral­was­ser; Urteil vom 11.10.2017 – I ZR 78/​16, GRUR 2018, 431 Rn. 11 = WRP 2018, 413 Tie­gel­grö­ße, jeweils mwN[]
  3. BGHZ 194, 314 Rn.19 Bio­mi­ne­ral­was­ser[]
  4. vgl. BGH, GRUR 2016, 83 Rn. 41 Amplidect/​ampliteq, mwN; Büscher in Fezer/​Büscher/​Obergfell, UWG, 3. Aufl., § 12 Rn. 280[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 26.01.2006 – I ZR 121/​03, GRUR 2006, 429 Rn. 22 = WRP 2006, 584 Schlank­Kap­seln; BGH, GRUR 2016, 83 Rn. 41 Amplidect/​ampliteq[]
  6. vgl. BGH, GRUR 2016, 83 Rn. 41 Amplidect/​ampliteq[]