Zif­fern als Gemein­schafts­mar­ke

Ein aus­schließ­lich aus Zif­fern bestehen­des Zei­chen kann als Gemein­schafts­mar­ke ein­ge­tra­gen wer­den. Als beschrei­ben­de Anga­be des Inhalts der von ein­ge­reich­ten Anmel­dung erfass­ten Ver­öf­fent­li­chun­gen besitzt das Zei­chen „1000“ jedoch kei­ne Unter­schei­dungs­kraft.

Zif­fern als Gemein­schafts­mar­ke

Nach der Ver­ord­nung über die Gemein­schafts­mar­ke 1 kön­nen Gemein­schafts­mar­ken alle Zei­chen sein, die sich gra­fisch dar­stel­len las­sen, ein­schließ­lich Zah­len, soweit sol­che Zei­chen geeig­net sind, Waren oder Dienst­leis­tun­gen eines Unter­neh­mens von den­je­ni­gen ande­rer Unter­neh­men zu unter­schei­den. Folg­lich sind von der Ein­tra­gung ins­be­son­de­re Mar­ken aus­ge­schlos­sen, die aus­schließ­lich aus Zei­chen oder Anga­ben bestehen, die Merk­ma­le der betref­fen­den Waren oder Dienst­leis­tun­gen, wie z. B. Art, Beschaf­fen­heit oder Men­ge, bezeich­nen kön­nen.

Im Jahr 2005 mel­de­te die Agen­c­ja Wydaw­nicza Tech­no­pol sp. z o.o., ein pol­ni­scher Her­aus­ge­ber von Bro­schü­ren und Zeit­schrif­ten mit u. a. Rät­seln und Spie­len, beim Har­mo­ni­sie­rungs­amt für den Bin­nen­markt (HABM) in Ali­can­te als dem in der EU zustän­di­gen Amt für Gemein­schafts­mar­ken das Zei­chen „1000“ als Gemein­schafts­mar­ke an. Das Har­mo­ni­sie­rungs­amt wies die­se Anmel­dung zurück. Es war der Auf­fas­sung, dass die­ses Zei­chen den Inhalt der Ver­öf­fent­li­chun­gen von Tech­no­pol bezeich­nen kön­ne und dass das Zei­chen jeden­falls nicht unter­schei­dungs­kräf­tig sei, weil es vom Ver­brau­cher als Anprei­sung die­ser Ver­öf­fent­li­chun­gen und nicht als Her­kunfts­be­zeich­nung wahr­ge­nom­men wer­de.

Tech­no­pol erhob gegen die­se Ent­schei­dung des HABM Kla­ge beim Gericht ers­ter Instanz. In sei­nem im Novem­ber 2009 ergan­ge­nen Urteil 2 bestä­tig­te das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on die Ent­schei­dung des Har­mo­ni­sie­rungs­am­tes und führ­te aus, dass das Zei­chen „1000“ auf eine Men­ge ver­wei­se und hin­sicht­lich der von der Anmel­dung erfass­ten Waren vom ange­spro­che­nen Publi­kum sofort und ohne Wei­te­res als eine Beschrei­bung der Merk­ma­le die­ser Waren, ins­be­son­de­re der Men­ge der Sei­ten und der Wer­ke, Anga­ben und Spie­le in einer Samm­lung oder der Rang­lis­te der in ihnen ent­hal­te­nen Anga­ben, ver­stan­den wer­de. Tech­no­pol leg­te gegen die­ses Urteil ein Rechts­mit­tel beim Gerichts­hof ein.

Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on weist zunächst dar­auf hin, dass eines der All­ge­mein­in­ter­es­sen der Ver­ord­nung über die Gemein­schafts­mar­ke dar­in besteht, sicher­zu­stel­len, dass die Zei­chen, die eines oder meh­re­re Merk­ma­le der Waren oder Dienst­leis­tun­gen, für die die Ein­tra­gung bean­tragt wird, beschrei­ben, von allen Wirt­schafts­teil­neh­mern, die sol­che Waren oder Dienst­leis­tun­gen anbie­ten, frei ver­wen­det wer­den kön­nen.

Damit sodann die Ein­tra­gung eines aus­schließ­lich aus Zif­fern bestehen­den Zei­chens mit der Begrün­dung, es bezeich­ne eine Men­ge, zurück­ge­wie­sen wer­den kann, muss ver­nünf­ti­ger­wei­se davon aus­zu­ge­hen sein, dass die durch die­se Zif­fern ange­ge­be­ne Men­ge in den Augen der betei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se die Waren oder Dienst­leis­tun­gen cha­rak­te­ri­siert, für die die Ein­tra­gung bean­tragt wird.

Das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on hat zu Recht befun­den, dass, wenn sich eine Anmel­dung ins­be­son­de­re auf eine Kate­go­rie von Waren bezieht, deren Inhalt leicht und typi­scher­wei­se durch die Men­ge ihrer Bestand­tei­le bezeich­net wird – wie im vor­lie­gen­den Fall Zeit­schrif­ten mit u. a. Kreuz­wort­rät­seln – ver­nünf­ti­ger­wei­se davon aus­zu­ge­hen ist, dass ein aus Zif­fern bestehen­des Zei­chen wie das frag­li­che tat­säch­lich von den betei­lig­ten Ver­kehrs­krei­sen als Beschrei­bung die­ser Men­ge erkannt und somit als Merk­mal die­ser Waren iden­ti­fi­ziert wer­den wird.

Zum Vor­brin­gen von Tech­no­pol, das Har­mo­ni­sie­rungs­amt für den Bin­nen­markt sei sei­ner frü­he­ren Ent­schei­dungs­pra­xis zu ähn­li­chen Anmel­dun­gen nicht gefolgt, hebt der Gerichts­hof her­vor, dass das Amt bei der Prü­fung von Anmel­dun­gen zu ähn­li­chen Anmel­dun­gen bereits ergan­ge­ne Ent­schei­dun­gen berück­sich­ti­gen und beson­de­res Augen­merk auf die Fra­ge rich­ten muss, ob im glei­chen Sin­ne zu ent­schei­den ist oder nicht. Dem­nach muss jede Prü­fung einer Anmel­dung streng und umfas­send sein, um eine unge­recht­fer­tig­te Ein­tra­gung von Mar­ken zu ver­hin­dern. Im vor­lie­gen­den Fall hat sich erge­ben, dass im Gegen­satz zu frü­he­ren Anmel­dun­gen von aus Zif­fern bestehen­den Zei­chen der vor­lie­gen­den Anmel­dung eines der in der Ver­ord­nung über die Gemein­schafts­mar­ke auf­ge­führ­ten Ein­tra­gungs­hin­der­nis­se ent­ge­gen­stand.

Folg­lich weist der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on das Rechts­mit­tel von Tech­no­pol zurück.

Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on, Urteil vom 10. März 2011 – C‑51/​10 P [Agen­c­ja Wydaw­nicza Tech­no­pol sp. z o.o. /​HABM]

  1. Ver­ord­nung (EG) Nr. 40/​94 des Rates vom 20. Dezem­ber 1993 über die Gemein­schafts­mar­ke (ABl. 1994, L 11, S. 1), ersetzt durch die Ver­ord­nung (EG) Nr. 207/​2009 des Rates vom 26. Febru­ar 2009 über die Gemein­schafts­mar­ke (ABl. L 78, S. 1).[]
  2. EuG Urteil vom 19.11.2009 – T‑298/​06 [Agen­c­ja Wydaw­nicza Technopol/​HABM (1000)].[]